Hammelburg

Umfrage im Raum Hammelburg: Veranstalter haben Vorbild-Rolle

Vereine und Kommunen überlegen sich derzeit ganz genau, ob und wie sie Versammlungen anberaumen. In Oberthulba hielten sich alle Teilnehmer an die Regeln der Bürgerversammlung, in Hammelburg gibt es heuer gar keine.
Um die Corona-Regelungen einhalten zu können, hat der Hammelburger Stadtrat seine Sitzungen in den Speisesaal der Musikakademie verlegt. Am Montagabend waren zudem nur 15 der Stadträte anwesend, das ermöglicht noch größere Abstände. Weil die Sitzordnung unübersichtlicher ist, wurden am Montag erstmals grüne und rote Stimmkarten eingeführt. Foto: Ralf Ruppert       -  Um die Corona-Regelungen einhalten zu können, hat der Hammelburger Stadtrat seine Sitzungen in den Speisesaal der Musikakademie verlegt. Am Montagabend waren zudem nur 15 der Stadträte anwesend, das ermöglicht noch größere Abstände. Weil die Sitzordnung unübersichtlicher ist, wurden am Montag erstmals grüne und rote Stimmkarten eingeführt. Foto: Ralf Ruppert
| Um die Corona-Regelungen einhalten zu können, hat der Hammelburger Stadtrat seine Sitzungen in den Speisesaal der Musikakademie verlegt.

Die Corona-Zahlen im Landkreis steigen, die Hygiene- und Abstandsregeln stehen noch mehr im Fokus. Während Feuerwehrleute und Polizisten sogar während des Einsatzes im Freien Masken tragen, gibt es zumindest in den sozialen Medien viel Hetze gegen den Mund-Nase-Schutz und andere Auflagen. Doch eine Nachfrage bei Veranstaltern hat ergeben, dass sich Teilnehmer von Jahreshaupt- oder Bürgerversammlungen ausnahmslos an die Hygiene-Konzepte halten.

In Oberthulba hat Bürgermeister Mario Götz ( CSU /FW) in der vergangenen Woche zu vier Bürgerversammlungen eingeladen - mit Auflagen wie Mindestabstände sowie getrennte Ein- und Ausgänge. "Wir haben alle Maßnahmen umgesetzt und deren Einhaltung strikt durch unsere Mitarbeiter überwacht", sagt Götz, und: "Ich denke, dass die Vorbildfunktion der Behörden ein wichtiger Baustein im Umgang mit der Conona-Pandemie ist."

"Reaktionen waren positiv"

Auf das Hygienekonzept sei bereits in der Einladung hingewiesen worden, vor Ort gab es Aushänge und Infoschilder. "Die Reaktionen waren positiv", zieht Götz Bilanz, alle Besucher hätten sich an die Hygienevorschriften gehalten. Den Bürgern sei wichtig gewesen, sich zu informieren und Fragen zu stellen, betont der neue Oberthulbaer Bürgermeister, aber: "Selbstverständlich möchte sich dabei niemand selbst oder andere in Gefahr bringen." Dem Oberthulbaer Bürgermeister sind nach eigenen Angaben auch keine Verstöße gegen Corona-Auflagen in seiner Gemeinde bekannt. Sein Rat an Ehrenamtliche: "Jeder Verein muss sich nach seiner Art der Vereinstätigkeiten an die geltenden Regeln halten." Für die Nutzung gemeindlicher Gebäude seien Hygienekonzepte mit den Vereinen abgesprochen.

Für den Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) steht fest, dass es heuer keine Bürgerversammlungen in der Stadt geben wird: "Nach intensiver Diskussion und Prüfung sind wir von der Verwaltung zum Entschluss gekommen, dass wir in diesem Jahr keine Bürgerversammlungen durchführen können", teilt Warmuth auf Nachfrage mit. Nach Warmuths Angaben gebe es keine Räume in der Stadt , in der Bürgerversammlungen gemäß der Hygienevorschriften und mit vertretbarem Aufwand zu organisieren wären.

