Bad Kissingen

Wie eine Matte zum Kanal wird

Ein etwa ein Meter langes Kanalstück in der Turmgasse war akut einsturzgefährdet. Die Lösung: Den Bereich mit einem Innenrohr sanieren. Die Fachfirma spricht von einem sehr heiklen Projekt.
Der Kanal wird erkundet. Katja Romeis
Der Kanal wird erkundet. Katja Romeis

Arbeiter einer Fachfirma haben am Dienstag das einsturzgefährdete Kanalstück unter der Turmgasse saniert. "Es war ein riskantes Projekt, weil der Kanal eigentlich nicht sanierbar war", sagt Diplomingenieur Udo Thorak. Er hat die Sanierung als Bauleiter verantwortet. An einer weniger sensiblen Stelle als der Turmgasse hätte er empfohlen, den Kanal aufzubaggern und das Rohr komplett zu tauschen. "Wir hatten im Kanal keinen klassischen Riss, sondern eine großflächige Scherbenbildung", sagt er. Weil beim Aufgraben aber Setzungen und Schäden an den umgebenden Gebäuden oder am historischen Feuertürmle zu befürchten sind, blieb nichts anderes übrig, als den Kanal mit einem Inliner zu sanieren, um so den drohenden Einsturz des Kanalstücks zu verhindern.

Wie läuft so eine Kanalteilsanierung in fünf Metern Tiefe ab? 1.Zu Beginn spülen die Arbeiter den Kanal, um groben Dreck und Fäkalien aus dem beschädigten Bereich zu entfernen. Um das Rohr nicht weiter zu beschädigen, durfte der Wasserdruck nicht zu hoch sein. 2. Im Anschluss wird der sogenannte Packer kalibriert, also das Gerät , das später das neue Innenrohr im Kanal anbringt. Zum Kalibrieren misst ein Kamerakopf das Rohr und die Lage der Schadstelle noch einmal genau aus. 3. Die Arbeiter wickeln den Packer mit einer Kunststofffolie ein, die dafür sorgt, dass sich der Packer nach dem Aushärten wieder lösen lässt. 4. Die Arbeiter breiten die Glasfasermatte auf dem Boden aus, tränken sie mit Silikatharz, wickeln sie um den Packer und fixieren sie. 5. Über flexible Stangen wird der Packer in den Kanalschacht abgelassen und an die Schadstelle geschoben. Der Kamerakopf hilft beim Ausrichten. 6. Der Packer wird aufgeblasen und drückt die mit Silikat getränkte Glasfasermatte von innen an den Kanal, bis das Material ausgehärtet ist. Das dauert etwa zwei Stunden. Der Packer wird normalerweise mit einem Druck von 2,5 Bar aufgeblasen. Weil der Kanal aber so stark beschädigt war, war es nicht möglich, die Scherben wie sonst üblich abzufräsen. Um den Inliner nicht durch zu abruptes Aufblasen zu beschädigen, wurde diesmal nur ein Luftdruck von 1,2 Bar verwendet. 7. Nach dem Aushärten prüft Udo Thorak, ob der Inliner optimal anliegt und abdichtet. Falls nicht, wird nachgebessert, falls doch, wird eine Fräse in den Kanal geschoben, die vom Inliner überdeckte Hausabwasserrohre wieder freilegt.

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