Hammelburg

Was Chantal-Sophie Genzler antreibt

Wie schützen sich Pflanzen bei einem Waldbrand, wie kann man Bakterien unterscheiden, wie misst man Sichtfelder von Mensch und Tier? Diesen Fragen ist die 17-jährige Gymnasiastin bei der Internationalen Biologie-Olympiade nachgegangen.
Chantal-Sophie Genzler mit der Urkunde.       -  Chantal-Sophie Genzler mit der Urkunde.
Foto: Melanie Genzler | Chantal-Sophie Genzler mit der Urkunde.

Neugier und Forscherdrang treiben Chantal-Sophie Genzler an, sich naturwissenschaftlichen Aufgaben zu stellen. Jetzt hat sie sogar an der internationalen Biologie-Olympiade (IBO) teilgenommen. Deutschlandweit gab es 1496 Teilnehmer an der ersten Runde. Von den Teilnehmern, die sich für die zweite Runde qualifiziert haben, darunter auch Chantal-Sophie Genzler, sind 633 Teilnehmer in einer zweiten Runde angetreten.

Dabei hat die 17-jährige Schülerin des Frobenius-Gymnasiums in Hammelburg eigentlich genug Hobbys, um sich zu beschäftigen. Sie zeichnet, spielt Querflöte und ist in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. Bereits im letzten Jahr hatte sich die Schülerin der Q11 einen guten Platz nach der zweiten Runde gesichert. "Ich wollte ein weiteres Mal mitmachen, weil ich die Fragestellungen immer wieder spannend und herausfordernd finde", bemerkt die Schülerin, die sich auch über das Zutrauen ihrer Biologie-Lehrerin, Studiendirektorin Christine Kreß, gefreut hat, die sie zur Teilnahme an der IBO motivierte.

Fordernde Aufgaben

Im April letzten Jahres wurden die Aufgaben veröffentlicht. Die IBO besteht aus insgesamt drei nationalen Runden. In einer ersten Runde gab es vier Aufgabenstellungen, von denen drei zu beantworten waren. So ging es zum einen darum, wie sich Pflanzen bei einem Waldbrand schützen und wie bzw. wann welche Pflanzen nach einem Waldbrand zurückkehren.

Dazu erklärt die Schülerin: "Hier bin ich besonders auf die Korkeiche eingegangen, ihren Bestäubungsmechanismus und den Aufbau ihres Stammes, der sie durch die dicke Korkschicht vor Feuer sehr gut schützt. Die zweite Pflanze , der eine eigene Aufgabe gewidmet war, ist die Zistrose, welche ihre Keimlingszahl steigert, sobald sie Gefahr durch Feuer wahrnimmt. Obwohl sie eine sehr leicht entflammbare Pflanze ist, ist sie dennoch oft diejenige, die abgebrannte Gebiete besiedelt, weil sie ihre Keimlinge vor Feuer schützen und dann den nährstoffreichen Boden nach einem Brand nutzen kann."

Sehr gut zur aktuellen Pandemie passte die zweite Aufgabe. "Zunächst ging es um die Gram-Färbung. Diese dient zur Unterscheidung von Bakterien , was sehr wichtig ist bei der Entscheidung, welches Antibiotikum gegen welches Bakterium verschrieben wird. Auch der Punkt Antibiotikaresistenz wurde thematisiert", erklärt die Nachwuchs-Forscherin. Dann sollten Nährböden selbst hergestellt und das Bakterienwachstum verglichen werden. "Dazu sollte man diese zunächst mit einem ungewaschenen, dann mit einem mit Seife gewaschenen und desinfizierten Finger berühren." Was folgt, ist klar. So konnten Vor- und Nachteile von Seife und Desinfektionsmittel im Alltag erörtert werden.