Tafel sagt Termin ab

Während der größte Verein im Landkreis Bad Kissingen, die TV/DJK Hammelburg mit 2300 Mitgliedern, am vergangenen Wochenende ihre Delegiertenversammlung in der Dreifach-Turnhalle mit Einzel-Plätzen und großem Abstand durchzog, haben viele Vereine ihre Versammlungen erneut abgesagt: "Der Vorstand hat bereits am vergangenen Donnerstag entschieden, dass wir die Mitglieder-Versammlung jetzt nicht verantworten können", berichtet etwa Patrick Bindrum , Vorsitzender der Hammelburger Tafel. Zum Glück stehe keine Wahl heuer an, außerdem machten auch die Behörden keinen Druck, weil die vorgeschriebene Jahres-Bilanz ausfällt.

Bei der Tafel ändert sich auch die Verteilung der Lebensmittel: "Wir stellen wieder um auf kontaktlose Ausgabe", kündigt Bindrum an. Das bedeute, dass die Kunden mit den fertig gepackten Tüten zurecht kommen müssten. Vermutlich gebe die Tafel sogar die Taschen so weiter, wie sie in den Supermärkten gepackt und verkauft werden. Die Aktion laufe gut, berichtet der Vorsitzende der Hammelburger Tafel, der selbst bereits mehrfach in Supermärkten stand und für die Aktion warb.

Getroffen haben sich dagegen die Mitglieder des Hammelburger Vereins für Wirtschaft und Stadtmarketing. "Wir haben lange überlegt", kommentiert der Vorsitzende, Apotheker Dr. Sebastian Hose. Im Hygiene-Konzept waren unter anderem Anmeldungen vorgesehen. Dass am Abend mehr als die 16 angemeldeten Mitglieder kamen, habe ihn zwar etwas angespannt, aber: "Ich denke, es war vertretbar, dass wir die Jahreshauptversammlung haben stattfinden lassen." Die Teilnehmer hätten sich möglichst weit auseinander gesetzt. Weil es draußen mild war, konnte die ganze Zeit über gelüftet werden und alle Redner ließen eine Maske während ihrer Berichte auf. Zudem beeilten sich alle: "Sonst brauchen wir zweieinhalb Stunden, dieses Mal haben wir das in einer guten Stunde erledigt", betonte der Vorsitzende.

"Sehr verantwortungsvoll"

Auch der Hammelburger Bürgermeister bescheinigt dem Verein einen "sehr verantwortungsvollen" Umgang mit den Corona-Bestimmungen. "Es war durchgehend ausreichend und permanent gelüftet", berichtet Warmuth, und: "Ich selbst hatte zu den Versammlungsbesuchern immer genügend Abstand - weit mehr als eineinhalb Meter." Warmuth sind nach eigenen Angaben keine Verstöße bei Vereinsveranstaltungen bekannt. Auch in Hammelburg gibt es für städtischen Gebäude, die von Vereinen genutzt werden, Hygienekonzepte.

Nach Angaben des Landratsamtes hat das dortige Ordnungsamt bislang keine Verstöße gegen Corona-Auflagen bei Vereinsversammlungen im Landkreis geahndet. Die Behörde verweist auf die mittlerweile 7. Bayerische Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. In der ist festgelegt, dass "Veranstaltungen, die üblicherweise nicht für ein beliebiges Publikum angeboten oder aufgrund ihres persönlichen Zuschnitts nur von einem absehbaren Teilnehmerkreis besucht werden (insbesondere Hochzeiten, Beerdigungen, Geburtstage sowie Vereins- und Parteisitzungen) und nicht öffentliche Versammlungen mit bis zu 100 Teilnehmern in geschlossenen Räumen oder bis zu 200 Teilnehmern unter freiem Himmel gestattet sind, wenn der Veranstalter ein Schutz- und Hygienekonzept ausgearbeitet hat und auf Verlangen der zuständigen Kreisverwaltungsbehörde vorlegen kann."

Bei gekennzeichneten Sitzplätzen betrage die Maximalzahl drinnen 200 und draußen 400. Für die Teilnehmer gelte in geschlossenen Räumen Maskenpflicht, solange sie sich nicht an ihrem Platz befinden oder das Wort haben. Zudem müssen die Kontaktdaten der Teilnehmer erfasst werden. Sollte die Sieben-Tage-Inzidenz im Landkreis über 100 steigen, wäre die Teilnehmerzahl auf 50 Personen begrenzt.

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