Wildflecken

Wildflecken: Beste Aussichten für Schwarzstorch und Kammmolch

Die artenreiche Natur auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken ist kein Zufall. Wichtige Maßnahmen zu deren Erhalt sind nun auf viele Jahre festgeschrieben.
Zu den Bewohnern auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken gehört auch der Schwarzstorch.
Foto: Hubert Müller | Zu den Bewohnern auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken gehört auch der Schwarzstorch.

Wer schon mal einen Schwarzstorch über dem Truppenübungsplatz Wildflecken kreisen sah oder einen Kammmolch beim Eintauchen in eines der vielen Kleingewässer beobachtete, der weiß worum es geht: Diese Natur ist erhaltenswert. 

Doch das geht nur mit angemessener Unterstützung. Deshalb haben Bundesforstbetrieb Reußenberg und das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der  Bundeswehr (Bonn) gemeinsam einen Managementplan für den bayerischen Teil des Geländes erstellt. Er umschreibt neben einer umfassenden Analyse der Lebensräume auch die künftige Entwicklung. Festgelegt sind Vorhaben, mit denen der Bundesforstbetrieb Reußenberg und das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Hammelburg die Natur schützen. Eng abgestimmt ist das Vorgehen mit der militärischen Nutzung.  

Der Managementplan  gilt bei Experten als Meilenstein bei der Entwicklung des Natura 2000 Gebietes Bayerische Rhön. Von den 19 000 Hektar entfallen 5000 auf Bereiche des Truppenübungsplatzes. Ein Ziel bleibt es, die Natur in dem Sperrgebiet bei den jährlichen Wandertagen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.  

  Egon Schleyer vom Bundesforstbetrieb Reußenberg kommt ins Schwärmen, wenn er von der Artenvielfalt auf dem Platz redet. Er leitete die Erstellung des Managementplanes. Dafür wurden rund 7000 Einzelflächen untersucht und sinnvolle Eingriffe festlegt. Das Arbeitspensum sei  groß: "Im Schnitt gibt es drei bis vier Maßnahmen je Fläche", weiß Schleyer. Der Plan zeigt aber auch auf, wo die Natur mal ganz in Ruhe gelassen werden soll. 

Geleistet wird die Pflege von Mitarbeitern des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums oder Landwirten. Die Liste der geschützten Lebensräume ist lang. Schleyer nennt Beispiele aus einer langen Liste. Darunter seltene  Hainsimsenbuchenwälder (744 Hektar) oder Waltermeister-Buchenwälder (507 Hektar) , die in ihrer lebensraumprägenden Zusammensetzung erhalten bleiben. Edelbaumarten, wie Bergahorn und Esche runden diese Bestände ab.

Schießbetrieb formt Höhlenbäume

Eine Besonderheit auf dem Truppenübungsplatz ist das Totholz, dass nicht entfernt wird. Durch den Schießbetrieb auf dem Platz entstehen durch verirrte Geschosse Höhlen- und Horstbäume, in denen verschiedene Spechtarten, Raufußkäuze und Fledermäuse wohlfühlen.

Bedeutsam sind auch bachbegleitende Auenwälder (40 Hektar) mit Erlen und Eschen, aus denen allenfalls Fichten entnommen werden. Hier fühlen sich unter anderem Eisvögel wohl. Für Schwarzstorchpaare sind ebenfalls Horstschutzzonen eingerichtet.

Freigestellte Schutthalden sind ein wichtiges Landschaftsmerkmal auf dem Truppenübungsplatz Wildfelcken.
Foto: Egon Schleyer | Freigestellte Schutthalden sind ein wichtiges Landschaftsmerkmal auf dem Truppenübungsplatz Wildfelcken.

Verzichtet wird auf die Holznutzung ebenso in vorhandenen Schluchtenwäldern. Das Besondere an ihnen ist, das hier häufiger Steine die steilen Hänge hinunter rollen. Damit kommen Ahorn, Esche und Ulme besonders gut zurecht. Dann gibt es noch Steinschutthalden, die Forstleute von Bäumen freischlagen. Dort entwickelt sich eine trockenheitsresistente Vegetation, in der sich Reptilien besonders wohlfühlen. Auch als schützenswert eingestuft sind seltene Übergangs- und Schwingrasenmoore, in denen sich  Moose wohlfühlen.  Für größere Kammmolch-Vorkommen werden Gewässer ausgebaggert oder neu angelegt.

Wertvoll sind auch die weiten Freiflächen. Alleine 120 Hektar davon werden als Flachlandmähwiesen durch Landwirte zweimal jährlich termingerecht gemäht, um die Ausbreitung des Wiesenknopf-Ameisenbläulings zu begünstigen. Diesen Schmetterling gibt es nicht mehr so oft. "Im Prinzip sind wir ein Landschaftsmuseum", sagt Schleyer angesichts der  Tatsache, dass die Flächen seit Beginn der militärischen Nutzung vor rund 85 Jahren nicht mehr gedüngt worden sind.

Überreichung verschoben

Seit März nun gilt der Managementplan. Wegen der Corona-Krise war die Übergabe an den Freistaat über ein halbes Jahr verschoben worden. Kürzlich kam Udo Hofmann als Leiter des Referats Landschaftspflege  vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistung der Bundeswehr aus Bonn angereist, um das Werk an Matthias Berg von der höheren Naturschutzbehörde der Regierung von Unterfranken zu überreichen. "Das Projekt für den Truppenübungsplatz Wildflecken hat sich zwar über Jahre hingezogen, aber bei solch großen Projekten bleibt es nicht aus, dass organisatorische, strukturelle und personelle Veränderungen zu einer Verlängerung des Projektes führen“, merkte er an. Der Bund habe damit einen wichtigen Beitrag für das EU-weite Schutzgebietsnetz Natura 2000 geleistet.

Egon Schleyer vom Bundesforstbetrieb Reußenberg bedankte sich für die gute Zusammenarbeit der beteiligten Stellen. „Das habe ich in der Form bundesweit noch nicht erlebt. Das ist aber die Grundvoraussetzung, dass die militärischen Anforderungen mit den naturschutzfachlichen Zielen abgewogen und Zielkonflikte aufgelöst werden können“, lobte er.

Übergabe des Natura 2000 Managementplans für den Truppenübungsplatz Wildflecken an den Freistaat Bayern. Von links: Udo Hoffmann (Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen),  Matthias Berg (Regierung von Unterfranken), Kai Schulze (Kommandant des Truppenübungsplatzes), Egon Schleyer (Bundesforstbetrieb Reußenberg) und Kai Olvermann (Amt für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung Würzburg).
Foto: Christian Hahn | Übergabe des Natura 2000 Managementplans für den Truppenübungsplatz Wildflecken an den Freistaat Bayern. Von links: Udo Hoffmann (Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen),  Matthias Berg ...

Maßgeblich ist auch Oberstleutnant Kai Schulze dabei: Er hat die Aufgabe, die Munitionsbelastung auf dem Truppenübungsplatz zu zu bewerten und eventuell zu beräumen. So wurde 2020 bereits eine Fläche von mehr als 40 Hektar beräumt, „das ist mehr als die Summe der letzten zwanzig Jahre!", berichtet er. Damit wurden wertvoller Lebensraum für die Pflege und Flächen für die militärische Nutzung gewonnen.

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