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Wetterfrosch dringend gesucht

Die ehrenamtliche Wetterbeobachterin hat schon 42 solcher Notizbücher mit Daten über die heimischen Wetterverhältnisse gefüllt.
Foto: Julia Back | Die ehrenamtliche Wetterbeobachterin hat schon 42 solcher Notizbücher mit Daten über die heimischen Wetterverhältnisse gefüllt.

Die Digitalisierung macht auch nicht vor Wetterfröschen Halt – oder besser gesagt Wetterbeobachtern. Deshalb sucht der Deutsche Wetterdienst in Geroda-Platz oder im Umkreis von fünf Kilometern einen neuen ehrenamtlichen Wetterbeobachter.

Bisher hat in Platz Gerda Metz das Wetter beobachtet. 42 Jahre lang, sieben Tage die Woche. „Jeden Tag musste ich aufschreiben, wie das Wetter ist, ob Regen, Wind oder Gewitter. Zudem musste ich im Garten den Niederschlagsmesser prüfen“, erzählt die Seniorin. Das bedeutete für die 73-Jährige auch, dass sie frühs aufstehen musste: „Im Winter um sechs Uhr und im Sommer um sieben Uhr.“

Die Daten trägt die rüstige Frau täglich fein säuberlich in ihr Notizbuch ein. Was sich für Außenstehende wie Hieroglyphen liest, sind spezielle Zeichen für die Wetterverhältnisse. „Die Abkürzungen hat man nach den vielen Jahren schon im Kopf“, erklärt sie. 42 Bücher hat sie so schon gefüllt. Am Ende des Monats trägt Metz die Werte dann in eine Tabelle ein und schickt sie zum Deutschen Wetterdienst nach München.

Doch damit ist am Ende des Jahres nun Schluss. Wie so vieles wird auch die Wetterbeobachtung digitalisiert. „Da wir die Daten erst am Ende des Monats bekamen, konnten diese nur für Statistiken genutzt werden“, erklärt Iris Heinemann, Wetterfachkraft beim Deutschen Wetterdienst. In Zukunft sollen die Daten täglich geprüft und dann in die Wettervorhersage eingebunden werden.

„Jeden Tag musste ich aufschreiben, wie das Wetter ist, ob Regen, Wind oder Gewitter.“
Gerda Metz Wetterbeobachterin

Der nächste Beobachter muss daher einen Internetzugang haben, da er die Daten in eine Webanwendung eingeben muss, informiert Heinemann. Das bedeutet auch, dass er täglich aufstehen muss. „Möglichst um 6.50 Uhr“, sagt Heinemann. Bei Urlaub oder Krankheit sollte ein Vertreter zur Verfügung stehen.

Das größte Problem sei ein geeigneter Standort, so die Wetterfachkraft: „Dort muss der Niederschlagsmesser in doppeltem Abstand zu Gebäuden und Bewuchs aufgestellt werden.“ Das Messgerät müsse also in 18 Metern Entfernung zu einem neun Meter hohen Haus stehen. „Das geht in den kleinen Gärten heutzutage gar nicht“, sagt Heinemann. Deshalb ist die Wetterexpertin vor allem auf der Suche nach Landwirten, die Platz haben.

Wehmut, dass sie am Jahresende aufhören wird, verspürt Gerda Metz nicht: „Einmal muss ja auch Schluss sein.“ Sie hatte sich auch nie um die Arbeit beworben. „Wir hatten einen Mieter im Haus, der das gemacht hat. Als er starb hieß es: Mach du das doch weiter“, sagt Metz.

Auch wenn die ehemalige Verkäuferin damals noch nicht ahnen konnte, dass sie die nächsten 42 Jahre das Wetter beobachten wird – sie war mit vollem Einsatz dabei: „Ich habe den ganzen Tag das Wetter beobachtet und aufgeschrieben.“ Auch einen Vertreter hatte die 73-Jährige nie. „Ich war immer da“, erzählt die Seniorin.

In Unterfranken gibt es 25 Messstationen, für sechs davon sucht Heinemann neue Wetterbeobachter – und hofft schnell fündig zu werden. Die Daten werden vom Deutschen Wetterdienst gebraucht. „Unsere Gutachter müssen wissen, wieviel Niederschlag in den verschiedenen Gebieten auftreten kann“, sagt die Wetterfachkraft. „Nur so können sie berechnen, wie groß beispielsweise Abwasserrohre sein müssen oder wie wahrscheinlich Überschwemmungen sind.“ Aber Heinemann weiß, dass es schwierig ist neue Wetterbeobachter zu finden. „Viele wollen sich die Aufgabe nicht ans Bein binden, auch am Wochenende früh aufstehen zu müssen“, sagt sie. Auch die Aufwandsentschädigung von 635 Euro im Jahr helfe oftmals nicht darüber hinweg zu sehen. „Der Beobachter muss einfach Interesse am Wetter haben und zuverlässig sein“, sagt die Wetterfachkraft.So wie Gerda Metz. „Natürlich habe ich mich für das Wetter interessiert, ich musste ja mitbekommen, was draußen passiert“ erzählt sie. Da bekomme man dann natürlich auch ein Händchen dafür, so die Seniorin. Wettervorhersagen könne sie deshalb aber nicht treffen: „Ich bin ja kein Hellseher.“ Und natürlich hat auch eine Wetterbeobachterin wie Gerda Metz hat ein Lieblingswetter: „Wenn die Sonne scheint.“

Interessenten können sich an Iris Heinemann vom Deutschen Wetterdienst wenden: Tel. 069 80 62 92 44 oder Mail an iris.heinemann@dwd.de

Dieser Niederschlagsmesser im Garten von Gerda Metz in Platz hat am Ende des Jahres ausgedient.
Foto: Julia Back | Dieser Niederschlagsmesser im Garten von Gerda Metz in Platz hat am Ende des Jahres ausgedient.
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