Bad Kissingen

Wildkatze auch im Kreis heimisch

Bereits drei Exemplare wurden im Raum Bad Kissingen überfahren. Gen-Tests haben bestätigt, dass es sich nicht nur um streunende Hauskatzen handelte. Im Wildpark Klaushof wird Kindern die Bedeutung der Tierart spielerisch vermittelt.
Der Vorfall liegt schon einige Zeit zurück: Im Dezember 2013 ging ein Anruf bei der Bad Kissinger Polizei ein, weil ein totes Tier zwischen Poppenroth und der Abfahrt zum Wildpark Klaushof neben der Bundesstraße lag. "Es ist kein Fuchs, es ist kein Waschbär, aber für eine Katze ist es zu groß", sagte der Anrufer, erinnert sich Polizist Gerold Lumpe, der den Hinweis zufällig entgegennahm. Weil Lumpe selbst Jäger und Jagdsachbearbeiter der Bad Kissinger Polizei ist, war seine Neugier geweckt. Also fuhr er selbst raus und versuchte, das Tier zu identifizieren. Er tippte auf Wildkatze - und bekam vor kurzem Recht, als der DNA-Test nach langer Wartezeit endlich ausgewertet wurde.

Weitere Tiere gesichtet

"Von dem Tier war nicht viel übrig", erinnert sich auch Peter Piel, Fachreferent für Naturschutz und Landschaftspflege beim Landratsamt an den Fall. Von den typischen Merkmalen wie der fleischfarbenen Nase und dem geringelten Schwanz sei nicht viel zu erkennen gewesen. Trotzdem tippte auch er auf eine Wildkatze und entnahm Proben, die ans Senkenberg-Institut geschickt wurden. Weil Proben dort zunächst gesammelt werden, dauerte die Auswertung einige Zeit.

"Jetzt kam das Ergebnis und bestätigte, dass das damals das südlichste gesicherte Vorkommen war", berichtet Gerold Lumpe. Weitere Wildkatzen wurden zwischenzeitlich bei Wittershausen und nördlich der Schwarzen Pfütze überfahren. Für Jäger Gerold Lumpe ist der Fund keine Überraschung: "Ich glaube, dass ich bei mir im Revier Unterebersbach auch schon Wildkatzen gesehen habe", berichtet der Polizist. Und auch Kollegen hätten ihm von ähnlichen Beobachtungen erzählt. "Aber ganz sicher kann man sich eben nur durch den DNA-Test sein", freut er sich über die wissenschaftliche Bestätigung.

"Die Jäger haben kein Problem mit der Wildkatze", stellt Lumpe klar, dass die Rückkehr der Tiere durchaus gerne gesehen ist. Deshalb seien seine Kollegen auch zurückhaltend, wenn es um den Abschuss streunender Hauskatzen geht: Diese dürften, wie auch wildernde Hunde, eigentlich ab 300 Metern außerhalb von geschlossenen Ortschaften abgeschossen werden. Aber: "Wenn man sich nicht sicher ist, bleibt der Finger gerade", stellt Lumpe klar.

Streng geschützte Art

"Die Wildkatze ist streng geschützt", betont Peter Piel. Eine Studie habe zwar ergeben, dass es in der bayerischen und hessischen Rhön zusammen wieder an die 200 Tiere gibt, auf der Roten Liste der bedrohten Tierart steht sie aber immer noch. Piel ist sich nicht sicher, ob die Wildkatze jemals ganz ausgerottet war: "An versteckten Ecken in der Rhön hat sie sich vielleicht noch gehalten, aber es fehlte jeder Nachweis." Piel selbst war an einer Studie beteiligt, in der gezielt mit Lockstoffen nach Wildkatzen gesucht wurde. Ergebnis: 102 Nachweise in der gesamten Rhön.

Bereits in den 1930er Jahren wurde die Wildkatze unter Schutz gestellt. Ab 1984 gab es dann Auswilderungsversuche. "Über die Jahre wurden auch insgesamt 14 Tiere aus dem Wildpark Klaushof ausgewildert", berichtet dessen Leiter Axel Maunz. Die nächste Auswilderungsstation sei im Spessart gewesen, dass die Wildkatze bis in die Rhön gewandert ist, freut ihn: "Die Wildkatze ist hier bei uns wieder etabliert."

Wildkatze nicht zu zähmen

Mit verwilderten Katzen habe das im Übrigen nichts zu tun: "Unsere Hauskatzen stammen nicht von der europäischen Wildkatze ab, die lässt sich nicht zähmen", berichtet Maunz. Hauskatzen seien von afrikanischen Katzen gezüchtet worden, deshalb gebe es auch eine klare genetische Unterscheidung. Zwar komme es auch mal vor, dass sich Haus- und Wildkatzen paaren, aber: "Die Hauskatze passt auch durchaus ins Beuteschema der Wildkatze, wenn sie richtig hungrig ist." Ansonsten ernähre sich die Wildkatze zu 90 Prozent von Mäusen, eine besondere Gefahr für Singvögel sieht er gar nicht.

Außerschulischer Lernort

Der Wildpark Klaushof, die Universität Würzburg und die Schulen im Landkreis Bad Kis singen haben sich zusammengeschlossen, um ein Konzept zum Schutz der Wildkatze zu entwickeln. "Wir müssen nicht nur Wissen über die Tiere vermitteln, sondern die Besucher auch emotional erreichen", ist Maunz wichtig. Nur über die Begeisterung für die imposanten Tiere sei ein dauerhafter Schutz möglich. "Ich kann nur schützen, was ich kenne und schätze", pflichtet ihm Piel bei.

An dieser Idee arbeiten auch Katja Schmidt und Clara Pohlmann mit. Die beiden 24-Jährigen studieren Sonderpädagogik im 8. Semester an der Uni Würzburg. Beide haben Biologie als Haupt-Didaktikfach. "Wir nutzen den Klaushof als außerschulischen Lernort", berichtet Katja Schmidt. Ganz allgemein gehe es um die Begegnung mit der Natur, die Vielfalt und die Artenkenntnis. Im Rahmen einer Promotion wird untersucht, wie dieses Wissen spielerisch und zusammen mit Erfahrungen vermittelt werden kann. Dabei dürfen die Schüler auch vieles selbst ausprobieren: Etwa in einem Sandkasten versuchen, so weit wie eine Wildkatze zu springen und sich zu überlegen, wie weit das übertragen auf ihre eigene Größe und ihr eigenes Gewicht wäre.
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