Bad Kissingen

Wenn der Tod zum Alltag gehört

Felix Fehr tritt in die Fußstapfen seines Vaters: Auch er wurde jüngster Bestattermeister Bayerns.
Vater Rüdiger Fehr (links) mit dem Artikel aus der Bild-Zeitung im Jahr 2000, damals wurde er jüngster Bestattermeister in Bayern. Er sitzt auf dem Foto von damals am Tisch ganz hinten. Rechts Sohn Felix mit seiner Urkunde, die ihn als derzeit jüngsten Bestattermeister Bayerns auszeichnet. Foto: Susanne Will       -  Vater Rüdiger Fehr (links) mit dem Artikel aus der Bild-Zeitung im Jahr 2000, damals wurde er jüngster Bestattermeister in Bayern. Er sitzt auf dem Foto von damals am Tisch ganz hinten. Rechts Sohn Felix mit seiner Urkunde, die ihn als derzeit jüngsten Bestattermeister Bayerns auszeichnet. Foto: Susanne Will
| Vater Rüdiger Fehr (links) mit dem Artikel aus der Bild-Zeitung im Jahr 2000, damals wurde er jüngster Bestattermeister in Bayern. Er sitzt auf dem Foto von damals am Tisch ganz hinten.

Wie der Vater, so der Sohn: Felix Fehr (23) ist seit September 2019 Bayerns jüngster Bestattermeister. Wie sein Vater Rüdiger Fehr: Der heute 52-Jährige errang den Titel im Jahr 2000. Damals allerdings hieß das noch "Funeral Master". Und wie sein Sohn im Jahr 2017 war auch er einst Bayerns jüngster Bestatter .

Erster Berufswunsch: Profifußballer

Felix Fehr strahlt für seine erst 23 Jahre eine Ruhe aus, die man eher von gesetzteren Männern erwartet. Stattlich, mit schwarzem Vollbart ist dennoch die Ähnlichkeit zu seinem Vater zu erkennen. "Nein, es war mit zwölf definitiv nicht meine Zukunftsvorstellung, ,Bestattungen Apfelbacher & Fehr' beizutreten - damals wollte ich noch Fußballprofi werden." Doch spätestens ein Jahr später, als er seine erste Überführung nach Berlin mit seinem Vater hatte und so sein Taschengeld gut aufbessern konnte, wandelte sich seine Haltung.

2014 machte er Abitur und meldete sich zum Studium der Wirtschaftswissenschaften an, 2015 machte er parallel die Bestatterausbildung in Münnerstadt, die er 2017 als jüngster Bestatter Bayerns abschloss. "Und dann bin ich doch gleich in die Firma eingestiegen", er begrub die Fußball- und Studienpläne.

"Komischer Ruch"

Ein Schritt, den er nicht bereut hat. "Ich habe ja schon früh Erfahrungen gesammelt. Das bleibt nicht aus, wenn man in so eine Familie geboren wurde", sagt der 23-Jährige,der im Februar seinen Geburtstag feiert. Sein Vater Rüdiger Fehr erinnert sich noch gut an die Zeit, als er Heranwachsender war. "Das war manchmal schon schwer, damals hatte es noch so einen komischen Ruch, aus einer Bestatterfamilie zu kommen." Er wäre am liebsten Journalist geworden. Sein Vater Ingbert gründete 1963 ein Bestattungsunternehmen in Bad Kissingen , zuvor reichten die Bestattertradition Generationen in Katzenbach zurück. Als Bestattersohn war er Sticheleien ausgesetzt, diese Erfahrungen hat Felix nicht gemacht. "Im Gegenteil: Heutzutage sind die Menschen aufgeschlossen, was das Bestattertum angeht, sie sind neugierig und wollen sich informieren."

Das zeigen auch die Zahlen: Das Bundesausbildungszentrum der Bestatter in Münnerstadt kann über Nachwuchs nicht klagen. Hier erlangte Rüdiger Fehr 2000 das Rüstzeug im allerersten Lehrgang zum geprüften Bestatter in der kleinen Lauerstadt. Auch er war damals der jüngste Bestattermeister/Funeral Master Bayerns. Die Bild-Zeitung hatte damals groß darüber berichtet, den Artikel hat er sich aufgehoben.

Der Tod als Normalität

Särge, Urnen, Tod, "das war für mich schon immer Normalität", sagt Felix Fehr. Und er wundert sich manchmal, mit wie viel Scheu manche Menschen dem Tod begegnen - und sei es in Form einer Urne. "Einmal musste ich eine Urne abholen, die doppelt verpackt war. Sie sah von außen aus wie ein ganz normales Paket. Und dennoch hat sich die Angestellte eines Standesamtes geweigert, anzufassen - sie wollte damit partout nichts zu tun haben."

Urne mit Fußball-Emblem

Die Bestattungskultur ändert sich seit einigen Jahren, Beerdigungen werden immer individueller, auch die Gestaltung von Särgen oder Urnen. Felix Fehr: "Es ist heutzutage kein Problem, das Emblem der geliebten Fußballmannschaft auf die Urne zu drucken." Dass die Rede heutzutage öfter nicht von Geistlichen, sondern von Trauerrednern übernommen wird, heißt er gut: "Ich erlebe, dass diese Reden viel persönlicher sind - und so auch den Trauernden mehr helfen." Wenn dann noch Rockklassiker am Grab gespielt werden, wenn sich alte Golf-Kumpel mit einem Wurf Bälle ins Grab verabschieden, wenn einer dem Verstorbenen noch eine letzte Schachtel Zigaretten als Grabbeigabe hineinlegt, dann "finde ich das rührend und schön".

Seine Arbeit ist in erster Linie eine mit und für Menschen und erst in zweiter Linie mit Toten. So bleibt es nicht aus, dass auch er ergriffen ist vom Schicksal einiger Familien, die sich ob der Bestattung an ihn wenden. "Schlimm war der Suizid eines Teenagers. Die Trauerfeier war im engsten Kreis - und die Gesichter der Eltern waren wie erloschen." Sein Vater fällt ein, "ja", sagt er, "wenn es um Kinder geht, ist und bleibt es schlimm", da helfen ihm auch nicht die vielen Jahre der größeren Erfahrung.

Zukunft ist die Nachlassregelung

Nicht nur die Wünsche der Kunden bei der Beerdigung ändern sich, auch die Angebote im Bestatterwesen werden reichhaltiger. Felix Fehr: "Wir bieten immer mehr Nachlassregelungen an. Denn immer öfter versterben Menschen ohne einen familiären Hintergrund. Wir kümmern uns dann um die Haushaltsauflösung bis hin zum Verkauf der Immobilie."

Im Vordergrund aber stehen die Beerdigungen , die Trauerfeiern , die Würde, die diese letzte, unwiederbringliche Feier ausstrahlen soll. Ein großes Thema bei der Gestaltung der Feier ist immer die Musik. Für die Hinterbliebenen soll es einzigartig sein - für Vater und Sohn Fehr wird das allerdings schwierig. Zu oft haben sie zu viele Stücke gehört. Für Rüdiger Fehr ist es "Air" von Johannes Sebastian Bach , und Felix Fehr winkt innerlich ab, wenn er das "Hallelujah" von Leonard Coen hört: "Das kenne ich in allen Variationen. In allen."

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