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Westheim: 40 Baumpaten retten Streuobst-Pflanzung beim Zirkus Luna

Unter dem Motto "Circus for future" stellt Peter Bethäuser sein Unternehmen ganz auf Nachhaltigkeit um. Das verschafft ein bisschen Ablenkung von seinen Existenzsorgen.             
Peter Bethäuser pflanzt an seinem Zirkus Luna in Westheim mit Unterstützern eine Streuobstwiese.
Foto: Wolfgang Dümnebier | Peter Bethäuser pflanzt an seinem Zirkus Luna in Westheim mit Unterstützern eine Streuobstwiese.

Als Peter Bethäuser mit seiner Familie im Oktober 2019 beschloss, den Zirkus Luna fit für eine umweltfreundliche Zukunft zu machen, ahnte er noch nicht, welche Hürden dabei auf ihn zukommen würden. Die Corona-Pandemie hatte ja noch niemand auf dem Schirm.           

Doch trotz aller Beschwernisse hält er an seinen Plan fest.  "Mit unseren 1200 bis 1400 jungen Teilnehmern sind wir ja auch Multiplikatoren zu Umweltthemen", sagt er.

Die Aktion "Circus for future" soll möglichst breit aufgestellt werden. Und so plante er auf dem Grundstück an seiner Mühle eine Streuobstwiese mit 35 Bäumen. Nachdem im Corona-Jahr aber die Hälfte der Gäste weggebrochen sind, wäre die Finanzierung schwierig geworden. Als zündende Idee erwies sich die Gründung von Baumpatenschaften.         

Große Solidarität

"Die Solidarität ist riesengroß", freut sich Bethäuser. Auf einen Aufruf über seinen E-Mail-Verteiler Anfang Oktober meldeten sich sogar 40 Paten aus dem gesamten Bundesgebiet und darüber hinaus. Glatt das doppelte, als sich Bethäuser erwartet hatte. Für ihn ist das auch Ausdruck der Verbundenheit bisheriger Kursteilnehmer.

Gerne hätte er jetzt ein kleines Pflanzfest veranstaltet, aber der Besuch der Paten fiel dem neuerlichen Lockdown zum Opfer. Doch schon die Aktion mit einer handvoll Helfer machte am Mittwoch die Dimension des Projektes auf 12000 Quadtratmetern deutlich.

Schattenkreis für die Akrobaten

Gepflanzt wurden acht Baumhaseln, die in den kommenden zehn Jahren zu einem Schattenkreis mit 20 Metern Durchmesser heranwachsen sollen, in dem junge Akrobaten ihre Kunststücke trainieren können. Weiterhin sollen 14 frisch gesetzte Elsbeeren gedeihen, dazu Bäume mit Ringelo, Kirschen, Mirabellen, Äpfel und Birnen.

Solche Inseln in einer sonst bisweilen ausgeräumten Landschaft seien wichtig für die Vogel- und Insektenwelt, weiß Bethäuser. "Sie gleichen Hitze und Trockenheit aus", zeigt der Zirkusdirektor weitere Vorteile auf. Außerdem kompensieren sie produziertes Kohlendioxid und zeigten den Kursteilnehmern, wie die Natur zur Ernährung beiträgt. Das Vorhaben ziehe jetzt schon Kreise: So hat ein Fan des Zirkus Luna die Aufstellung von zwei Bienenvölkern versprochen.          

Auf vegane Kost umgestellt

Im Zuge des Umstellung seines Unternehmens setzt Bethäuser auch auf regionale Produkte und vegane Kost. "Das kommt bei den Gästen sehr gut an", berichtet Bethäuser. Wem das fleischlose Essen bei den Freizeiten schmeckt, der werbe dann auch anderswo dafür, ist Bethäuser überzeugt.        

Doch der "Circus for future" will noch mehr. Inzwischen ist die große Fotovoltaikanlage auf dem Dach der Scheune in Betrieb gegangen. Coronabedingt ziemlich sang- und klanglos, bedauert Bethäuser. Ansonsten hätte es wohl ein größeres Fest gegeben."Denn in Verbindung mit einem Speicher erzeugen wir jetzt unseren ganzen Strom selbst", freut sich Bethäuser,"und speisen sogar noch ins Netz ein". Außerdem gehört zum Fuhrpark inzwischen ein Elektroauto.

Ähnliche Solidarität wie für die Pflanzaktion wünscht sich Bethäuser auch aus der Politik. Er erinnert an seine Unterschriftensammlung für seine Petition um eine dauerhafte Unterstützung von der Gemeinde Elfershausen, den Landkreis, den Regierungsbezirk Unterfranken bis zum Freistaat. Bislang seien erst knapp 7500 der 10000 Unterschriften beisammen, mit denen Bethäuser die betreffenden Gremien dazu bewegen möchte, sich noch einmal mit seiner Lage zu befassen. 

Der Zirkus Luna solle als kulturelle Kinder- und Jugendbildung anerkannt werden. 2020 seien alle Schul- und Klassenprojekte mit über 1000 Teilnehmern ersatzlos gestrichen worden. Weil durch Hygiene-Regeln dauerhaft mit Einschränkungen etwa bei den Kursteilnehmern zu rechnen sei, brauche es über die aktuelle Corona-Zeit hinaus Unterstützung.

"Angebot wichtiger denn je" 

Überhaupt sei es ein Problem, das Zirkus in Deutschland nicht als wichtiger Kulturträger anerkannt sei und deshalb von bisheriger Förderung kaum profitiere. Dabei sei gerade das Angebot des Zirkus Luna angesichts der zunehmenden Digitalisierung wichtiger denn je. Es handele sich nicht nur um ein Sportangebot, sondern eine Einrichtung, die umfassend das Körperbewusstsein, den Teamgeist und nun auch verstärkt den Umweltgedanken prägt.                         

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