Bad Kissingen

Trainigsfahrt für Senioren bringt Sicherheit am Steuer

Der Führerschein bedeutet gerade auf dem Land ein Stück Freiheit. Tests ab 70 Jahre sind zwar keine Pflicht, aber eine Übungsfahrt kann Senioren helfen.
Werner Greubel ist 83 Jahre alt. Der Reiterswiesener fährt seit fast 60 Jahren Auto. Nach einem Vortrag von Seniorenberater Edgar Kast hat er freiwillig ein Fahrsicherheitstraining absolviert und gibt zu: 'Die Fortbildung hat was gebracht.'Kerstin Väth       -  Werner Greubel ist 83 Jahre alt. Der Reiterswiesener fährt seit fast 60 Jahren Auto. Nach einem Vortrag von Seniorenberater Edgar Kast hat er freiwillig ein Fahrsicherheitstraining absolviert und gibt zu: 'Die Fortbildung hat was gebracht.'Kerstin Väth
Werner Greubel ist 83 Jahre alt. Der Reiterswiesener fährt seit fast 60 Jahren Auto. Nach einem Vortrag von Seniorenberater Edgar Kast hat er freiwillig ein Fahrsicherheitstraining absolviert und gibt zu: "Die Fortbildung hat was gebracht."Kerstin Väth

Bin ich als Senior noch fit für den Straßenverkehr ?", heißt ein Vortrag von Edgar Kast , der sich ehrenamtlich bei der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen dafür einsetzt, dass Senioren möglichst lange hinter dem Steuer am Verkehr teilnehmen können. Wer sich diese Frage stellt, hat den ersten Schritt schon getan. Prinz Philipp (97), Ehemann von Queen Elisabeth II., hat seinen Führerschein erst abgegeben, nachdem er einen Autounfall verursacht hatte. Dass es im Landkreis Bad Kissingen möglichst erst gar nicht soweit kommt, dafür setzt sich Kast seit vielen Jahren ein.

Er hält nicht nur Vorträge , sondern hat auch mit einigen örtlichen Fahrschulen eine Kooperation geschlossen, um Senioren in speziellen Übungsfahrten schulen. Die jüngste Unfallstatistik der Polizeiinspektion Bad Kissingen zeigt, dass die Unfallzahlen der Senioren im Landkreis Bad Kissingen angestiegen sind. Viele dieser Verkehrsunfälle hätten sicherlich ihre altersbedingten Gründe, aber einige Seniorenunfälle könnten mit etwas gutem Willen verhindert werden, ist sich Kast sicher.

Zeit einmal Werbung für die Trainingsfahrten für Senioren zu machen, die von der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen sogar bezuschusst werden. Der Verein versucht Senioren, die Auto fahren, mit einem neuen Werbeslogan auf die wichtige Sicherheitsaktion hinzuweisen.

"Mobilität ist auch für Senioren noch ein sehr hohes Gut. In unserem ländlichen Bereich gibt es oft nur wenige Alternativen zum Auto. Ohne Auto sind die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit futsch," sagt Kast, Seniorenberater bei der Verkehrswacht. Deshalb wolle man den älteren Menschen helfen, dass sie möglichst lange mobil und ohne Schaden am Straßenverkehr teilnehmen können.

Dazu bietet die Kreisverkehrswacht bereits seit vier Jahren in ihrem Zuständigkeitsbereich sehr erfolgreich eine Mobilitätsverbesserung für kraftfahrende Senioren an, eine sogenannte Fahrsicherheitsfortbildung. 25 bis 30 Senioren nehmen jedes Jahr freiwillig teil.

Ängste und Unsicherheit

Einer davon ist Werner Greubel aus Reiterswiesen. Er hatte zwei Vorträge von Kast beim Seniorennachmittag gehört, sich mit ihm auch persönlich unterhalten und von ihm den Kontakt zur Fahrschule Mützel vermitteln lassen. "Und ich muss ehrlich sagen, es hat einiges gebracht", sagt Greubel. Er habe seinen Führerschein seit fast 60 Jahren, fahre seit 1959 Auto und davor Motorrad. Und weite Strecken nach Trier oder Offenbach wie früher fährt er schon seit ein oder zwei Jahren nicht mehr. Aber mal bis Schweinfurt oder zum Arzt nach Bad Brückenau, das ginge. "Ich dachte, ich fahre so lange, ich kann das", so der 83-Jährige.

