Weichtungen

Weichtungen: St. Josef erstrahlt jetzt in neuem Gewand

Ende November waren die Arbeiten zur Außenrenovierung des Gotteshauses endlich abgeschlossen. Natürlich haben die Weichtunger selbst auch kräftig mit angepackt.
Mesner Paul Erhard und Kirchenpfleger Christian Back sind stolz: Die Außenrenovierung der Kirche St. Josef ist abgeschlossen.
Foto: Isolde Krapf | Mesner Paul Erhard und Kirchenpfleger Christian Back sind stolz: Die Außenrenovierung der Kirche St. Josef ist abgeschlossen.

Was lange währt, wird endlich wahr: Nach sechs Jahren gingen vor ein paar Wochen die Arbeiten an der der Kirche St. Josef zu Ende. 897 000 Euro sollte die Maßnahme eigentlich kosten, sagt Kirchenpfleger Christian Back im Gespräch mit dieser Redaktion. Tatsächlich wies die Schlussrechnung dann aber lediglich 761 000 Euro aus.

Das ist schon erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Renovierungen historischer Bauten - die Weichtunger haben das 300-jährige Bestehen der Kirche längst gefeiert - eher teurer als billiger kommen, weil so manche schadhafte Stelle erst unterwegs erkannt wird. Daran, dass die Arbeiten viel günstiger kamen, sind die Weichtunger Bürger*innen nicht ganz unschuldig. Denn sie trugen mit rund 1000 Stunden Eigenleistung und 800 Maschinenstunden dazu bei, dass ihr Gotteshaus nun in völlig neuem Licht dasteht.

Hie und da gab es schadhafte Stellen, die als erstes ausgebessert werden mussten, wie unser Bild (mit Paul Erhard) vom Juni 2016 zeigt.
Foto: Archiv Isolde Krapf | Hie und da gab es schadhafte Stellen, die als erstes ausgebessert werden mussten, wie unser Bild (mit Paul Erhard) vom Juni 2016 zeigt.

Beginn im Jahr 2014

Am 9. April 2014 hatte das Architekturbüro Appl (Würzburg) mit der Planung der Maßnahme begonnen, sagt Back. Die statische Prüfung übernahm das Ingenieurbüro Mittnacht (Würzburg). Ein Jahr später hatte die Kirchenstiftung bereits schadhafte Stellen außen an einem Großteil des Kirchenschiffs ausbessern und die Fassade neu streichen lassen. 2016 wurde dann das Teilstück eingerüstet, in dem sich der Chorraum befindet.

Ob und wann der Kirchturm dann an die Reihe kommen würde, stand seinerzeit noch in den Sternen. Denn es hieß, dass für den Turm seit jeher die politische Gemeinde die Baulast trägt. Der Marktgemeinderat Maßbach hatte jedoch eine solche Verantwortlichkeit schon 2013 einmal abgelehnt.

2016 kam alles ins Stocken

Dass die Baulast für den Kirchturm in Händen der Kommune liegt, wurde leider niemals vertraglich geregelt, sagt damals Pfarrer Manfred Finger, seinerzeit noch zuständiger Pfarradministrator der Pfarreiengemeinschaft im Lauertal. Er hatte sich nämlich auf die Suche nach einem schriftlichen Beleg gemacht.  So etwas habe man früher nun mal mündlich vereinbart, wusste er aus seinen Nachforschungen, denn die Mitglieder von Gemeinderat und Kirchengemeinde seien anno dazumal im Dorf meist identisch gewesen.

2016 musste auch das Gebälk über dem Chorraum einer näheren Prüfung unterzogen werden.
Foto: Archiv Isolde Krapf | 2016 musste auch das Gebälk über dem Chorraum einer näheren Prüfung unterzogen werden.

