Münnerstadt

Vom langen Weg zum Schulleiter in Münnerstadt

Beim Erzählcafé in Münnerstadt war dieses Mal Oberstudiendirektor Harry Koch zu Gast, der ehemalige Schulleiter gibt immer noch Mathematikunterricht.
Oberstudiendirektor Harry Koch war zu Gast in Erzählcafé des Münnerstädter Juliusspitals  und erzählte dort aus seinem Leben. Er ging auch auf die Entwicklung des  BBZ ein, dessen Direktor er war.   Dieter Britz
Oberstudiendirektor Harry Koch war zu Gast in Erzählcafé des Münnerstädter Juliusspitals und erzählte dort aus seinem Leben. Er ging auch auf die Entwicklung des BBZ ein, dessen Direktor er war. Dieter Britz

Oberstudiendirektor Harry Koch ist von Haus aus landwirtschaftlicher Berufsschullehrer . Doch die 1954 gegründete landwirtschaftliche Schule, die die Keimzelle des heutigen BBZ (Berufsbildungszentrums für soziale Berufe) war, gibt es in Münnerstadt schon seit den 1990er Jahren nicht mehr. Sie wurde wegen Schülermangels aufgelöst. Deshalb konnte er hier nur wenige Jahre lang als landwirtschaftlicher Berufsschullehrer tätig sein. Harry Koch blieb trotzdem am BBZ und übernahm am 1. August 2003 die Leitung.

Mitte Februar dieses Jahres räumte er den Chefsessel und begann den zweiten - allerdings nur fast - arbeitsfreien Teil der Altersteilzeit. Er gibt nämlich noch einige Stunden Mathematik, da Mathelehrer fehlen. Auf Einladung von Eugen Albert kam er zum Erzählcafé im Juliusspital und erzählte über das BBZ und die Gäste erfuhren einiges aus seinem Leben.

Harry Koch erblickte im Jahr 1955 in einem kleinen Dorf mit dem Namen Dörflis im Landkreis Haßberge das Licht der Welt. Schon im Kindesalter lernte er Landbau und Wirtschaft von der Pike auf, denn seine Eltern bewirtschafteten einen Bauernhof und er half im Stall und auf dem Feld mit. "Die Landwirtschaft in den Hassbergen war ein schwieriges Geschäft, mit 25 Hektar Land musste eine Familie ernährt werden, vier Generationen lebten im Haus, im Sommer musste man arbeiten von früh bis spät, Individualismus wie heute gab es nicht", erinnerte er sich an seine Kindheit. Und in der Freizeit, vor allem im Winter? "Die Frauen haben gestrickt und die Männer haben gekartelt oder politisiert und wir Kinder haben dabei die Ohren gespitzt". Und er betonte: "Ich habe von Kindesbeinen an gelernt, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen".

In der Volksschule in seinem Dorf waren die Schüler von der 1. bis zur 4. Klasse in einem Raum. Sein Lehrer und er waren nicht gerade ein Herz und eine Seele. Das wurde erst in der 4. Klasse besser, als eine neue Lehrerin an die Schule kam, auf ihn einging und ihn förderte. Sie machte seinen Eltern klar: "Der Bub muss ins Gymnasium". So kam es. Nach neun Jahren bestand Harry Koch im Jahr 1975 das Abitur und ging anschließend zur Bundeswehr . Er wollte Offizier werden, merkte aber bald, dass das nichts für ihn ist. Nach den damals vorgeschriebenen eineinhalb Jahren Pflicht-Wehrdienst begann er an der Technischen Universität in München ein Studium der Landwirtschaft und Sozialkunde mit dem Ziel höheres Lehramt an beruflichen Schulen . Während seines Studiums absolvierte er Praktika in unterschiedlichen landwirtschaftlichen Betrieben, die insgesamt ein Jahr dauerten.

Tolles Lehrerkollegium

Er machte auch die landwirtschaftliche Gesellenprüfung. Noch während seines Referendariats kam er 1981 nach Münnerstadt ans BBZ. Zuerst musste er gar nicht, wo das Städtchen liegt. Als er das BBZ zum ersten Mal von außen erblickte, dachte er: "Das ist bestimmt das Gymnasium, so schön wie diese Schule aussieht". Er traf auf ein tolles Lehrerkollegium, "ich habe gleich zur Mannschaft dazugehört. Die Referendare wollten alle hierbleiben, aber so viele Stellen gab es gar nicht". Er allerdings konnte bleiben.

Doch seine Zukunft in Münnerstadt schien später nicht unbedingt gesichert, denn die landwirtschaftliche Schule, an der er unterrichtete, wurde in den 1990er Jahren wegen Schülermangels geschlossen und nach Schweinfurt verlagert. Er erwarb deshalb zusätzlich die Lehrbefähigung in Mathematik und absolvierte ein Zusatzstudium "Schule und Schulmanagement " an der Universität Bamberg . Außerdem ließ er sich an der staatlichen Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung in Dillingen zum Moderator für Unterrichts- und Schulentwicklung ausbilden, arbeitete für die Bezirksregierung und war als Referent in Dillingen in der Lehrer-Fortbildung sehr aktiv. Dann wurde ihm bedeutet, dass er sich als Schulleiter bewerben sollte und er bekam tatsächlich den Chefposten an seiner eigenen Schule. Vorher war er Kollege und da war es gar nicht so einfach, plötzlich vorne dran zu stehen, denn "die Lehrer sind alles Experten, ich konnte einem Sozialpädagogen nicht sagen, wie er zu unterrichten hat".

Harry Koch schilderte auch die Entwicklung des BBZ, die Gründung neuer Schulen und ihre Auflösung wegen zu geringer Schülerzahlen. Heute gehören zum BBZ: Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung (staatlich), die Berufsfachschule für Kinderpflege (staatlich), die Berufsfachschule für Sozialpflege (staatlich), die Berufsfachschule für Altenpflege ( Caritas ), die Fachschule für Heilerziehungspflege ( Caritas ) und die Fachakademie für Sozialpädagogik ( Caritas ). Die "zwei großen Brocken" während seiner Zeit als Direktor waren der fast vollendete Neubau des BBZ an anderer Stelle in Münnerstadt und die Ausgliederung bisher Landkreis-eigener Schulen , die 2014 von der Caritas übernommen wurden. Er habe anfangs gegen die Übernahme starke Bedenken gehabt, räumte er ein, aber es sei ein guter Weg gefunden wurden. Bei einer Abschlusssitzung des Kreistages im Jahr 2007 in der Schule habe es geheißen, dass eine Sanierung des BBZ 24 Millionen Euro kostet, ein Neubau 18 Millionen. Die Pläne wurden allerdings damals auf Eis gelegt und 2012/13 wieder in Angriff genommen. Zum Architektenwettbewerb wurden 120 Entwürfe eingereicht. Nächstes Jahr soll das neue BBZ eingeweiht werden. Harry Koch will bis dahin noch Mathematikunterricht geben, damit er zur Eröffnung eingeladen wird.

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