Wildflecken

Wildflecken mit blauem Auge davongekommen

Die finanzielle Lage der Marktgemeinde Wildflecken hat sich zwar deutlich stabilisiert, aber es steht zum Beispiel mit der Lösung für die Abwasserfrage ein millionenschweres Projekt bevor.
Der  Haushaltsplan für die Marktgemeinde Wildflecken wurde vorgestellt. Eine neue Kreditaufnahme ist im Jahr 2020 zum aktuellen Stand nicht geplant.  Symbolbild: Tobias Hase/dpa       -  Der  Haushaltsplan für die Marktgemeinde Wildflecken wurde vorgestellt. Eine neue Kreditaufnahme ist im Jahr 2020 zum aktuellen Stand nicht geplant.  Symbolbild: Tobias Hase/dpa
| Der Haushaltsplan für die Marktgemeinde Wildflecken wurde vorgestellt. Eine neue Kreditaufnahme ist im Jahr 2020 zum aktuellen Stand nicht geplant. Symbolbild: Tobias Hase/dpa

Zum ersten Mal in ihrer beruflichen Laufbahn stellten Katharina Wirsing und Daniel Kleinheinz gemeinsam den Haushaltsplan für die Marktgemeinde Wildflecken vor. Der Verwaltungshaushalt, der im Wesentlichen die laufenden, täglichen Einnahmen und Ausgaben der Kommune umfasst, beläuft sich heuer auf rund 6,5 Millionen Euro. Auf den Vermögenshaushalt, der für Investitionen , Baumaßnahmen oder auch Schuldentilgung der Gemeinde genutzt wird, entfallen rund 2,5 Millionen Euro. Eine neue Kreditaufnahme ist im Jahr 2020 zum aktuellen Stand nicht geplant. Mit rund 440.000 Euro fällt die Tilgungsleistung deutlich höher aus als im Vorjahr, sodass die Verschuldung in diesem Jahr voraussichtlich erheblich sinken wird. Am Jahresende soll sich der Schuldenstand auf rund 3,9 Millionen Euro reduziert haben, was dann einer Pro-Kopf-Verschuldung von 1343 Euro entspricht. Mit dieser Kennzahl liegt die Marktgemeinde aber immer noch recht deutlich über dem Doppelten des Landesdurchschnitts (606 Euro).

Weitere Reduzierung der Schulden erhofft

Im Jahr 2021 erhofft sich Daniel Kleinheinz eine weitere Reduzierung der Schulden, wenn mit der Auszahlung der restlichen Fördermittel für die Sanierung der Schule eine Tilgung von 800.000 Euro erfolgen soll. Nur durch eine sparsame Haushaltsführung und durch Verschieben von Investitionen sei es im zurückliegenden Jahr 2019 überhaupt möglich gewesen, einen ausgeglichenen und damit genehmigungsfähigen Haushaltsplan aufzustellen. Im Haushaltsjahr 2020 verfügt der Markt Wildflecken über eine freie Finanzspanne von 541.600 Euro, was Kleinheinz als positives Signal wertete. Dieses Ergebnis könne sich allerdings verschlechtern, sollten für 2018 nachträglich noch höhere Gewerbesteuerrückforderungen auftreten oder für dieses Jahr die Steuereinnahmen unter die ohnehin schon stark reduzierten Ansätze sinken. "Wir müssen abwarten, welche Auswirkungen Corona auf die Steuerkraft haben wird, das ist noch nicht abzusehen", so Kleinheinz.

Oberen Kapellenweg voll erschließen

Dass Wildflecken schon lange nicht mehr finanziell auf Rosen gebettet ist, lässt sich an der Rangliste der Umlagekraft je Einwohner im Landkreis Bad Kissingen festmachen. Die Marktgemeinde rutscht mit eigener Umlagekraft von 946 Euro pro Einwohner auf den 22. Platz ab. Zum Vergleich: Die seit Jahren wirtschaftlich florierende Gemeinde Oberleichtersbach kommt auf eine Umlagekraft von 2258 Euro pro Einwohner und landet damit allerdings auch unangefochten auf dem ersten Platz der Landkreis-Rangliste. Selbst die große Kreisstadt Bad Kissingen kann von solchen Werten derzeit nur träumen.Und dennoch will der Markt Wildflecken weiterhin kommunalpolitische Akzente setzen: Im kommenden Jahr soll der obere Kapellenweg in Wildflecken voll erschlossen werden, um dadurch neue Baugrundstücke anbieten zu können. Spätestens ab August 2021 sollen die dadurch entstehenden zusätzlichen Bauplätze vollständig verkauft werden. "Das ist auch notwendig, weil es in der Region eine stetige Nachfrage nach neuen Baugrundstücken gibt", erläuterte Kleinheinz.

Der Geschäftsleiter der Verwaltung machte auch darauf aufmerksam, dass in den kommenden Jahren die Lösung der Wildfleckener Abwasserfrage "Millionen Euro kosten wird". Aus diesem Grund müsse die Gemeinde versuchen, neue Rücklagen zu bilden, damit die notwendigen Projekte zum Erhalt der Infrastruktur angegangen werden können. Zwar ist der Bau einer neuen Kläranlage längst noch nicht beschlossen, aber eine Modernisierung der Abwasserentsorgung werde in jedem Fall erhebliche Investitionskosten mit sich bringen, egal wie die Lösung technisch eines Tages umgesetzt wird. Hebesätze für Grundsteuer und Gewerbesteuer will die Gemeinde aktuell nicht antasten. Im Jahr 2017 hatte die Kommune die Hebesätze anheben müssen, um die finanzielle Lage stabilisieren und entsprechende Fördermittel als Stabilisierungshilfe beantragen zu können.

Haushalt einstimmig verabschiedet

"Wir sind mit einem blauen Auge aus dem Tal der Tränen herausgekommen", sagte Bürgermeister Gerd Kleinhenz . "Wir müssen aber weiterhin auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Es stehen noch große Projekte bevor. Wir müssen uns immer die Frage stellen, was können wir uns leisten, um die Gemeinde in eine gute Zukunft zu führen", so der Rathauschef. "Ein kompletter Stillstand wäre ein Rückschritt. Das wollen wir nicht." Der Marktgemeinderat stimmte dem Haushaltsplan samt Stellenplan und Festlegung der Steuerhebesätze ohne jegliche Einwände zu. Alle notwendigen Beschlüsse wurden einstimmig gefasst.

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