Motten

Wie wird sich der Wald auf der Mottener Haube entwickeln?

Klimawandel: Fast 100 Buchen sind gefällt worden. In der Kernzone bleiben die Stämme liegen.
Das ist der Anblick vom Mottener Aussichtsturm nach der Fällaktion - die 160 Jahre alten Buchenstämme werden in der hessischen Kernfläche liegengelassen. Foto: Stephanie Elm
Das ist der Anblick vom Mottener Aussichtsturm nach der Fällaktion - die 160 Jahre alten Buchenstämme werden in der hessischen Kernfläche liegengelassen. Foto: Stephanie Elm

Der Wanderweg zur Mottener Haube ist wieder freigegeben. Er führt zunächst auf Schotterwegen entlang, links und rechts stehen in doch noch recht sattem Grün Fichten, Kiefern und Buchen. Die Nadeln und das Laub tauchen die Wanderer in eine waldtypische schattige Welt. An einer Kreuzung biegt Philipp Bausch, stellvertretender Forstbetriebsleiter, rechts ab. Der Weg wird holpriger, mit zunehmender Höhe wird die Welt heller, lichter, kahler. Hier sind fast 100 Buchen gefällt worden. Die Stämme liegen in sicherem Abstand neben dem Weg, sie werden auch nicht mehr abtransportiert. Schon auf halber Strecke bergauf kann man den Mottener Aussichtstum in seiner ganzen Größe sehen, auch von Kothen aus soll er sichtbar sein - eine Aussicht, auf die Philipp Bausch zugunsten der alten Buchenbestände gerne verzichtet hätte.

Die Fällaktion war vom Forstamt Fulda organisiert worden. Laut Plan sollten auf hessischer Seite 150, auf bayerischer Seite 50 Buchen gefällt werden. Letztendlich fielen in Bayern 32 Bäume der Trockenheit von 2018 und 2019 zum Opfer, in Hessen vermutlich doppelt so viele, schätzt Philipp Bausch. Per Harvester wurden die Bäume gefällt, eine herkömmliche manuelle Fällung mit Motorsäge und Keil wäre für die Waldarbeiter zu gefährlich gewesen. Vibrationen hätten trockene Äste lösen und auf die Arbeiter fallen lassen können.

Einen wirtschaftlichen Nutzen wird es von dem Holz nicht geben. In Hessen liegt direkt an der Mottener Haube eine "Kernfläche Naturschutz". "Hier bleibt der Wald künftig sich selbst überlassen" ist auf einer Infotafel zu lesen. Die Baumstämme dienen Kleinstlebewesen wie Insekten oder Pilzen als Lebensgrundlage. Genauso in Bayern. Hier wird das Waldareal neben dem Aussichtsturm schon seit Jahren unberührt gelassen - aus "naturschutzfachlichen Gründen", erklärt Judith Kefer. Die Forstamtsstudentin absolviert seit September ein Praktikum im Forstbetrieb Bad Brückenau. Verliefe nicht direkt neben besagtem Waldstück ein Wanderweg, hätte man alle abgestorbenen Buchen stehen lassen. Für Bausch ist "stehendes Totholz wertvoller als liegendes". Doch hier mussten die Forstämter nun ihrer erhöhten Verkehrssicherungspflicht nachkommen und die 160 Jahre alten Bäume entlang des Wanderwegs fällen. In weiterer Entfernung zu ihm bleiben die toten Buchen stehen. Ein Blick auf einen Baumstumpf zeigt: Sie litten auf Grund ihres Altes unter Weißfäule, einem Pilzbefall. Das Holz wird weich und instabil, es ist für die Weiterverarbeitung nicht geeignet und daher kaum verkäuflich.

Obwohl Philipp Bausch die Bedrohung der Buchen vorausgesagt hatte, blutet ihm nun trotzdem das Herz. Durch den Basaltuntergrund gut mit Nährstoffen versorgt, konnte sich der Buchenbestand jahrhundertelang entwickeln. Doch hoch oben auf der Mottener Haube haben die Wurzeln nur wenige Zentimeter Erdboden, der Feuchtigkeit speichern könnte, wenn sie denn da wäre. Entweder führt die Trockenheit dieses und vergangenen Jahres direkt zum Absterben, oder schwächt die Bäume , so dass sie Krankheiten und Pilzbefall nicht mehr abwehren können.

Obwohl die alten Bäume nicht mehr stehen, geht die Naturverjüngung weiter. "Es ist ja nicht gar kein Wald mehr da, der Nachwuchs kommt schon", sagt Bausch und deutet auf stehengelassene jüngere Buchen. Im Unterholz verbergen sich zudem noch eine immense Anzahl an Buchensamen - die genetische Vielfalt ist vorhanden. Vielleicht, so hofft Bausch, werden Buchen wachsen, die dem Klima der Zukunft gewachsen sind.

Die Eichelmast von vergangenem Jahr dient den Bayerischen Staatsforsten zudem für ein Experiment. Man muss ausprobieren, welche Baumarten zukunftsfähig sind. Viel bleibt auch Philipp Bausch nicht übrig: "Beobachten, zuschauen und hoffen, dass der Wald für die Nachkommen gut aufgestellt ist". Bei geschätzten 140 Jahren, bis die nächste Buchengeneration gefällt werden kann, "trägt man selbst nicht die Konsequenzen seines Tuns", so Bausch. Ziel sind mindestens vier verschiedene Baumarten im Wald - irgendeine Art wird hoffentlich das zukünftige Rhöner Landschaftsbild prägen.

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