Wildflecken

Votum für Kläranlage in Oberbach - Trübe Zeiten für Trübenbrunn

Der Marktgemeinderat Wildflecken lehnt eine gemeinsame Lösung der Abwasserbeseitigung mit der Stadt Bad Brückenau einstimmig ab und votiert für eine neue Wildfleckener Kläranlage in Oberbach. Bürgermeister Kleinhenz betont: "Tragweite weit über unsere eigene Generation hinaus."
Der Marktgemeinderat Wildflecken hat eine gemeinsame Lösung der Abwasserbeseitigung mit der Stadt Bad Brückenau einstimmig abgelehnt. Gebaut wird eine eigene neue Kläranlage in Oberbach.Foto Sebastian Schmitt       -  Der Marktgemeinderat Wildflecken hat eine gemeinsame Lösung der Abwasserbeseitigung mit der Stadt Bad Brückenau einstimmig abgelehnt. Gebaut wird eine eigene neue Kläranlage in Oberbach.Foto Sebastian Schmitt
| Der Marktgemeinderat Wildflecken hat eine gemeinsame Lösung der Abwasserbeseitigung mit der Stadt Bad Brückenau einstimmig abgelehnt. Gebaut wird eine eigene neue Kläranlage in Oberbach.Foto Sebastian Schmitt

Paukenschlag am Ufer der Sinn: Der Wildfleckener Marktgemeinderat hat sich mitten in der Corona-Pandemie einstimmig gegen eine gemeinsame Lösung der Abwasserfrage mit der Stadt Bad Brückenau entschieden und wird eine eigene neue Kläranlage in Oberbach für alle drei Wildfleckener Ortsteile bauen.

Die bei den meisten Wildfleckener Räten umstrittene Abwasser-Druckleitung ab Oberbach bis nach Römershag, um das Wildfleckener Abwasser schließlich in der Bad Brückenauer Kläranlage in Trübenbrunn zu reinigen und aufzubereiten, ist damit endgültig vom kommunalpolitischen Tisch. "Heute geht es darum, eine Entscheidung zu treffen, deren Tragweite weit über unsere eigene Generation hinausgeht. Diese Entscheidung muss von den Bürgern mitgetragen werden. Denn die Bürger werden die Abwasserbeseitigung letztlich bezahlen müssen", sagte Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW). "Eine falsche oder richtige Entscheidung wird es so auf den ersten Blick nicht geben. Das wird man erst in zehn, 20 oder 30 Jahren abschließend beurteilen können. Wir können nur hoffen, dass unsere Entscheidung eines Tages als richtig bewertet wird", so Kleinhenz weiter. Er sprach seine Hoffnung aus, dass nachfolgende Generationen zu der Erkenntnis kommen, dass "wir alles richtig gemacht haben".

Bürger frühzeitig einbinden

"Der Gemeinderat spricht sich für den Bau einer eigenen Kläranlage im Ortsteil Oberbach aus. De facto haben wir uns damit auch gegen einen Anschluss an die Kläranlage der Stadt Bad Brückenau entschieden. Die Hauptarbeit kommt aber jetzt erst", so Kleinhenz. Das Thema Abwasser werde das Gremium nun über Monate beschäftigen. 3. Bürgermeister Herbert Nowak forderte die Gemeindeverwaltung dazu auf, sich frühzeitig damit beschäftigen, wie die Kosten auf die Bürger umgelegt werden. "Wir müssen frühzeitig an die Öffentlichkeit gehen. Was heißt das für den einzelnen Bürger ? Was kommt auf die Bürger zu?" 2. Bürgermeister Wolfgang Illek pflichtete ihm bei: "Wir haben aus früheren Fehlern gelernt. Erst darf nicht erst am Schluss einen großen dicken Batzen für die Bürger geben. Da müssen flexible Lösungen her."

Was macht Riedenberg

Am Rande der öffentlichen Sitzung kam auch zur Sprache, dass sich nun für die Nachbargemeinde Riedenberg ganz neue Optionen in der Abwasserfrage ergeben. Da Riedenberg genau zwischen Oberbach und Römershag liegt, kommt ein Anschluss an die zukünftige Oberbacher oder die bestehende Bad Brückenauer Kläranlage in Frage. "Diese Entscheidung ist Sache des Riedenberger Gemeinderates. Aber wir werden sicherlich gesprächsbereit sein, wenn Riedenberg bei uns anfragt", so Kleinhenz.

Doppel-Lösung zu teuer

Man habe sich diesen weitreichenden Grundsatzbeschluss keineswegs leicht gemacht, sondern immer wieder die Hilfe von Experten gesucht und diverse Studien in Auftrag gegeben.Die langfristige Lösung der Abwasserfrage ist schließlich das Kernthema des Wildfleckener Gemeinderates im Jahr 2021. Und die Entscheidungsfindung des Wildfleckener Gremiums zu diesem Thema wird im gesamten Bad Brückenauer Altlandkreis seit vielen Monaten sehr aufmerksam verfolgt. Denn über viele Jahre hinweg haben Kommunalpolitiker darüber diskutiert, ob der Markt Wildflecken sein gesamtes Abwasser aus allen drei Ortsteilen in die Kläranlage der Stadt Bad Brückenau in Trübenbrunn einleiten sollte.

