Bad Bocklet

Zeitzeugen erzählen: Sie kamen kurz vor Kriegsende

Neue Gedenktafeln zur Erinnerung an den Kampf um Steinach werden am Sonntag, 25. September, im Pfarrhof übergeben. Was damals geschah: Zeitzeugen erinnern sich an die schlimmen Tage.
An der Bergkapelle und im Pfarrhof stehen jeweils vier neue Kriegsinformationstafeln.       -  An der Bergkapelle und im Pfarrhof stehen jeweils vier neue Kriegsinformationstafeln.
Foto: Sigismund von Dobschütz | An der Bergkapelle und im Pfarrhof stehen jeweils vier neue Kriegsinformationstafeln.

Schon seit 2009 gibt es an der Steinacher Wanderschutzhütte vier Gedenktafeln zur Erinnerung an das Kriegsgeschehen während der drei Kampftage vom 6. bis 8. April 1945. Bald kam der Gedanke auf, auch an besser zugänglichen Stellen im Ort weitere Informationstafeln über den Einmarsch amerikanischer Soldaten kurz vor Kriegsende aufzustellen. Dies ist jetzt im Pfarrhof und an der Kriegsgedenkstätte der Bergkapelle geschehen. Zur Präsentation und offiziellen Übergabe der jeweils vier Informationstafeln an die Einwohnerschaft lädt der Heimatverein Steinach am Sonntag, 25. September, um 14 Uhr in den Pfarrhof ein.

"Uns war es wichtig, solche Informationstafeln für betagte Mitbewohner auch im Ortszentrum und, weil sie auch dort hingehören, an der Kriegsgedenkstätte bei der Bergkapelle aufzustellen", erklärt dazu Vereinsvorsitzender Andreas Alles. Jetzt sei dieses spannende Projekt in vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit und mit finanzieller Unterstützung aus dem Regionalbudget der kommunalen Allianz endlich abgeschlossen.

28 Zeitzeugen erzählen

Das mühevolle Zusammentragen der vielen, auch in Einzelheiten gehenden Informationen ist vor allem dem früheren Heimatvereinsvorsitzenden Frank Schmitt zu verdanken. Angefangen bei seiner eigenen Großmutter befragte er in den vergangenen Jahren insgesamt 28 Zeitzeugen im damaligen Alter zwischen sieben und 17 Jahren, die die drei Kampftage im April 1945 - also genau einen Monat vor Kriegsende - in Steinach bewusst miterlebt haben. Schmitt: "Manche der älteren Jungen hatten schon ihren Einberufungsbescheid, mussten aber zum Glück nicht mehr kämpfen."

Zu den ältesten Befragten gehört Eleonore Freibott, damals 17 Jahre alt. Aus Angst vor den Amerikanern hatte sie sich mit der Mutter im Wald versteckt. "Als wir am Sonntag ins Dorf zurückkamen, war unser gesamtes Anwesen abgebrannt", wird sie auf der Informationstafel mit Foto zitiert. "Es war im Dorf ja fast alles kaputt. ... Aber zum Jammern war vor lauter Arbeit keine Zeit."

Der jüngste Zeitzeuge war der damals erst siebenjährige Alfred Balling. Er erinnert sich genau an die sich nähernde Front: "Unsere Lehrerin erzählte uns damals in der Schule, es handele sich nur um Schießübungen der deutschen Truppen." Als nach dem Einmarsch der Amerikaner sein Vater mit den Parteigenossen verhaftet, bald aber wieder freigelassen wurde, hörte er den US-Offizier zum Vater sagen: "Gehen Sie heim und vergessen Sie Ihren Führer." Der damals elfjährige Ludwig Schmitt erinnert sich an die Beschießung des Quästenbergs durch die US-Soldaten : "Wir Buben sind am nächsten Tag hinauf in den Wald gelaufen und haben die jungen Kerle in ihren Löchern gesehen. Überall lagen tote Pferde. Rauch und Gestank erfüllten die Luft." Diese und andere Erinnerungen der 28 Zeitzeugen, in kurzen Sätzen wiedergegeben, kann man auf einer der vier jeweils 1,40 Meter breiten und 1,20 Meter hohen Informationstafeln nachlesen. Eine andere Tafel informiert mit ergänzenden Karten und Fotos über das dreitägige Kampfgeschehen, eine weitere zeigt dessen chronologischen Ablauf mit Daten und Fakten. Die vierte Tafel liefert die historischen Hintergründe zum Zweiten Weltkrieg und wie es zum Kampf um Steinach kam.

Nur fünf der 28 befragten Zeitzeugen leben noch. Sie wurden vom Heimatverein zum Festakt am Sonntag eingeladen und werden sicher noch viel mehr aus jenen Tagen erzählen können. "Am Sonntag dürfen sich die Besucher auf eine kurzweilige, aber spannende und interessante Präsentation der Kriegsinformationstafeln freuen", verspricht Vereinsvorsitzender Alles. Jeder sei willkommen zu Kaffee und Kuchen, hausgemachten Bratwürsten, Zwiebelplootz und Federweißen.

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