Bad Kissingen

Was es mit den "Spritzfenstern" auf sich hat

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt liefert regelmäßig neutrale Entscheidungshilfe an Landwirte in der Region, um so den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel möglichst gering zu halten.
Bei der Bestandskontrolle und Probenahme aus dem sogenannten Spritzfenster (von links): Die Hofnachfolger Xaver und Florian Geßner, Julian Megner und Martin Geßner bewerten auf dem Feld den Pflanzenbestand.       -  Bei der Bestandskontrolle und Probenahme aus dem sogenannten Spritzfenster (von links): Die Hofnachfolger Xaver und Florian Geßner, Julian Megner und Martin Geßner bewerten auf dem Feld den Pflanzenbestand.
Foto: Michelle Nöth | Bei der Bestandskontrolle und Probenahme aus dem sogenannten Spritzfenster (von links): Die Hofnachfolger Xaver und Florian Geßner, Julian Megner und Martin Geßner bewerten auf dem Feld den Pflanzenbestand.

Auch wenn die Temperaturen aktuell nur bedingt frühlingshaft sind, tut sich auf den Äckern der Region bereits einiges. Zur Zeit geht es insbesondere darum, die Kulturpflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Dabei wenden die Landwirte den "Integrierten Pflanzenschutz " an. So kommen zunächst vorbeugende Maßnahmen zum Einsatz, wie beispielsweise eine geeignete Abfolge an Kulturen, auch Fruchtfolge genannt, oder eine angepasste Bodenbearbeitung. Der Krankheits-, Unkraut und Schädlingsdruck soll so von Anfang an möglichst geringgehalten werden.

Sollten diese Maßnahme nicht mehr ausreichen, setzen die Landwirtinnen und Landwirte auf mechanischen, beispielsweise mittels Striegel oder Hacke und/oder chemischen Pflanzenschutz . Ob und wann eine Pflanzenschutzmaßnahme sinnvoll ist, hängt von vielen Faktoren ab. Dabei können Landwirte auf den amtlichen Pflanzenschutzdienst zurückgreifen, der Informationen liefert, auf welche Krankheiten in der aktuellen Saison besonders geachtet werden muss. Und es gibt eine unabhängige Beratung, ob eine Behandlung sinnvoll und notwendig ist.

Im amtlichen Pflanzenschutz-Warndienst arbeiten das Fachzentrum Pflanzenschutz am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Würzburg und der Erzeugerring für landwirtschaftliche Qualitätsprodukte Unterfranken (ER) zusammen. Gemeinsames Ziel dieser Institutionen ist es, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf ein ökonomisch und ökologisch sinnvolles Maß zu reduzieren und so Risiken für Mensch, Tier und Naturhaushalt auszuschließen. Unterstützung erhalten sie hierzu von den jeweiligen Pflanzenbauberatern der Ämter für Ernährung Landwirtschaft und Forsten (AELF) vor Ort.

Damit vom AELF Bad Neustadt aussagekräftige Informationen an die Landwirte in den Landkreisen Rhön Grabfeld und Bad Kissingen weitergegeben werden können, startet der Pflanzenbauberater des AELF, Julian Megner, mit Beginn der Wachstumsphase Anfang März zu ausgewählten Feldern in seinem Dienstgebiet. Auf den mit den jeweiligen Bewirtschaftern festgelegten Äckern steckt er sogenannte "Kontrollfenster" ab oder stellt Insektenfallen auf. Einmal pro Woche fährt er diese Probeflächen jetzt an und zählt dort, zum Beispiel in Rapsfeldern, die schädlichen Insekten auf Pflanzen oder in sogenannten Gelbschalen. Die Ergebnisse meldet er unverzüglich an das Fachzentrum für Pflanzenschutz am AELF in Würzburg.

Auf Getreideflächen der landwirtschaftlichen Betriebe Robert Mack in Mellrichstadt und Martin Geßner in Großwenkheim sammelt er wöchentlich in sogenannten "Spritzfenstern", das sind abgesteckte Quadrate, die nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden, jeweils 30 Pflanzen . Diese werden dann im Labor untersucht.

Pflanzenbauberater Julian Megner verfolgt dabei ein ganz bestimmtes Ziel: Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln soll reduziert und so gezielt wie möglich eingesetzt werden. So spart der Landwirt Geld, und der Umwelt kommt es zugute. Er leistet mit seinem Pflanzenmonitoring, also der dauerhaften Überwachung von Vorgängen, eine sogenannte "Hoheitsaufgabe" in Bayern. "Ich sammle Daten und Informationen draußen auf den Feldern und leite diese schnellstmöglich ans Labor weiter."

Zentral im Fachzentrum werden die Daten zusammengestellt und mit sogenannten Schadschwellen verglichen. Schadschwellen sind Werte, die angeben, ob der Schaden durch den Befall mit Krankheiten oder Schädlingen höher ist, als der Aufwand, den der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln zur deren Bekämpfung mit sich bringen würde.

Der Pflanzenschutzwarndienst Würzburg und der ER verbreiten zeitnah die Ergebnisse an die unterfränkischen Landwirte vor Ort. So erhalten diese neutrale und firmenunabhängige Informationen und Entscheidungshilfen zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln .

"Natürlich ersetzt der Pflanzenschutzwarndienst nicht die eigene Kontrolle der Bestände auf den Feldern, eine Entscheidungshilfe ist das amtliche Ergebnis des Monitorings allemal", so der am Pflanzenschutz-Monitoring beteiligte Landwirt Martin Geßner aus Großwenkheim. "Jeder Landwirt entscheidet am Ende selbst, ob und falls ja, welche Pflanzenschutzmaßnahmen er ergreift, um seine Ernte bestmöglich zu schützen. Das Spritzfenster als unbehandelte Kontrolle ermöglicht es uns zudem, die Wirkung einer Maßnahme zu bewerten."

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