Bischofsheim an der Rhön

Weiße Salzberge gegen weiße Pracht

Wer gedacht hat, der Winterdienst hat nur in der kalten Jahreszeit zu tun, der irrt. Doch wenn Schnee, Eis und Frost eintreffen, was geht da bei den Männern der Straßenmeisterei ab?
Karl-Heinz Baumeister im Salzlager der Außenstelle der Straßenmeisterei  in Bischofsheim. Foto: Marion Eckert       -  Karl-Heinz Baumeister im Salzlager der Außenstelle der Straßenmeisterei  in Bischofsheim. Foto: Marion Eckert
| Karl-Heinz Baumeister im Salzlager der Außenstelle der Straßenmeisterei in Bischofsheim. Foto: Marion Eckert

 "Es ist ein ganz normaler Winter ." Für Karl-Heinz Baumeister, Dienststellenleiter der Straßenmeisterei Rödelmaier, ist alles im normalen Bereich und seine Mannschaft war darauf bestens vorbereitet. Baumeister ist neben der Zentrale in Rödelmaier für die beiden Außenstellen in Bischofsheim und Bad Königshofen sowie ein Streustofflager in Fladungen zuständig.

Der Winter fängt für die Straßenmeisterei schon im Sommer an. Da werden die Winterdienstgeräte, wie die Streuautomaten und Schneepflüge repariert bzw. nötigenfalls erneuert, die Salzlager sind aufzufüllen - und das alles neben den regulären sommerlichen Tätigkeiten, Asphalteinbau- und Mäharbeiten der Intensivbereiche wie Bankette und Entwässerungseinrichtungen und Absicherungen von Baustellen an der A 71.

Straßensituation und Witterung im Blick

Offiziell beginnt der Wintersaison für die Straßenmeisterei am 1. November und endet am 31. März. Doch die Witterung hält sich oft nicht an den Kalender, so dass Baumeister und sein Team, sobald es kühler wird, besonders aufmerksam die Straßensituation und Witterung im Blick haben. " Schnee ist für jeden Verkehrsteilnehmer gut zu erkennen, aber überfrierende Nässe, Reif und Eis ist schwieriger auszumachen." Für Baumeister steht die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer an erster Stelle. Daher steht nicht der feste Schichtdienst an erster Stelle, sondern Flexibilität, was bedeutet, dass Einsätze, wenn es nötig ist, auch schon nachts um 1 Uhr und nicht erst ab 3 Uhr gefahren werden. Wobei die Autobahn ohnehin 24 Stunden im Schichtdienst betreut werde. 16 von den insgesamt 36 Mitarbeitern sind für die Autobahn zuständig. Glättemeldeanlagen, zwei an der Autobahn und vier auf Bundes- und Staatsstraßen, überwachen per Kamera und Temperaturmesssonden den Straßenzustand. Diese messen Gefrierpunkte und geben über den PC Alarm. In niedrigeren Gebieten herrsche oft Eis und überfrierende Nässe vor, während in der Rhön auch größerer Schneefall bzw. Schneeverwehungen zu bewältigen sind.

Nur Salz verwendet

5100 Tonnen Salz lagern in den Hallen und Silos der Straßenmeisterei , neben Bischofsheim, Rödelmaier und Bad Königshofen gibt es auch in Fladungen ein entsprechendes Lager. Es werde ausschließlich Salz verwendet. Auf Splitt verzichte die Straßenmeisterei bewusst, da dieses letztlich in die Kanalisation gespült werde, die Kläranlagen belaste und Fahrzeugbeschädigungen entstehen können. Der Einsatz solcher Materialien sei nur sinnvoll, wenn über einen längeren Zeitraum eine feste Schneedecke auf Nebenstraße vorhanden sei. "Diese Verhältnisse haben wir hier nicht, das ist in den Alpen möglich", so Baumeister. Salzlauge komme ausschließlich bei Eisglätte zum Einsatz, da die Salzkörner vom Fahrtwind ins Bankett oder Mulden geblasen werden würden. "Die Salzlauge bleibt, wo sie ist, und kann dort sofort wirken." Natürlich sind die Geräte so ausgestattet, dass die auszubringende Salz-Lauge-Mischung anhand der Straßenbreite und der Geschwindigkeit angepasst wird. Es können von fünf bis 40 Gramm pro Quadratmeter eingestellt werden. "Wie viel benötigt wird, das erhält man durch langjährige Erfahrung." Der Grundsatz lautet: "So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig."

