LKR Bad Kissingen

Wie bewaffnet ist der Landkreis?

Ein 66-Jähriger bedrohte im Mai bei einer Kontrolle Polizisten mit einer scharfen Pistole. Der 66-Jährige war nicht befugt die Waffe legal zu besitzen. Ausnahmesituation? Einzelfall oder Alltag? So nehmen Polizeibeamte das Thema des illegalen Waffenbesitzes wahr.
Im Mai 2020 bedrohte ein 66-Jähriger Mann in Bad Brückenau zwei Polizeibeamte mit einer Schusswaffe. Die Polizei im Landkreis Bad Kissingen äußert sich zur Gefährdungslage durch illegale Waffen. Foto: cherylvb/adobestock.com       -  Im Mai 2020 bedrohte ein 66-Jähriger Mann in Bad Brückenau zwei Polizeibeamte mit einer Schusswaffe. Die Polizei im Landkreis Bad Kissingen äußert sich zur Gefährdungslage durch illegale Waffen. Foto: cherylvb/adobestock.com
Erst vor Kurzem bedrohte ein 66-Jähriger in Bad Brückenau zwei Polizisten mit einer scharfen Waffe. Hat der Landkreis Bad Kissingen ein Problem mit unerlaubtem Waffenbesitz? Symbolbild: cherylvb/adobestock.com

Ende Mai hat ein Vorfall in Bad Brückenau die Öffentlichkeit geschockt. Ein als vermisst gemeldeter Mann bedrohte einen Polizeibeamten mit einer scharfen Waffe. Dem Polizisten gelang es, den 66-Jährigen zu entwaffnen. Dabei löste sich ein Schuss. Verletzte gab es zum Glück nicht. Laut der deutschen Presseagentur ( dpa ) besaß der Mann die Pistole illegal. Die Frage, die sich stellt: Handelt es sich bei unerlaubtem Waffenbesitz im Landkreis Bad Kissingen um ein großes Problem?

Landkreis Bad Kissingen: So bewerten Polizisten den Vorfall

Thomas Baumeister, der stellvertretende Dienststellenleiter der Bad Kissinger Polizei , meint, dass dies "eher nicht" der Fall sei. Sein Bad Brückenauer Kollege, Hauptkommissar Thomas Vöth, der dort als stellvertretender Dienststellenleitertätig ist, bestätigt seine Meinung: "Es war das erste Mal an das ich mich für Bad Brückenau erinnern kann, dass eine Waffe gegen einen Beamten gerichtet wird." Für ihn gilt es der Vorfall daher als Einzelfall.

Auch Oliver Ebert, der stellvertretende Dienststellenleiter in Hammelburg stimmt seinen Kollegen zu: "Dass eine scharfe Waffe im öffentlichen Bereich geführt und gegen einen Beamten gerichtet wird, ist für mich der erste Fall in der Region." Axel Weihprecht, leitender Oberstaatsanwalt in Schweinfurt, bestätigt die Auffassung der Polizisten : "Verstöße gegen das Waffengesetz durch Besitz oder Führen scharfer Schusswaffen sind relativ selten."

Scharfe Waffen: Damit sind Beamte im Landkreis Bad Kissingen konfrontiert

Häufiger schlagen laut dem Oberstaatsanwalt Verstöße gegen das Waffengesetz auf. "Meist geht es um Besitz verbotener Gegenstände wie verbotene Messer oder Reizstoffsprühgeräte, Wurfsterne, Schlagringe Stahlruten und ähnliches". Auch das verbotene Führen einer Schreckschusswaffe ohne den sogenannten "kleinen" Waffenschein trete öfters auf. "Scharfe Schusswaffen sind Gott sei Dank selten", pflichtet Baumeister bei. Einer der beiden bedrohten Beamten befinde sich laut Vöth bereits wieder im Dienst. Um das Erlebte aufzuarbeiten habe es intensive Gespräche gegeben. Woher der 66-Jährige Mann in Bad Brückenau die Schusswaffe hatte, ist laut Weihprecht "bislang nicht bekannt".

Woher kommen die Waffen?

Für Vöth ist das Thema des Waffenbesitzes ein "Dauerbrenner" Denn:"Das schlägt ungefähr jeden Monat mal auf." Menschen würden die Pistolen meistens beim Ausräumen des Speichers zufällig finden. "Das kann dann zum Beispiel die alte Waffe des Großvaters aus dem Krieg sein", erklärt er. "Der Finder sollte uns darüber informieren." Polizei und Landratsamt stellen die Waffen dann vorläufig sicher.

Dafür gibt es im Landratsamt einen eigenen Tresorraum. Nach Absprache gehen die Waffen dann an das Landeskriminalamt in München (LKA). "Dort wird geschaut, ob historisch wertvolle Waffen dabei sind, die an ein Museum abgegeben werden können", teilt Burkhard Lamer, zuständig für die Pressearbeit im Landratsamt, mit. Die Beamten in München unterziehen die illegalen Waffen außerdem einer Beschussprobe mit anschließendem Datenbankabgleich, um herauszufinden, ob die Waffe bei einer Straftat Verwendung fand. Die nicht musealen Stücke schmelzen Beamte des LKA abschließend ein.

Zahlen aus dem Landkreis

Die Fälle, in denen Einwohner des Landkreises Bad Kissingen Waffen aus dem Nachlass eines Angehörigen abgeben, seien laut Lamer überschaubar: "Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 25 Stück, wobei aber 19 davon einem Verstorbenen gehörten." Überwiegend handelte es sich dabei um Waffenteile. "In "normalen" Jahren dürften sich die abgegebenen illegalen Waffen aus dem Nachlass im niedrigen einstelligen Bereich bewegen", schätzt er.

Dass die Einwohner im Landkreis unbewaffnet sind, lässt sich daraus nicht ableiten, denn für die Polizisten gibt es ein Problem: "Was im Dunkelfeld abläuft sehen wir ja nicht", sagt Baumeister. Hinweise über illegale Besitztümer erhalte die Polizei häufig durch anonyme Mitteilungen. "Das ist dann beispielsweise ein Nachbar, der sieht, wie jemand mit einem Gewehr hantiert, und sich fragt, ob er eine Erlaubnis dazu hat", beschreibt Baumeister die Situation. Andere würden sich direkt an die Waffenbehörde, also an das Landratsamt wenden. "Die schauen dann selbst vorbei. Wenn sie allerdings eine Gefahr sehen, dann kommen wir gemeinsam vorbei."

In unregelmäßigen Abständen gibt es außerdem das Amnestiejahr. Menschen, die unerlaubt Waffen besitzen, können diese dann straffrei bei den Behörden abgeben. Hauptzielgruppe sind Waffenbesitzer , die weder zum Führen oder Besitz von Waffen berechtigt sind. Die vergangene Amnestieperiode endete am 30. Juni 2018. Thomas Vöth hat dazu eine klare Meinung: "So eine Aktion begrüßen wir immer. Dabei wird etwas abgefischt."

Im Landkreis Bad Kissingen haben Waffenbesitzer beim jüngsten Amnestiejahr 116 Langwaffen abgegeben. 69 davon befanden sich im illegalen Besitz. Von 95 Kurzwaffen stammten 37 aus illegalem Besitz. Bei den abgegebenen 7000 Schuss Munition entfielen 5000 auf illegalen Besitz. Bei Hieb- und Stichwaffen zeigt sich eine Auffälligkeit: Das Gros der abgegebenen derartigen Waffen stammt aus dem illegalen Besitz. Zehn von insgesamt 14 Hieb- und Stichwaffen stammten aus illegalem Besitz.Josch/Quelle LRA KG

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