Reiterswiesen

Wie Reiterswiesen trotz Corona das Zwiebelplootz-Fest feiert

Die Feuerwehr macht's möglich: Die heiße Köstlichkeit wurde per Plootz-Kuriere ausgeliefert
1Der 'Dorfbäcker' Hubert Warmuth und seine Helfer . Foto: Werner Vogel       -  1Der 'Dorfbäcker' Hubert Warmuth und seine Helfer . Foto: Werner Vogel
1Der "Dorfbäcker" Hubert Warmuth und seine Helfer . Foto: Werner Vogel

Die Reiterswiesener Feuerwehr hält trotz Corona an einer langen Tradition fest. Das Zwiebelplootzfest konnte zwar nicht stattfinden, aber die Floriansjünger hatten eine Idee.

Rund, frisch aus dem Ofen und noch warm. Dick belegt mit gedämpften, gehackten Zwiebeln, kleinen Schinkenwürfeln und viel Kümmel . Ein paar Brandblasen am Boden gehören dazu und auch ein wenig Aschenstaub am Rand: selbst gebackener Zwiebelplootz ist eine Köstlichkeit , die die "gute alte Zeit" ins Dorf zurückholt. Aber obwohl die alten Rechte noch gelten und der Ofen im Alten Rathaus von Reiterswiesen voll funktionstüchtig ist, schürt schon seit einigen Jahren keine Familie den Dorfbackofen mehr. Zu aufwändig die Mühen: Reisig machen, lagern, anfahren, den Teig zubereiten, lange mit der Hand kneten und über Nacht ruhen lassen, dann morgens anfeuern, die Asche aus dem Ofen fegen, backen in Gluthitze, mit dem langen Fladenbrett das Brot herausholen, mit dem Schubkarren nach Hause bringen. So war's einmal, bis auch die letzte Familie das Selberbacken aufgab.

Der Dorfbackofen lebt

Der Heimatverein sorgt sich seit Gründung 1984 um das "Alte Rathaus" von 1703, nutzt den Backofen aber auch nur alle zwei Jahre beim Dorffest . Die Feuerwehr aber hält die Backtradition noch aufrecht, veranstaltet alle Jahre das überaus beliebte Zwiebelplootzfest. Der Backofen wird im Schmuckstück in der Dorfmitte angefeuert, gefeiert wird wenige Schritte entfernt im Feuerwehrgarten. Was aber tun, wenn Corona alle Festlichkeiten und das Zusammenkommen von Menschen verhindert? Auf die Frage, wie lange es das Fest schon gibt, scherzt Kommandant Bernd Ort: "Gefühlt schon immer"! Und das muss jetzt wegen der Pandemie ausfallen? Das können wir den "Reitschwiesern" doch nicht antun, wird im Vorstand der Feuerwehr diskutiert, und die Macher um 2. Kommandant Tobias Dittrich finden tatsächlich eine Lösung.

Kein Fest, aber Plootz

Ein Fest geht halt nicht, aber wenn wir die Corona Regeln einhalten, könnten wir den Plootz doch zu den Leuten nach Hause bringen? Also wird die Organisationsmaschine angeworfen, Werbung gemacht und was zu erwarten war, tritt tatsächlich ein. Es werden fast 250 Plootze geordert. Viel mehr sind gar nicht zu schaffen. Den Teig stellt die Reiterswiesener Bäckerei her, persönlich vom Chef Johannes Schmitt noch im Dorfbackofen überwacht. Die Helferinnen, die im Pfarrheim mit Mundschutz und Abstand den Teig belegen, sind voll ausgelastet und liefern den ganzen Nachmittag die Teile über die Straße zu Hubert Warmuth, der in der heißen Backstube den perfekten Dorfbäcker gibt und die Köstlichkeiten zur richtigen Zeit von den heißen Steinen zieht, während draußen unterm Pavillon die Helfer warten um den Plootz in Pizzakartons zu schichten. Die werden den wartenden "Plootzkurieren" ausgehändigt, die auf festgelegten Routen umgehend zu ihren Kunden fahren. Und wenn auch nicht alle Kunden aus alle aus Reiterswiesen sind, warm kommen alle an.

Fast vierzig Helferinnen und Helfer, aus Jugend, der Damenriege und den Aktiven sind beschäftigt, den Corona-geschädigten Feinschmeckern die Leckerei noch warm zu liefern. Fast so viele wie bei einem Großbrand , meinen die Verantwortlichen. Hubert Warmuth hat indes die Wärmebildkamera angefordert, damit der betagte Schornstein nicht etwa überfordert ist. Aber alles im grünen Bereich, zeigt das Gerät an. Also, nächste Schicht in den Backofen.

Am Ende des Tages sind alle zufrieden. Es hat tatsächlich geklappt, die vielen positiven Rückmeldungen sind Bestätigung für die Feuerwehr mit ihrer kreativen Idee, ein Stück Tradition zu wahren. Reiterswiesen hat seinen Zwiebelplootz und der schmeckt auch zuhause, aus der Hand auf dem Sofa. Zumal - der Service ist perfekt - auch noch eine Flasche fränkisches Bier überreicht wird!

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