"Vor allem dieses Bakterienexperiment hat mich ordentlich zweifeln lassen. Ich habe die Nährböden fünfmal hergestellt, bis die Konsistenz gepasst hat. Die Anleitung aus den Aufgaben war sehr ungenau. Also musste ich selbstständig verschiedene Änderungen vornehmen und dokumentieren, bis es endlich funktioniert hat.

In der dritten Aufgabe war gefordert, Sichtfelder verschiedener Tiere und des Menschen zu messen. "Dafür habe ich ein Perimeter nach IBO-Anleitung aus Pappe gebaut und mein eigenes Sichtfeld horizontal und vertikal gemessen. Hier habe ich mehrere Durchläufe gebraucht, bis ich genau wusste, wie ich dieses zu halten hatte. Aber auch diese Ergebnisse waren überraschend. Außerdem habe ich nebenbei herausgefunden, dass mein Bruder viel mehr zu sehen scheint als ich", meint die 17-Jährige augenzwinkernd. Weiterhin ging die Aufgabe auf Krankheiten ein, die zu einem Verlust des Sichtfelds führen können und wie man diese behandeln könnte.

"Die Ergebnisse aus dieser Runde haben mich für die nächste qualifiziert. Hier gab es eine Klausur mit verschiedenen Themenbereichen aus der Botanik . Auch Corona wurde thematisiert. Leider musste ich hier passen. Hier war zu viel Wissen gefragt, was durch Frühstudium oder Schule nicht abgedeckt war", berichtet Chantal-Sophie Genzler. Insgesamt waren es nur 45 Schüler, die die dritte Runde erreicht haben.

"Der Großteil der Aufgaben bezieht sich auf Wissen außerhalb des Lehrplans. Die wenigsten wurden im Lehrplan behandelt. Das ist aber auch das, was ich so sehr an der IBO mag, dass man so viel Neues dazulernt und immer wieder merkt, welche großartigen Phänomene es in der Natur gibt", erklärt Chantal-Sophie Genzler, die auch der Corona Pandemie und dem Homeschooling eine positive Seite abgewinnen konnte: "Ich hatte für die IBO Zeit."

Persönlich hat sie eine besonders wichtige Erfahrung gemacht: "Man muss auch Rückschläge hinnehmen können, ohne gleich aufzugeben, wenn etwas nicht funktioniert. Im Gegenteil. Man muss neu überlegen, warum und es dann nochmals versuchen." Die Unterstützung seitens der Schule bewertet sie durchweg positiv: "Wir standen während des Homeschoolings zunächst per E-Mail im Kontakt. Danach unterstützte mich Frau Kreß auch persönlich, z. B. bei Problemen mit Fragestellungen. Außerdem konnte sie mich mit verschiedenen notwendigen Utensilien, wie z. B. Petrischalen, unterstützen."

Christine Kreß ist voll des Lobes: "Channy war auch in diesem Jahr voll bei der Sache! Sie hat die Zeit des ersten Lockdowns im Frühling genutzt, um sich an die Arbeit zu machen. Diesmal war in der 1. Runde neben anspruchsvoller Theorie viel praktisches Arbeiten gefordert. Das Vermessen des Sichtfeldes ist ein spannendes Experiment, das Channy auch im Biologisch-chemischen Praktikum vorstellen wird. Das Praktikum konnten wir erstmals in der Oberstufe als Profilfach einrichten. Die Klausur der 2. Runde ist immer extrem schwierig. Die Inhalte sind höchst anspruchsvoll, kommen manchmal - wie der Bereich der Botanik - gar nicht im bayerischen Biologie-Lehrplan vor. Aber Channy hat sich der Herausforderung gestellt und das ist es, was zählt."

Wie schaut die Zukunft einer solch motivierten Schülerin aus? Die ist eigentlich schon so gut wie klar: "Aktuell habe ich am Wintersemester Biologie an der Uni Würzburg als "Frühstudentin" teilgenommen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich etwas mit Bio in meinem späteren Beruf machen möchte - vielleicht sogar Medizin."

 

Weitere Informationen gibt es hier .

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