Bad Kissingen

Vögel im Winter richtig füttern

Nur bei Frost und Schnee oder durchgehend? Beim Vögelfüttern gehen die Meinungen auseinander. In einem Punkt sind sich aber alle einig: Wer füttert, sollte bestimmte Regeln beachten.
Vogelexperte Dieter Fünfstück befüllt sein Futtersilo. Auch bei milden Temperaturen hat er es draußen hängen. Wichtig ist für ihn, dass altes Futter entsorgt wird, bevor es aufquillt und der Boden unter der jeweiligen Futterstelle regelmäßig gereinigt wird. Foto: Carmen Schmitt/Archiv
Vogelexperte Dieter Fünfstück befüllt sein Futtersilo. Auch bei milden Temperaturen hat er es draußen hängen. Wichtig ist für ihn, dass altes Futter entsorgt wird, bevor es aufquillt und der Boden unter der jeweiligen Futterstelle regelmäßig gereinigt wird. Foto: Carmen Schmitt/Archiv

und Matthias LitzlfelderSollte man die Vögel im heimischen Garten den ganzen Winter über füttern oder nicht? "Das ist eine Streitfrage, das muss jeder für sich selbst entscheiden, da ist sich die Wissenschaft selbst nicht einig", sagt Dieter Fünfstück, Vogelexperte und Vorsitzender der Kreisgruppe des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) auf Nachfrage der Zeitung. Das komme auf die Witterungsverhältnisse an. Bei dem milden Wetter, das gerade herrscht finden die Vögel Insekten, aber wenn plötzlich alles zufriert, sei das etwas anderes.

Er selbst habe ein Futtersilo draußen hängen. Vor allem wenn man Kinder habe, könne man ruhig mal was ins Vogelhäuschen füllen, findet er. Außerdem sei es auch so, "wenn länger nichts drin ist, suchen sich Vögel andere Futterstellen". Und: "Der Vogel sucht sich auch Abwechslung, wir essen ja auch nicht jeden Tag Schnitzel!"

Früher härtere Winter

Der Mensch, der den armen und hungrigen Vögeln hilft: Ein Futterhäuschen aufzustellen oder einen Meisenknödel aufzuhängen, gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Winterbeschäftigungen der Deutschen. So können heimische Vögel auf Balkon, Terrasse oder im Garten aus der Nähe beobachtet werden. In den Wintermonaten noch vor dreißig, vierzig Jahren gab es dabei keine Diskussionen. Frostige Wochen und immer wieder Schneefall erschwerten die Nahrungssuche der Vögel beträchtlich.

Inzwischen sind die Winter milder geworden, auch der aktuelle zeigte sich bisher äußerst gemäßigt. Die Vögel können sich selbst versorgen, der Mensch sollte sich da raushalten, sagen manche. Andere verweisen darauf, dass aufgrund intensiver Landwirtschaft und häufig artenarmer Gärten auch bei milden Temperaturen mittlerweile Nahrungsengpässe entstünden. Auch Fünfstück hält es für wichtig, dass Wildgrasstreifen stehen bleiben, denn die meisten Vögel gebe es im Siedlungsbereich, in der Flur seien es zu wenig. "Bei mir vor der Tür ist eine große Blühfläche, da zähle ich immer noch mehr als 20 Stieglitze", freut er sich.

Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) spricht sich sogar für eine Ganzjahresfütterung aus. Das verbessere das Immunsystem der Tiere und reduziere Stress. "Es gibt aber zu wenig wissenschaftliche Studien darüber, welche Effekte vom Menschen angebotene Nahrung hat", räumt LBV-Pressereferentin Sonja Dölfel ein. "Aber es ist bisher nichts bekannt, inwiefern es schaden könnte. Und es macht vielen Menschen Spaß, dies das ganze Jahr zu tun."

Auch Peter Berthold, einer der bekanntesten Ornithologen Deutschlands, rät zur ganzjährigen Fütterung. Wer den Vögeln helfen wolle, müsse das ganze Jahr über Nahrung hinausstellen - nicht nur im Winter. Vor so viel Fütterungseifer warnen allerdings andere Vogelkundler. Bei einer Fütterung im Sommer würden sich aufgrund der Temperaturen Krankheitserreger zu schnell verbreiten.

"Man muss nicht verzichten, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet", sagt Dölfel. Allerdings werde man mit einem Vogelhäuschen nicht über Nacht zum Artenschützer. "Bedrohte Tierarten wie Kiebitz oder Feldlerche rettet man damit nicht." Man helfe wenigen Vogelarten , die alle nicht bedroht sind.

In Deutschland gibt es insgesamt rund 200 Arten. Zum Fressen an die Futterstelle kommen höchstens zehn bis 15.

Hygiene ist das Wichtigste

Wer beim Winterfüttern mitmacht, sollte Ende Oktober beginnen, damit die Vögel den Futterplatz schon kennen, wenn es plötzlich gefriert. Außerdem ist laut den Vogelexperten gut, dies regelmäßig zu tun, weil sich die Vögel auf ihre Futterquellen verlassen.

Als Hauptregel gilt laut LBV-Referentin Dölfel: Auf Hygiene am Futterplatz achten! "Bei offener Fläche muss jeden Tag ausgefegt und regelmäßig mit heißem Wasser ausgebürstet werden", sagt Dölfel. Sogenannte Futterspender seien weniger arbeitsintensiv, weil das Futter vor Regen geschützt ist und die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verunreinigen. Insofern müssten diese Spender nur ein- bis zweimal im Jahr gereinigt werden.

Auch unter dem Futterplatz sieht der LBV Hygienebedarf. "Der Dreck, die leeren Samenschalen müssen von Zeit zu Zeit weggekehrt werden." Stehe das Vogelhäuschen auf dem Rasen im Garten, könne man es einfach ein wenig versetzen.

Wenn sich ein Marder oder eine Maus über Nacht von den Resten am Boden bedienten, sei das nicht weiter schlimm. "Wenn es überhand nimmt, sollte man die Fütterung aber eine Zeitlang einstellen."

Vorsicht mit Ambrosia-Samen

Was das Futter angeht, rät Dölfel dringend, auf Qualität zu achten. Bei billigen Mischungen würden oft Füllstoffe wie Sand verwendet. Noch schlimmer seien die in manchen Vogelfuttermischungen enthaltenen Samen der Beifuß-Ambrosie - auch Ambrosia genannt. "Die Vögel fressen die Samen nicht, sondern schmeißen sie nach unten, wo sie dann später keimen können." Ambrosia sieht wie unscheinbares Unkraut aus und ähnelt dem heimischen Beifuß. Die Pflanze ist bei Pollenallergikern sehr gefürchtet. "Aber solange sie nicht blüht, passiert nichts", beruhigt Dieter Fünfstück die Gemüter. Lediglich der Blütenstaub löse Allergien aus. Zudem sei Ambrosia sehr klein und falle durch den Sieb wenn das Vogelfutter gereinigt wird.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann mittlerweile Futtermischungen mit dem Label "Ambrosia kontrolliert" kaufen. Oder noch besser: Dölfel rät, das Futter am besten selbst zu mischen. Wer zum Beispiel reine Sonnenblumenkerne selbst mit Hanf- und Leinsamen, Hirse, Nüssen (ungesalzen!), eingefetteten Haferflocken und getrockneten Rosinen vermenge, habe gesicherte Qualität. Dazu noch ein paar ganze Äpfel und Birnen für die Weichfutterfresser (z.B. Amsel, Drossel oder Rotkehlchen) und das Fütterungsvergnügen für Mensch und Tier kann beginnen.

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