Bad Kissingen

Wer ist der geheimnisvolle Krimiautor?

"Ich könnte trotz größter Vorsicht Racheaktionen provozieren", sagt Fabio Paretta zur Begründung dafür, warum er unter einem Pseudonym schreibt.
Der geheimnisvolle Schriftsteller Fabio Paretta sammelt Ideen für seinen nächsten Krimi.  Foto: Sigismund von Dobschütz       -  Der geheimnisvolle Schriftsteller Fabio Paretta sammelt Ideen für seinen nächsten Krimi.  Foto: Sigismund von Dobschütz
| Der geheimnisvolle Schriftsteller Fabio Paretta sammelt Ideen für seinen nächsten Krimi. Foto: Sigismund von Dobschütz

Mit dem Roman "Tödliches Capri" erschien vor wenigen Tagen schon der dritte Band der erfolgreichen Krimireihe von Fabio Paretta, Pseudonym eines nach Aussage des Verlags "in Italien lebenden deutschen Schriftstellers ". Im Internet findet man nicht den kleinsten Hinweis auf seinen richtigen Namen. Doch unser Reporter und Literaturkenner Sigismund von Dobschütz konnte das Geheimnis lüften: Hinter dem geheimnisvollen Pseudonym Fabio Paretta verbirgt sich ein in Bad Kissingen geborener und hier bis zum Abitur beheimateter Autor , der "aus Sicherheitsgründen und zum Schutz meiner Familie " darum bat, seine Identität nicht preiszugeben. Aus Verbundenheit zur Heimatstadt gab er unserer Zeitung allerdings ein Exklusiv-Interview, zumal er gerade erste Ideen zu einem Roman über seine Jugend in Bad Kissingen entwickelt.

Herr Paretta, Ihre früheren Romane haben Sie noch unter ihrem deutschen Namen veröffentlicht. Warum haben Sie seit 2016 für Ihre neue Krimireihe ein italienisches Pseudonym gewählt, und warum soll Ihre wahre Identität geheim bleiben?

Fabio Paretta Meine zwei Kinder leben mit meinem richtigen Nachnamen in Italien. Beide will ich ebenso schützen wie die Polizisten und Freunde, die mich bei meinen Recherchen unterstützen. Ich könnte trotz größter Vorsicht Racheaktionen provozieren. Dafür würde schon reichen, einem fiktiven Roman-Mafioso einen bestimmten Namen zu geben oder auch Charaktereigenschaften, durch die sich jemand enttarnt fühlt. Leider habe ich schon bei früheren Recherchen - damals noch unter richtigem Namen - unangenehme Erfahrungen machen müssen. Es lässt sich leichter vor Ort recherchieren, wenn man nicht schon an der Hotelrezeption in Neapel als Krimi-Autor identifiziert, sondern als harmloser Tourist oder Reisejournalist angesehen wird.

Wie kamen Sie auf das Pseudonym Fabio Paretta?

Fabio ist eine Hommage an einen Freund in Italien, Paretta dagegen frei erfunden. Der Familienname existiert in Italien überhaupt nicht.

Früher erschienen Ihre Kriminalromane , die auch schon in Italien spielten, in einem anderen Verlag. Warum wechselten Sie 2016 mit Ihrer Paretta-Reihe zum Penguin-Verlag?

Meinem früheren Verlag habe ich viel zu verdanken. Aber wir waren an einem toten Punkt angekommen. Für den Auftakt der Paretta-Reihe bekam ich dann von mehreren Verlagen sehr attraktive Angebote. Die Programmleiterin bei Penguin war gleich Feuer und Flamme, und der Elan, mit dem dieser Verlag 2016 in Deutschland gestartet ist, hat wiederum mich begeistert. Mein erster Paretta-Krimi um Commissario Franco De Santis, "Die Kraft des Bösen", war Teil des damaligen Launch-Programms von Penguin zur Frankfurter Buchmesse .

"Die Kraft des Bösen" (2016) und "Trügerisches Neapel" (2018) spielen in Neapel, der Heimatstadt des Commissario. Warum haben Sie jetzt im dritten Band den Schauplatz nach Capri verlegt?

