Poppenlauer

Wildschweine fallen in Felder ein

Talbauer Friedrich Alefeld hat seit Jahren Probleme mit Schwarzwild. Die Tiere kommen teilweise bis in seinen Hof. Vor allem fürchtet er die Afrikanische Schweinepest.
Talbauer Friedrich Alefeld hat Probleme mit Wildschweinen. Tagsüber verstecken sie sich im Wald und fallen nachts in die Felder ein. Thomas Malz
Talbauer Friedrich Alefeld hat Probleme mit Wildschweinen. Tagsüber verstecken sie sich im Wald und fallen nachts in die Felder ein. Thomas Malz

Friedrich Alefeld schaut über ein Weizenfeld, in dem deutlich erkennbar Lücken klaffen. "Das war gestern noch nicht", sagt er. Inzwischen sei das fast normal. Jeden Tag findet er neue Stellen. Im Tal sei es besonders schlimm, weil sich die Tiere tagsüber im Wald aufhalten können und dann nachts die Felder heimsuchen. Der zuständige Jagdpächter ist verständigt, hat bereits neue mobile Hochstände an den Brennpunkten aufgestellt. Wenn erst einmal ein Tier geschossen wird, kommen die anderen nicht so schnell wieder, sagt der Landwirt, der selbst auf die Jagd geht.

Immer wieder gebe es Orte im Landkreis, an denen Wildschweine vermehrt auftreten. "Diese wechseln aber", heißt es aus dem Landratsamt. "In solchen Fällen ist der Jagdpächter zu informieren. Dieser führt z. B. Sammelansitze oder Treibjagden durch." Bereits im letzten Jahr hatte diese Zeitung über massive Schäden durch Wildschweine auf der Münnerstädter Seite des Tals berichtet.

Friedrich Alefeld ist aufgefallen, dass es weniger der Hunger ist, der die Tiere auf seine Felder treibt. "Sie kauen das unreife Korn durch, um an die Feuchtigkeit zu kommen", sagt er. Die anhaltende Trockenheit mache sich eben auch bei den Tieren bemerkbar. Und deshalb gingen sie auch an die Zuckerrüben. Zwar bekomme er den Schaden an den Früchten ersetzt, den Ärger beispielsweise mit zusätzlicher Bodenbearbeitung habe er aber trotzdem.

Früher, so sagt er, war eine geschossene Wildsau etwas Besonderes. Es habe Gegenden gegeben, wo es überhaupt kein Schwarzwild gab. Dementsprechend seien die Preise gewesen. "Vor 25 Jahren hat mein Onkel eine Sau mit 60 Kilo geschossen", sagt er. 600 Mark habe er dafür bekommen. Heute sei Schwarzwild weitaus billiger, weswegen sich die Jagd aus finanzieller Sicht kaum lohne. Dass es heute so viel Schwarzwild gibt, liege hauptsächlich an der Öffnung der innerdeutschen Grenze. Einerseits haben sich die Tier entlang des Grenzzauns auf DDR-Seite ungestört vermehren können, anderseits seien durch den Wegfall der Grenze alte Wege, die die Tiere benutzen, wieder begehbar.

Anhand der Statistik lässt sich der Zuwachs tatsächlich belegen. Waren es im Jahr 1989 im Landkreis Bad Kissingen 816 erlegte Wildschweine, so stieg die Zahl danach dramatisch an. 1993 waren es beispielsweise 2161 Tiere, 2015 4481 Sauen und 2017 sogar 4805 Wildschweine. Allerdings schwanken die Zahlen immer wieder.

Es ist durchaus schon vorgekommen, dass Friedrich Alefelds Hund ein Wildschwein aufgeschreckt hat, das sich in unmittelbarer Nähe zum Hof ein schattiges Plätzchen gesucht hat. Die größte Angst hat er vor dem Ausbrechen einer Seuche wie die Afrikanische Schweinepest . "Je mehr Säue da sind, umso größer ist die Gefahr", ist der Talbauer überzeugt. Und wenn die Schweinepest ausbricht, sei es um seine eigenen Tiere geschehen.

"Als Haupteinschleppungsweg wird momentan fehlerhaftes Verhalten durch den Menschen betrachtet (Verbringen kontaminierter Lebensmittel, Gegenstände oder illegales Verbringen infizierter Tiere)", heißt es dazu aus dem Landratsamt. "Darauf haben wir nur begrenzten Einfluss, es laufen eine Anzahl von Maßnahmen." Das seien beispielsweise Hinweisschilder an Grenzübergangsstellen und Autobahnraststätten.

Das Friedrich-Löffler-Institut veröffentlicht auf seiner Homepage regelmäßig eine Risikoeinschätzung zur Tierseuchengefahr. In der letzten heißt es: "Das Risiko des Eintrags von ASP nach Deutschland durch illegale Verbringung und Entsorgung von kontaminiertem Material wird als hoch eingeschätzt." Das Risiko des Eintrags durch Erzeugnisse aus Schweinefleisch, die von infizierten Tieren stammen oder kontaminiert sind, entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen wird im Sinne eines "worst case scenario" ebenfalls als hoch bewertet.

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