Hammelburg

Volker Heißmann in Hammelburg: "Die Kirche hat ein scheiß Marketing"

Er ist Mariechen bei "Waltraud & Mariechen", kann aber auch ernsthaft: Volker Heißmann. Vor seinem Kirchenkonzert redet er über Gott - und die Welt.
Der Comedian Volker Heißmann hat eine durchaus ernste Seite, die er am Freitag, 19. Oktober, in Hammelburg in der Kirche zeigt. Margit Hofmann Fotografie       -  Der Comedian Volker Heißmann hat eine durchaus ernste Seite, die er am Freitag, 19. Oktober, in Hammelburg in der Kirche zeigt. Margit Hofmann Fotografie
Der Comedian Volker Heißmann hat eine durchaus ernste Seite, die er am Freitag, 19. Oktober, in Hammelburg in der Kirche zeigt. Margit Hofmann Fotografie

Volker Heißmann? Klar, das ist das Mariechen bei Fastnacht aus Franken. Mit seiner Waltraud sorgt er nicht nur in Veitshöchheim für Schenkelklpfer. Aber der Comedian kann mehr als das. Zum Beispiel ist er seit 30 Jahren Kirchenvorstand in der Gemeinde St. Paul in Fürth. Und: Er ist ein ernsthafter Sänger. Am Freitag können sich die Hammelburger davon überzeugen. Dann kommt Heißmann mit seinem Programm "Introitus Interruptus" um 19.30 Uhr in die Stadtpfarrkirche.

Was bitteschön ist Introitus Interruptus?Volker Heißmann: Also gut: Introitus ist das Eingangslied in der Kirche. Und Interruptus kennen Sie ja.

Nun ja, ich bin mir nicht ganz sicher, ob wir das gleiche meinen.... ....doch doch! Aber es hat einen anderen Hintergrund: Introitus Interruptus kann man mit "Unterbrochener Eingang" beschreiben. Und das kommt aus Fürth. Ich habe da einmal ein Benefizkonzert in einer Kirche gegeben und die hatte keinen behindertengerechten Eingang. So hat der "Unterbrochene Eingang" nur etwas mit Barrierefreiheit zu tun. Aber das das Konzert so erfolgreich war, bin ich beim Namen geblieben.

Also keine Anzüglichkeiten am Freitag? Mag der liebe Gott eigentlich Witze unter der Gürtellinie? Mariechen ist ja manchmal auch nicht jugendfrei. Ob der liebe Gott solche Witze mag, mag ich nicht beurteilen. Und Mariechen ist nie schlüpfrig - das sind dann die Gedanken der Zuschauer. Wenn wir auf der Bühne sind, dann sind wir zweideutig - wer schlechtes denkt, ist der Zuhörer. Aber: Unter der Gürtellinie ist viel Platz für Anständiges.

Hatte Jesus Humor? Da bin ich mir sicher, denn sonst hätte er die Welt längst untergehen lassen. Und bei meinem Programm in der Kirche darf durchaus gelacht werden. Ich bin ja gegenüber der Kirche in Fürth aufgewachsen, war mit drei schon im Kindergottesdienst und hab sogar mal die Maria im Krippenspiel gespielt. Ich bin mit der Kirche großgeworden, ohne sie wäre ich nicht das, was ich heute bin. Und mit diesen Konzerten möchte ich auch etwas zurückgeben.

Sie sind gläubiger Christ? Unbedingt. Und seit 30 Jahren Kirchenvorstand in St. Paul. Neben den Liedern, die ich singe, erzähle ich von meinen Erfahrungen, die ich mit Gott gemacht habe. Da ist natürlich auch mal ne Träne im Knopfloch, es geht auch um den Tod meines Vaters und was ich da erlebt habe. Diese Kirchenkonzerte sind für mich immer etwas Besonderes, meine Auftritte mit Martin "Waltraud" Rassau sind eher alltäglich. Und ich singe dort geistliche und weltliche Lieder, Gospels oder Frank Sinatra - es darf auch mitgesungen werden.

Sind Sie ausgebildeter Sänger? Nein.

Wirklich? Das hört man aber nicht. Danke für die Blumen, die reiche ich meiner Kirchen-Kantorin weiter, die mich singen ließ. Ich habe mir danach alles selbst beigebracht.

Dann ist das ein großes Talent. Ist es eine Sünde, Talente nicht zu nutzen? Es ist eine Sünde, wenn man sie nicht pflegt, man muss seine Talente rausschleudern, aber nicht verschleudern.

Wenn Sie so nah dran sind an der Kirche: Warum gehen immer weniger Menschen ins Gotteshaus? Wann beten wir? Immer dann, wenn es uns schlecht geht. Dann fällt uns der liebe Gott ein. Wenn die Kirchen leer sind, dann geht es uns zu gut, wir glauben, ohne den Herrn Jesus Christus geht es auch ganz gut.

Muss die Kirche moderner werden?Es ist gut, wenn Kirchen sich öffnen und beispielsweise diese Konzerte möglich sind. Und es ist gut, dass die Predigten nicht mehr so sind wie noch bei mir damals, als der Pfarrer über Strafe und Denkzettel redete. Das war nicht der richtige Weg. Die Leute wollen in der Kirche heimisch werden, sie wollen an die Hand genommen werden und auch mal schmunzeln oder lachen dürfen. Der Pfarrer muss einfühlsamer werden - aber das haben die Jungen echt schon gut drauf. Und: Die Kirche hat ein schlechtes Image als Treffpunkt für die Gemeinde. Dass viele austreten, weil sie beispielsweise den Zölibat nicht verstehen, kann ich nachvollziehen. Ich verstehe, wenn die Leute sagen, sie wollen mit diesem Verein nichts mehr zu tun haben, da bin ich auch kritisch. Das beste Produkt der Kirche ist Jesus Christus - aber die Kirche hat ein scheiß Marketing . Das Interview führte Susanne Will.

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