Hammelburg

Verkehrskonzept Hammelburg: Dauerthema erneut im Stadtrat

Die geplanten Bauarbeiten in der Bahnhofstraße und der Widerstand von Bürgern befeuern die Forderungen nach einem neuen Verkehrskonzept für die Innenstadt. Am 3. Februar dürfte der Sitzungssaal deshalb voll werden.
Die Kissinger Straße ist zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zwar Einbahnstraße, Fahrräder sind stadtauswärts jedoch zugelassen. Die Regelung sorgt immer wieder für Unklarheiten und gefährliche Situationen. Foto: Ralf Ruppert
Die Kissinger Straße ist zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zwar Einbahnstraße, Fahrräder sind stadtauswärts jedoch zugelassen. Die Regelung sorgt immer wieder für Unklarheiten und gefährliche Situationen. Foto: Ralf Ruppert

Seit 2016 veröffentlicht das Statistische Bundesamt eine Übersicht über Verkehrsunfälle mit Personenschaden. Auf den Straßen rund um die Hammelburger Innenstadt leuchten darin jede Menge rote Punkte auf. Die Bürgerinitiative "Verkehrssicherheit-Verkehrsberuhigung" leitet daraus die Forderung ab, dass die "geheime Nord-Umgehung" über die Rote-Kreuz-Straße gesperrt werden muss. Polizei und Bürgermeister widersprechen: "Ja, es gibt mehr Unfälle, aber man muss sich auch die Ursachen anschauen", betont Martin Kuhn, bis Ende Februar Leiter der Polizeiinspektion Hammelburg .

"Im ersten Moment war ich auch erschrocken", kommentiert der Hammelburger Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) den Unfallatlas. Die Daten waren Thema beim Workshop der Bürgerinitiative im Dezember, an dem 53 Bürger, darunter vier Stadträte, teilnahmen. Herausgekommen ist ein 21-seitiges Protokoll mit vielen Forderungen: Zum einen solle sich der Stadtrat mit der Verkehrsregelung befassen, zum anderen sollten Auskünfte bei Behörden eingeholt und das Gutachten von Verkehrsplaner Christoph Link umgesetzt werden.

Polizei bleibt neutral

"Wann immer Interessengruppen zu politischem Diskurs zusammenkommen, ist die Polizei zur Wahrung der Neutralität verpflichtet", begründet Interims-Polizeichef Kuhn, weshalb er bei dem Workshop nicht vertreten war. Aus seiner Sicht sollte sich die Polizei darauf beschränken, "die Straßenverkehrsbehörde bei der Erarbeitung von Verkehrskonzepten innerhalb der polizeilichen Kompetenzen zu beraten".

Grundlage für den Unfallatlas das Statistischen Bundesamtes sind die Geo-Daten der Polizei , nicht enthalten sind allerdings die Unfallursachen. Auf Nachfrage hat Kuhn die Unfälle rund um die Innenstadt aus dem Jahr 2018 geprüft. "Keiner dieser Unfälle war ein Schulwegunfall", lautet ein Ergebnis, und: In der Hälfte der Fälle seien Zweiradfahrer alleinbeteiligt verunglückt, laut Kuhn gebe es keine "ursächlichen Bezüge" zum Verkehrsaufkommen oder den baulichen Gegebenheiten.

In der Rote-Kreuz-Straße gab es 2018 laut Polizei zwei Unfälle, bei denen Menschen verletzt wurden: Im Juli stürzte ein Fahrradfahrer alleinbeteiligt unter Alkoholeinfluss. Im Dezember wurde bei einem Auffahrunfall an der Zufahrt der Eisenbahnüberführung ein Insasse leicht verletzt. In der Bonifatiusstraße stürzten zwei Mal Fahrradfahrer alleinbeteiligt, in einem der beiden Fälle bei regennasser Fahrbahn. In der Weihertorstraße übersah 2018 ein Autofahrer einen Radler beim Ausparken. Der Fahrradfahrer wich aus, stürzte und verletzte sich leicht.

Die meisten Unfälle gab es 2018 in der Kissinger Straße, alle mit leichten Verletzungen: Beim Ausparken vor einem Supermarkt wurde einer der Beteiligten verletzt, ein Autofahrer fuhr einen Fußgänger beim Queren der Straße an, und ein Kleinkraftradfahrer stürzte alleinbeteiligt. Schließlich gab es einen Unfall zwischen zwei Radlern: Einer stürzte, ein weiterer fuhr auf und kam ebenfalls zu Fall. Natürlich sei jeder Unfall mit Personenschaden einer zu viel, betont Kuhn, konkreten Handlungsbedarf sieht der Polizist allerdings nicht.

Widerspruch kommt aus der Bürgerinitiative - auch an der Einordnung der Unfälle: "Kurz vorher ist ein Auto schnell durchgebraust, der Fahrradfahrer ist dann zwar alleine gegen das Hindernis gefahren, aber das wäre bei weniger Verkehr vielleicht gar nicht passiert", berichtet Stefan Seufert von einem Unfall in der Rote-Kreuz-Straße, und: "Mehr Verkehr bedeutet eine höhere Unfallgefahr."

Aus Sicht der Initiative sei es keine gute Lösung, dass der Radwanderweg "Fränkische Saale" entgegen der Einbahnstraßen-Regelung durch die Kissinger Straße geführt wird. Immer wieder komme es zwischen Marktplatz und Kreisverkehr zu brenzligen Situationen, in den sozialen Medien gab es mehrfach Diskussionen zwischen Auto- und Radfahrern wegen dieser Regelung. "Auch die neue Abstandsregelung von eineinhalb Metern zum Fahrradfahrer lässt ein großes Chaos in der Kissinger Straße erwarten", heißt es im Protokoll. Abgelehnt haben die Anwohner einhellig auch den Vorschlag der Verkehrswacht, die Rote-Kreuz- und Bonifatiusstraße zu Einbahnstraßen zu machen. "Das hat in der Versuchsphase nur zu einer Umverteilung des Verkehrs geführt, und macht den Verkehr noch schneller", sagt Seufert.

Für die nächste Stadtratssitzung am Montag, 3. Februar, um 18 Uhr steht der Verkehr auf der Tagesordnung. In der Januar-Sitzung gab es bereits Nachfragen. Aktuell ist das Thema auch, weil die Bahnhofstraße voraussichtlich ab April wegen Bauarbeiten gesperrt wird. Die Bürgerinitiative hat nach eigenen Angaben noch in dieser Woche einen Termin beim Bürgermeister. Warmuth macht vor der Sitzung keine Angaben zum geplanten Verlauf: Sachvorträge seien bislang keine geplant, die Stadträte hätten sich in Bürgerversammlungen und Workshops ausführlich informieren können. Nur eine Vorgabe macht Warmuth: Geschäfte, Apotheken und Ärzte in der Innenstadt müssen gut erreichbar bleiben.

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