Sulzthal

Sulzthalerin coacht Sänger an der Straßburger Oper

Nach dem Musik-Studium arbeitet Karolina Halbig seit Herbst als Korrepetitorin an der Rhein-Oper in Straßburg. Trotzdem kehrt sie gerne regelmäßig in ihre Heimat zurück und begleitet Gottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft.
Auf der obersten Empore und mit Blick auf das Altarbild der Sulzthaler Marienkirche im Hintergrund sitzt Karolina Halbig am Manual der Orgel. Foto: Ralf Ruppert
Auf der obersten Empore und mit Blick auf das Altarbild der Sulzthaler Marienkirche im Hintergrund sitzt Karolina Halbig am Manual der Orgel. Foto: Ralf Ruppert

An Weihnachten und zum Jahreswechsel kommen viele junge Menschen zurück in die Heimat, besuchen die Familien, berichten aus der großen weiten Welt. Einige bringen auch direkt ihre Erfahrungen und Talente in der alten Heimat ein, dazu gehört die Sulzthalerin Karolina Halbig (27), die seit September als Korrepetitorin an der Rhein-Oper in Straßburg arbeitet, aber trotzdem an Weihnachten und Silvester die Orgel in ihrem Heimatort spielt.

Mit spontanem Applaus bedanken sich die Besucher der Sulzthaler Kirche regelmäßig bei Karolina Halbig, an Heiligabend gab es sogar zusätzlich auf dem Platz vor der Kirche Beifall - für die opulente Orgel-Begleitung und ein auf Französisch gesungenes Weihnachtslied während der Kommunion. "Es ist schön, dass das wertgeschätzt wird", freut sich die 27-Jährige.

"Musik ist mein Leben", erzählt Karolina Halbig, und: "Musik ist zum Glück mein Beruf, aber auch alles andere hat bei mir mit Musik zu tun." Das ist der Sulzthalerin bereits in die Wiege gelegt: Ihr verstorbener Großvater August Seufert zum Beispiel dirigierte über Jahrzehnte sowohl den Sulzthaler Chor, als auch die örtliche Blaskapelle. "Bei uns wurde schon immer ganz viel gesungen", erinnert sich die 27-Jährige.

Blockflöte, Klavier und Orgel

Mit drei Jahren habe sie sich bereits mit dazu gesetzt, wenn ihre Mutter Blockflöten-Unterricht gab. Mit fünf Jahren begann sie dann mit dem Klavierunterricht, erst bei der Ramsthalerin Iva Simon, ab neun Jahren dann bei Gernot Tschirwitz in Bad Kissingen. Mit zwölf Jahren lernte sie zusätzlich Orgel beim Bad Kissinger Kantor Burkhard Ascherl. "Dadurch kam ich auch zu Gesangsunterricht und Chorleiter-Erfahrung", berichtet sie.

2010 legte sie den C-Schein an der Orgel erfolgreich ab, nach dem Abitur 2011 am Bad Kissinger Jack-Steinberger-Gymnasium begann sie ein Schulmusik-Studium in Würzburg, Hauptfach Klavier, Schwerpunktfach Gesang . "Ich habe während des Studiums schon oft Solisten begleitet und Stücke eingeübt", erzählt Karolina Halbig. Im letzten Drittel ihres Studiums habe dann festgestanden, dass sie nicht an der Schule unterrichten, sondern mit Profis arbeiten möchte. Deshalb wechselte sie nach dem Staatsexamen in den Master-Studiengang Korrepetition nach Stuttgart. Nach dem Abschluss bekam sie vor wenigen Monaten die Stelle im Opernstudio der Straßburger Rhein-Oper.

Klavier ersetzt das Orchester

"Die Hauptaufgabe ist es, die Sänger zu coachen", beschreibt sie die Arbeit einer Korrepetitorin. Zwei bis drei Monate vor einer Premiere fangen die Korrepetitoren an, einzeln mit den Haupt-Darstellern an Intonation, Rhythmus und Artikulation zu feilen. "Ich stelle das Orchester mit dem Klavier dar, bei szenischen Gesangsproben muss ich auch mal die fehlende Stimme reinsingen", berichtet Karolina Halbig aus dem Alltag. Über mehrere Wochen und in Absprache mit Regisseur und Dirigenten begleiten die Korrepetitoren alle Proben. Dazu muss sie selbst natürlich die komplette Partitur kennen.

"Parsifal"-Premiere im Januar

"Das ist eine tragende und wichtige Rolle", beschreibt die 27-Jährige ihre Arbeit in der Vorbereitung. Seit November spiele sie zum Beispiel Wagners "Parsifal" ein. Premiere ist am 26. Januar. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: "Wenn die Orchester-Proben beginnen, bin ich raus." Sprich: Ab etwa einer Woche vor der Premiere ersetzen die bis zu 60 Musiker des Orchesters die Korrepetitoren im Orchestergraben. "Wenn"s drauf ankommt, ist man nicht mehr dabei." Den Applaus bekommen am Ende andere.

Umso schöner ist es für die Sulzthalerin, wenn es daheim Anerkennung für ihre Arbeit gibt. Deshalb habe sie sich auch das Orgelspielen in der Pfarreiengemeinschaft Saalethal oder bei Hochzeiten erhalten. Dagegen musste sie sämtliche Chorleitungen mit den Wechsel nach Straßburg aufgeben. Zum ersten Mal seit rund 20 Jahren wird sie 2020 auch nicht im Sulzthaler Fasching auftreten: Über die Mini-Playback-Show und verschiedene Garden stieg sie bis zur "Dorfmusigg" auf, die sie am Klavier begleitete.

"Familie und Dorf wichtig"

Wenn es mit dem Urlaubsplan klappt, will sie aber versuchen, wieder als Betreuerin mit auf das Ministranten-Zeltlager der Pfarreiengemeinschaft in den Pfingstferien zu fahren. "Vor allem meine Familie, aber auch das ganze Dorf sind mir wichtig", beantwortet sie die Frage nach der Heimat. Deshalb hoffe sie auch, an einem großen Opern-Haus in Reichweite von Sulzthal eine Stelle zu finden.

Zum letzten Mal in diesem Jahr ist sie an der Orgel zu hören bei der Jahresschlussandacht an Silvester um 17 Uhr in der Sulzthaler Kirche.

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