Aber die Trainingsfahrt sei sehr lehrreich gewesen. "Bei drei oder vier Situationen hab ich danach schon noch einmal drüber nachgedacht", erzählt Greubel. Er habe zum Beispiel Probleme mit dem Rücken und sich angewöhnt, nur in den Spiegel zu schauen statt über die Schulter. In Schweinfurt habe dann plötzlich ein anderer Autofahrer gehupt und nur so eine Kollision verhindert. Den hatte er im Spiegel überhaupt nicht gesehen. "Der Fahrlehrer hat mir erklärt, wie wichtig der Schulterblick ist."

"Oft haben sich über viele Jahre unbemerkt falsche Verhaltensweisen festgesetzt oder Ängste entwickelt, die sich durch einen Fahrsicherheitskurs leicht beheben lassen", weiß auch Kast. Eine aktuelle Studie zeige, dass über 70-Jährige mit wenigen Übungsstunden wieder so sicher Auto fahren wie 40-Jährige.

"Es geht bei der Seniorensicherheitsfahrt nicht darum, wie ein Fahranfänger das Fahren von der Pike auf zu lernen", betont Fahrlehrer Gerhard Schmitt , von der Fahrschule Kons, " denn sie sind ja bereits erfahrene Verkehrsteilnehmer." "Senioren erleben die Fahrbegleitung mit einem Fahrlehrer der Verkehrswacht aus partnerschaftlicher Perspektive und den wohlwollenden Zweck, schlechte Gewohnheiten zu verbessern", verspricht Kast.

Sich selbst überprüfen

Dieses Angebot sei für ältere Menschen wie ein Fitnesskurs und eine gute Gelegenheit, die eigenen Fertigkeiten und Defizite als älterer Autofahrer auf freiwilliger Basis zu überprüfen. Viele erwachsene Kinder der Senioren nehmen manche Unsicherheit oder kleinere Unfälle oft zur Kenntnis und haben berechtigte Sorgen um die Verkehrstüchtigkeit ihrer Eltern. Oft sehen sie die Schwierigkeiten ihrer Eltern, haben jedoch bei den Mitfahrten und Gesprächen wenig Einfluss auf ihre Väter oder Mütter.

Häufig haben auch Frauen schon lange nicht mehr am Steuer gesessen und das Fahren in all den Jahren verlernt, weil der Ehemann immer Fahrer des Autos war. Oder man schafft sich im Alter noch einmal ein neues Auto an, dessen technische Ausstattung erst erlernt werden muss.

"Bei unseren Fahrsicherheitsstunden im eigenen Auto wird absolute Diskretion zugesagt und keine Behörde benachrichtigt", verspricht Seniorenbetreuer Kast. Es bemerke niemand, dass ein Senior eine Sicherheitsfahrstunde unternimmt, da nicht mit einem Fahrschulauto gefahren wird, sondern mit dem eigenen. Es gehe einzig und alleine um eine vertrauensvolle Verbesserungsmöglichkeit der eigenen Fahrkompetenz, stellt Seniorenberater Kast klar.

Angebote der Fahrschulen Bad Kissingen :

Kooperation Wer an einer Mobilitätsverbesserung interessiert ist, kann sich beim Seniorenberater der Kreisverkehrswacht Bad Kissingen , Edgar Kast , unter der Tel.: 0971/58 46 oder per E-Mail an ekast@verkehrswacht-badkissingen.de melden. Dieser vermittelt eine Fahrt mit einem der teilnehmenden Fahrschulen (Fahrschule Centro, Fahrschule Kons, Fahrschule Krebs, Fahrschule Mützel ). Es gibt sogar Gutscheine zum Verschenken und die Verkehrswacht beteiligt sich mit 25 Euro.

Privatinitiative Auch die neu eröffnete Fahrschule Rhön bietet unter dem Motto "Fahr weiter" ein Training für Senioren und Fahrer, die wieder einsteigen oder an Sicherheit gewinnen wollen, an. In Theoriestunden werden zunächst gezielt die neuen Verkehrsregeln vermittelt, bevor - wahlweise mit dem eigenen Fahrzeug oder mit dem Fahrschulauto - unter Mithilfe eines Fahrlehrers verschiedene Strecken gefahren und Manöver durchgeführt werden. Danach wird alles genau besprochen.

Termine Edgar Kast von der Kreisverkehrswacht bietet zahlreiche Vorträge zum Thema an. Der nächste Termin ist am 8. April um 10 Uhr unter dem Motto "Rumms - Verkehrsunfall! - Ja, was nun?" im evangelischen Pfarrzentrum Maßbach (Veranstalter ist der Männerstammtisch). Und am 9. April fragt Kast "Bin ich als Senior/in noch fit für den Straßenverkehr ?". Beginn ist dann um 14.30 Uhr im Feuerwehrhaus Nüdlingen.

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