Mehrere Studien haben sich monatelang mit der Lösung der Abwasserfrage für die Marktgemeinde befasst. Bislang betreibt Wildflecken zwei eigene Kläranlagen : Eine große, aber stark in die Jahre gekommene, Kläranlage direkt vor den Toren Wildfleckens und eine deutlich kleinere Anlage im Ortsteil Oberbach. Langfristig kommt diese Doppel-Lösung der Kommune allerdings teuer zu stehen und ist daher auch keine Option für die Zukunft mehr. Ebenfalls ziemlich schnell verworfen wurde eine rund 18 Kilometer lange Abwasserdruckleitung von Oberbach aus direkt nach Trübenbrunn in die Kläranlage der Stadt Bad Brückenau . Bereits heute laufen Abwässer aus Eckarts, Schmidthof und Rupboden im freien Gefälle in die Kläranlage der Stadtwerke. Das Abwasser aus Zeitlofs, Roßbach und Weißenbach wird nach Trübenbrunn gepumpt.

Kosten nähern sich an

Deutlich komplizierter wurde es dann mit der dritten Variante: Eine Abwasserdruckleitung für alle Ortsteile des Marktes Wildflecken nach Riedenberg und eine gemeinsame Einleitung zusammen mit der Gemeinde Riedenberg in Römershag, um das gesamte Abwasser aus dem oberen Sinngrund schließlich doch in die Kläranlage Trübenbrunn zu bringen. Die vierte Variante war eine neue Kläranlage für alle Ortsteile des Marktes Wildflecken in Oberbach. Diese Option wurde in allen jüngsten Studien ebenfalls als umsetzbar und förderfähig beurteilt. Das Landesamt für Umwelt schätzte die Investitionskosten für eine neue Kläranlage auf rund 4,3 Millionen Euro und rechnete für die Abwasserdruckleitung ab Oberbach bis Römershag mit anschließender Nutzung der Kläranlage in Trübenbrunn mit etwa 7,1 Millionen Euro Investitionskosten. Das tiefbautechnische Büro Köhl errechnete für den Bau einer neuen Kläranlage Kosten von 7,1 Millionen Euro und die fast identische Summe auch für die Abwasserdruckleitung. In der Studie durch die GFM Bau- und Umwelttechnikingenieure GmbH wurden für die neue Kläranlage rund 5,3 Millionen Euro angesetzt und für die Abwasserdruckleitung rund 4,6 Millionen Euro. Betrachtet man allerdings die Kosten über einen Zeitraum von 80 Jahren, dann nähern sich die Gesamtkosten beider Varianten immer näher an. Förderfähig sind letztlich beide Varianten.

Der Zahn der Zeit nagt

Dass schlussendlich der einstimmige Beschluss für eine neue Kläranlage in Oberbach fiel, kam für Bürgermeister Kleinhenz nicht besonders überraschend. "Der Trend hat sich bereits abgezeichnet." Denn eine große Lösung der Abwasserfrage mit der Stadt Bad Brückenau komme für ihn nur "unter dem Dach eines Zweckverbandes" überhaupt in Frage. "Der Faktor Zeit spielt ebenfalls eine Rolle." Die Wildfleckener Kläranlage sei in einem "sehr prekären Zustand". Daher sei nun wirklich Eile geboten. Beim Bau einer eigenen neuen Kläranlage habe man das Zepter auch in Sachen Zeitplanung selbst in der Hand.

Ganz klar gegen Trübenbrunn

2. Bürgermeister Wolfgang Illek (CSU/PWG/OWII) sprach sich "ganz klar gegen einen Anschluss an Trübenbrunn aus". Er könne von Seiten der Stadtwerke ohnehin keine Annäherung in Sachen Zweckverband erkennen. Illek verwies zudem auf die Notwendigkeit eines Abwasser-Trennsystems im Staatsbad und machte deutlich, dass die Kläranlage in Trübenbrunn auch nicht mehr die allerneuste sei. Holger Trump (CSU/PWG/OWII) betonte: "Wenn wir selbst eine neue Kläranlage bauen, dann tut es am Anfang sicher weh. Aber ich spreche mich klar für eine Lösung auf eigenem Territorium aus." 3. Dritter Bürgermeister Herbert Nowak (CSU/PWG/OWII) machte seinen Standpunkt klar: "Alle Investitionen zahlen letztlich die Bürger . Das Thema Kläranlage diskutieren wir schon ewig. Kosten sind nur bedingt planbar. Für mich ist die eigene Variante die deutlich planbarere." Christoph Schmitt (PWW) sagte: "Wasser und Abwasser gibt man nicht aus der Hand." Bei vielen Baumaßnahmen in der jüngeren Vergangenheit habe es böse Überraschungen gegeben. Das könne so beim Spülbohrverfahren für die Abwasserdruckleitung wieder passieren. Oliver Masso (CSU/PWG/OWII) betonte: "Wir bewegen uns auf einer scharfen Klinge, wenn wir an Bad Brückenau anschließen." Langfristig sehe er die Kläranlage in Oberbach als deutlich günstigere Lösung.

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