Hammelburg

Weiblich, jung und mephistophelisch ...

Ein Abend mit der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart: Im Wasserhaus erlebte das Publikum eine ganz besondere Künstlerin.
Kabarettistin Lisa Eckhart im Wasserhaus in Hammelburg. Jacqueline Vera Mihm       -  Kabarettistin Lisa Eckhart im Wasserhaus in Hammelburg. Jacqueline Vera Mihm
| Kabarettistin Lisa Eckhart im Wasserhaus in Hammelburg. Jacqueline Vera Mihm
Lisa Eckhart, die junge, mit vielen Preisen ausgestattete österreichische Kabarettistin zeigte den unterfränkischen Fans dieses Genres, dass eine Kombination aus "scharfem" Outfit, stromlinienförmiger Figur, scharfer Zunge und brillantem Verstand eine unwiderstehliche Mixtur sein kann.
Frech, frivol, sexy und die Kleidung so schwarz wie ihr Humor: Lisa Eckhart strandete an einem lauen Frühlingsabend im absolut ausverkauften Hammelburger Wasserhaus. Bei der Länge der Warteliste hätte Kulturbunt wohl eine weitere Veranstaltung in Betracht ziehen können. "Lisa Eckhart - als ob Sie Besseres zu tun hätten", stand auf dem Programm. Besseres hatte wohl niemand zu tun, warum auch? Standen doch Glaube, Liebe, Politik, Geschichte und Ernährungstipps auf dem Plan.
Eine haptische Peitsche führte die junge Österreicherin nicht mit sich, wohl aber eine geistige! Die, wie immer mit dem richtigen Riecher für hervorragende Künstler ausgestatteten Kulturbunt-Damen hatten auf der Suche nach guten weiblichen Kabarettistinnen Youtube durchforstet und waren sofort von Lisa Eckhart begeistert. Einer jungen Künstlerin, der in der Zwischenzeit unter anderem der Förderpreis des Deutsche Kleinkunstpreises verliehen wurde. Gesehen, gebucht. So mancher Kabarettfreund der Region, man war aus Schweinfurt, Würzburg und Main-Spessart angereist, war beseelt von diesem Umstand, dass Lisa Eckhart ihren Weg ins idyllische Hammelburg fand. Sie ebenso, hinterfragend, ob die Anwesenden Hammelburg für eine Stadt halten. Hammelburg habe aus ihrer Sicht etwas Trans-Urbanes, ein Dorf, in dem Körper einer Stadt. Sie spiele sonst oft in Städten, und dort können die Städter allabendlich zwischen über 500 Veranstaltungen wählen... "Sie nicht", so Eckhart direkt. Macht nichts, dachten wohl viele Zuschauer. Kabarettistisch gesehen gehört Eckhart ja zur Crème de la Crème.

"Ich finde, sie hat eine ganz andere Art Kabarett zu machen, sie ist eine ganz besondere Künstlerin", so Frau Strauß aus Engenthal, "uns gefällt das Programm, da sie immer so grenzwertig ist. Sie ist eine Kunstfigur und ist heute, betrachtet man ihre Fernsehauftritte, fast schon bieder angezogen". Frau Strauß gefällt Eckhart live gesehen fast noch besser, da diese so menschlich rüberkomme.
Lisa Eckhart hatte Entzauberung und das Ankommen der Zuschauer in der Realität auf dem Programm. Allerdings verzauberte und begeisterte sie ebenso, erfüllte mit Lachen, Stöhnen und betroffenem Schweigen. Ab und an stöhnte ein "Aua" aus dem Publikum. Lisa Eckharts geistige Hiebe saßen, rüttelten an so manchem Geistig-Festgefahrenem, waren mephistophelische Wachmacher.
Eckhart, so war zu erfahren, bevorzuge beim Flughafen-Sicherheits-Check eine Rektaluntersuchung. Sie empfahl, immer viel Kleingeld mit sich zu tragen, da sich dies förderlich auf die Abtastintensität auswirke. Dies sei kostengünstiger, als einen Callboy zu engagieren.
Interaktives Eingreifen ins Publikum, Allergien der Zuschauer abfragend, ebenso wie manche ungewöhnliche Ernährungstipps folgten. Laktoseintoleranz, Gluten-Unverträglichkeit, "Feindbilder" gäbe es überall: Was dem einen der Ausländer sei, sei dem anderen das Gluten. Fleisch von glücklichen Tieren? Um mittels Fleischkonsum glücklich zu werden, empfahl sie den Zuschauern glückliche Kinder aus Hüpfburgen zu fressen. ...

Fettabsaugung empfindet sie wohl als Ressourcenverschwendung: "Eine Fettabsaugung ergibt zehn Schmalzbrote". Na, dann guten Appetit. Von den Ernährungstipps ging es nahtlos über zu Literaturtipps. Sie empfehle das Alte Testament, sei Gott da doch mit Klaus Kinski vergleichbar. Action im Blick: Gott strafe dort wenigstens mit schwarzen Blattern und schlechtem Gewissen.
Lisa Eckhart will nicht schön sterben und dann "ebenda" ein Erlebnisbegräbnis haben - einmal unter Falco liegen. Sie wünscht sich ein Einzelkind, denn wer wolle schon ein Zweites wie einen Reservereifen, am liebsten wäre es ihr natürlich, wenn ihr Genmaterial nicht gestreckt werden müsste.
Lisa Eckhart, die mit Goethes Faust groß wurde und selbst der Geist ist, der stets verneint, erklärt bedeutungsvoll, dass "nicht alles, was auf Bühnen passiert, wahr ist". Hoffentlich, so dachte wohl so mancher Zuschauer, hoffentlich. Ja, sie ist scharfzüngig und, wie eine Zuschauerin meinte, ihre Aussagen "ein bisschen böse, ein bisschen sehr böse". Glücklicherweise bitterböse, möchte man ergänzen. Eckhart enthebt aus dem geistigen Weichspülgang und rüttelt wach - im meist wohldosierten Schleudergang.
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