Gute Kommunikation mit Nachbarn

Dirk Braune fährt den Lkw, der von Bischofsheim aus die B279 räumt. "Zuerst fahren wir nach Oberweißenbrunn und zur Schwedenschanze. Die Steigung muss geräumt werden." Braune dreht aber an der Landesgrenze nicht um, er fährt über die Schwedenschanze bis Rodenbach und manchmal sogar bis nach Gersfeld. "Wir haben eine gute Kommunikation mit den Nachbarn aus Hessen. Die Kollegen sprechen sich ab, wie weit sie sind und unterstützen sich gegenseitig", ergänzt Baumeister. Auf keinen Fall wende ein Räumfahrzeug auf freier Strecke. Es werde immer versucht, bis zur nächsten Ortsdurchfahrt zu fahren. Von Oberweißenbrunn aus geht es dann auf die Staatsstraße 2289 Richtung Wildflecken. Auch da sei Absprache mit den Kollegen der Straßenmeisterei Hammelburg nötig, die im Landkreis Bad Kissingen für freie Straßen sorgen. Erst wenn die B279 bei Oberweißenbrunn und Bischofsheim frei sei, gehe es weiter in Richtung Bad Neustadt. "Wenn die Verhältnisse es nicht zulassen, wenn es arg schneit, dann muss von Bischofsheim aus gleich wieder zur Schwedenschanze gefahren werden", erklärte Braune.

Lkw bleiben hängen

Der tieferliegende Bereich in Richtung Bad Neustadt müsse dann warten oder werde von freiwerdenden Räumfahrzeugen von Rödelmaier aus mit betreut. Gerade durch die Steigung von Bischofsheim und Gersfeld aus komme es auf der B279 immer wieder vor, dass es Lkw wegen schlechter Bereifung nicht mehr weiterschaffen. "Wenn dann ein Lkw steht und ein anderer versucht zu überholen, um daran vorbei zu kommen und dann auch nicht mehr weiterkommt, dann ist die Straße dicht", beschreibt Baumeister die Probleme. Da aber mittlerweile jeder Lkw-Fahrer mit Handy ausgestattet sei, sei es problemlos möglich, die Straßenmeisterei im Notfall zu erreichen. "Sie rufen bei uns an, und dann können wir auch gleich die Problemstelle anfahren."

Nonstop unterwegs

Die Hochrhönstraße zwischen Bischofsheim und Fladungen, werde nur bei Schneeverwehungen im Winter gesperrt. Lediglich die Verbindung von Oberelsbach über den Franzosenweg zur Schornhecke und weiter nach Wüstensachsen werde freigehalten. "Die komplette Hochrhönstraße bei Schneeverfrachtungen freizuhalten, ist personell nicht möglich." Freigehalten werde auch die B278 in Richtung Rotes Moor, was aufgrund der Waldlage leichter möglich sei als die freiliegende Hochrhönstraße. Ebenfalls freigehalten wird die St 2267 von Fladungen über die Sennhütte bis nach Seiferts. Von Bischofsheim aus wird auch der Bereich der Walddörfer bis zum Anschluss Gefäll und Premich geräumt und gestreut. "Bei Schneefall sind wir nonstop mit den notwendigen Fahrerwechseln unterwegs. Neben den acht eigenen bauamtlichen Fahrzeugen sind noch sechs Unternehmer für die Straßenmeisterei im Winterdienst tätig. Auf diese Winterdienstunternehmer kann man sich auch schon seit vielen Jahren sehr gut verlassen und machen einen prima Job. Neben den Problemen mit Lkw an Steigungen sind parkende Fahrzeuge in Ortsdurchfahrten eine Schwierigkeit, vor allem, wenn es baulich eng ist und zudem schon Schneewälle an den Straßenrändern liegen. "Wenn wir Freiräume haben, transportieren wir Schnee aus den Orten heraus, um Platz für neuen Schnee zu haben", erklärt Baumeister. In den Walddörfern, Bischofsheim aber auch in Fladungen und den Ortsteilen war dies in diesem Jahr schon notwendig.  "Wir machen das abhängig von den prognostizierten Schneemeldungen."

Info

Die Straßenmeisterei Rödelmaier ist für die Verkehrssicherheit auf 31 Kilometern Bundesautobahn , der A71 zuständig, von Münnerstadt bis zur Landesgrenze nach Thüringen. Außerdem sind rund 95 Kilometer Bundesstraßen und 260 Kilometer Staatsstraßen zu betreuen. Verkehrsteilnehmer , die wegen Eis, Schnee oder ähnliche Probleme haben, können sich jederzeit bei der Straßenmeisterei melden. Gleiches gilt, wenn Verkehrsteilnehmer sicherheitsrelevantes wahrnehmen, wie herabgefallene oder ab- oder angebrochene Äste aufgrund von Sturm. Tel.: 09771/636 99 40.

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