Ein in seinen Augen aussagekräftiges Dokument hatte Finger dann schließlich tatsächlich aufgetan und auch an die Diözese weitergeleitet. Dabei ging es um eine "Anerkenntnis" der Gemeinde Weichtungen vor dem Königlichen Landgericht Münnerstadt vom 11. August 1841: "Die Gemeindeverwaltung Weichtungen erklärt hinsichtlich der Baulast der Kirche daselbst: Diese Baulast hat, soweit sie sich auf die eigentliche Kirche mit Ausnahme des Turms bezieht, die Gotteshausstiftung, jene des Turms aber die Gemeinde, wie beides auch schon längst anerkannt ist."

Wer ist für den Kirchturm zuständig?

Die Kirchenstiftung hatte dieses Dokument auch der Marktgemeinde Maßbach vorgelegt. Diese wiederum leitete es ans Landratsamt weiter. Die dortige Kommunalaufsicht prüfte das Schriftstück, hielt es aber nicht für stichhaltig. Die Justizabteilung der Diözese Würzburg konnte damals aber mittels weiterer schriftlicher Dokumente nachweisen, dass die Baulast für den Weichtunger Kirchturm in jüngst vergangenen Jahrzehnten (1977 bis 2015), als dort sieben andere Maßnahmen anstanden, von der Marktgemeinde als gegeben hingenommen worden waren.

Die Gehwege rund um die Kirche St. Josef wurden von den Weichtungern in Eigenregie neu gepflastert. Zudem legten die Helfer*innen die Grünanlagen neu an.
Foto: Isolde Krapf | Die Gehwege rund um die Kirche St. Josef wurden von den Weichtungern in Eigenregie neu gepflastert. Zudem legten die Helfer*innen die Grünanlagen neu an.

Eine Zeit lang war die Renovierung der Kirche damals ins Stocken geraten. Zwischen Marktgemeinde und Diözese sei es damals noch etliche Zeit "hin und her gegangen", blickt Mesner Paul Erhard heute zurück. "Man hätte vor Gericht gemusst." Das habe die Diözese aber dann letztendlich nicht gewollt, sagt Erhard. Die Marktgemeinde steuerte immerhin, wie bei jeder anderen Kirchenrenovierung in ihrem Wirkungskreis, 2,5 Prozent der Bausumme bei.

Außenanlagen in Eigenleistung

Die Außenanlagen wurden komplett in Eigenleistung von den Weichtungern hergerichtet, sagt Kirchenpfleger Back. Unter anderem wurde dabei auch die Bruchsteinmauer um die Kirche fachmännisch neu verfugt. Den Gottesdienstbesuchern wird es nun auch auffallen, dass 550 Quadratmeter Pflaster auf den Gehwegen rund um die Kirche frisch verlegt sind.

Die Treppenanlagen sind ebenfalls runderneuert. Und natürlich gibt es jetzt auch einen barrierefreien Zugang zum Gotteshaus. Nicht zu vergessen die Grünanlagen, die von den fleißigen Helfern*innen auf den jüngsten Stand gebracht wurden und vermutlich erst im kommenden Frühjahr 2021, wenn alles grünt und blüht, so richtig zur Geltung kommen werden.

Jetzt hat das Weichtunger Gotteshaus wieder ein feines Gewand.
Foto: Isolde Krapf | Jetzt hat das Weichtunger Gotteshaus wieder ein feines Gewand.

Das Helferfest steht noch aus

Etliche Firmen unterstützten die Weichtunger bei diesen Arbeiten, so zum Beispiel die Baufirma Heil (Eltingshausen) und die Putz- und Malerfirma Denner (Weichtungen), aber auch die Gartenbaufirma Herkt (Maßbach). "Fast alles war kostenlos", hebt Back hervor.

Schön wäre es, wenn man das Ende der Sanierungsarbeiten nun auch ordentlich feiern könnte, sagt Back mit Hinweis auf ein Helferfest. "Dass alles so lange dauert, hätten wir nicht gedacht", so Mesner Erhard. Vorerst könne man, wegen der Corona-Pandemie, freilich nicht im Dorf zum Feiern zusammenkommen. Aber wer weiß, vielleicht sieht im Sommer schon alles besser aus?

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