Die Insel Capri ist trotz Massentourismus und Kommerz ein märchenhafter Vorposten Neapels. Es ist eine atemberaubende Mischung aus unberührter Natur und Konsumwahn, aus Sirenenfelsen und mondänem Yachtclub, also Spiegelbild und Gegenentwurf zum Moloch Neapel. Die Arbeit an "Tödliches Capri" war allerdings schwierig, weil ich plötzlich im Lockdown festsaß. Die Wirklichkeit war trist, die Gassen ausgestorben, hysterischer Massentourismus undenkbar. Irgendwann schaffte ich es dann doch, mich in diese Traumkulisse Capris zu versetzen. Von da an wurde das Schreiben zum Genuss.

Worum geht es denn in "Tödliches Capri"?

Commissario Franco De Santis wird mitten im Hochsommer nach Capri beordert: Ein junger Mann war gepfählt worden - ein Tatort wie aus einem grotesken Gemälde. De Santis beginnt zu ermitteln, doch nicht jedem auf Capri gefällt dies. Die malerischen Strände und mondänen Gassen sind voller Touristen. Skandale kann sich in der Hochsaison niemand leisten. Als die Ermittlungen in eine glamouröse Künstlerkolonie führen, wird der Fall zum Politikum.

Was ist das Besondere an der Figur Ihres Commissario und an dieser Krimireihe?

Ich will in meinen Romanen authentische Neapolitaner, lebensechte Polizisten zeigen. Es gibt viele falsche Klischees über Neapel, diesen Brennpunkt der Armut und Gewalt, der Kultur, Lebenslust und Kreativität. Die Neapolitaner sind die warmherzigsten, originellsten und einfühlsamsten Menschen, die ich kenne. Aber die Anständigen tanzen tatsächlich auf dem Vulkan, unter dem mit der Camorra eine der ältesten und größten kriminellen Organisationen Italiens sowie eine kafkaeske Bürokratie und die blanke Not brodeln. Bei meinen Recherchen war ich mit Polizisten in ihren Revieren unterwegs, in der Altstadt ebenso wie in den berüchtigten Vororten. Die Widersprüche Neapels sind das Spannende. Davon erzähle ich in meiner neuen Krimireihe.

Veröffentlichen Sie immer noch Bücher unter Ihrem richtigem Namen?

Ja. Im Moment arbeite ich an mehreren Projekten gleichzeitig - an einem neuen Krimi , an einem Theaterstück und an einem Roman über meine Jugend in Bad Kissingen .

Früher arbeiteten Sie auch als Übersetzer aus dem Italienischen.

Vor drei Jahren habe ich wieder einen Krimi übersetzt. Seitdem konzentriere ich mich aber ganz auf das Schreiben eigener Bücher .

Was dürfen wir als nächstes Projekt erwarten? Schreiben Sie schon am vierten Band Ihrer Krimireihe oder an einem ganz anderen Buch ?

Für den vierten Paretta-Krimi habe ich schon mehrere Ideen. Aber ein anderes Projekt ist viel weiter gediehen. Die Pandemie hat mich zwar zuerst gelähmt, doch dann zahllose Ideen freigesetzt. Seit Herbst skizziere ich wie ein Berserker, was mir durchs Hirn schießt.

Besuchen Sie hin und wieder Ihre Heimatstadt Bad Kissingen ? Wann waren Sie zuletzt hier?

Gerade im Januar. Von der Stadt habe ich leider wenig gesehen, weil ich meine Quarantäne absitzen und dann weiterreisen musste. Aber ich bin regelmäßig in Bad Kissingen , vor allem im Garten meiner Eltern und in den Wäldern.

Vielen Dank, Herr Paretta. Aber jetzt fragen sich natürlich viele Kissinger, wer Sie wirklich sind. Können Sie uns nicht trotz aller Geheimhaltung doch noch etwas über sich verraten?

Mein Erstwohnsitz ist in Berlin, aber ich lebe auch viel in Italien, der Heimat meiner Frau. Kennengelernt habe ich sie allerdings gar nicht in Italien, sondern in Frankreich an einer Sprachenschule. Deshalb haben wir uns anfangs auf Französisch unterhalten. Wir haben zwei Söhne. Der Ältere studiert, der Jüngere ist noch Schüler, aber gerade zu einem Austauschsemester in Deutschland.

Die Fragen stellte

Sigismund von Dobschütz .

Infos zum Buch

Fabio Paretta "Tödliches Capri", Penguin Verlag, Taschenbuch, 368 Seiten, Preis: 11 Euro, ISBN 978-3-328-10606-7

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