Bad Kissingen

Zu 14 Monaten verurteilt

Obwohl ihm eigenständige Geschäfte untersagt waren, machte ein 30-jähriger Gaststättenbetreiber weiter. Er wollte seine Sushi-Bars retten.
Wegen Bankrotts in Tateinheit mit Betrug in 92 Fällen verurteilte ein Schöffengericht am Würzburger Amtsgericht einen 30-jährigen zweifachen Gaststätteninhaber jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.  Symbolfoto: Oliver Berg       -  Wegen Bankrotts in Tateinheit mit Betrug in 92 Fällen verurteilte ein Schöffengericht am Würzburger Amtsgericht einen 30-jährigen zweifachen Gaststätteninhaber jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten.  Symbolfoto: Oliver Berg
| Wegen Bankrotts in Tateinheit mit Betrug in 92 Fällen verurteilte ein Schöffengericht am Würzburger Amtsgericht einen 30-jährigen zweifachen Gaststätteninhaber jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei ...

Seine Motive klingen nachvollziehbar. Klug und rechtskonform war der Versuch des Inhabers zweier Gaststätten in Main-Spessart und Bad Kissingen , den Betrieb vor der Pleite zu retten, jedoch nicht. Wegen Bankrotts in Tateinheit mit Betrug in 92 Fällen verurteilte ein Schöffengericht am Würzburger Amtsgericht den 30-Jährigen jetzt zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Obwohl schon im Dezember 2019 ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt war, hatte der Gastronom die Geschäfte noch bis zum 16. März, dem Tag des Lockdowns, fortgeführt. Die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss er 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten. Die Beteiligten verzichteten auf weitere Rechtsmittel. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Verbindlichkeiten aufgelaufen

Das Insolvenzverfahren für die beiden Sushi-Bars wurde im Juni 2020 eingeleitet. Die bisher gemeldeten Verbindlichkeiten belaufen sich auf 290 000 Euro. Im Sommer 2017 hatte der 30-Jährige eine Gaststätte von den vorherigen Inhabern übernommen. Offensichtlich liefen auch deren Geschäfte nicht mehr besonders. In der Gaststätte hatte der ungelernte junge Mann sich zuvor als Tellerwäscher, Koch und Service-Mitarbeiter nach oben gearbeitet. Es gelang ihm, den Betrieb ein Jahr lang erfolgreich zu führen.

Schon Ende 2018 gründete er eine Filiale in Bad Kissingen . Doch spätestens Anfang 2019 gab es Schwierigkeiten. Der Wirt zahlte die Sozialversicherungsbeiträge und die Lohnsteuer nicht. Ende 2019 stellten zwei Krankenkassen wegen der ausstehenden Beiträge Insolvenzantrag . Bis zum Jahresende beliefen sich die Verbindlichkeiten auf 24 000 Euro.

Das Amtsgericht setzte einen vorläufigen Insolvenzverwalter ein. Seit Jahresende 2019 sind dem 30-Jährigen eigenständige Geschäfte untersagt. Doch er machte weiter: Bis zum 16. März 2020 wendete er 154 000 Euro auf, um damit vor allem die Lieferanten, aber auch die Mitarbeiter , die Miete und den Energieversorger zu bezahlen. "Es hat nur der Geld bekommen, der auch vor Ort war und Geld gefordert hat", beschreibt der damals vom Amtsgericht eingesetzte vorläufige Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Matthias Birn die Situation. "Gezahlt wurde immer das, was zum weiteren Betrieb unbedingt nötig war." Für den Verwalter war es zudem schwierig, an die Unterlagen zu kommen.

"Sicher, ich schaffe das selber"

Erst mit der Drohung des Bad Kissinger Gewerbeamts, ihn als "unzuverlässig" einzustufen und damit das Gewerbe zu entziehen, bekam der Verwalter vom Beklagten die Kassenbücher ausgehändigt. Doch auch die dort Anfang März aufgeführten 19 000 Euro, gedacht als Grundstock für das Insolvenzkonto, gab der Gastronom für den Betrieb aus. Er habe auf Weihnachten und die Wintermonate gehofft und die Schulden abbezahlen wollen, erklärte der 30-Jährige. "Ich war mir sicher, ich schaffe das selber." Er habe sich nicht bereichern, sondern den Betrieb, seine Arbeit und die der Mitarbeiter retten wollen.

Für die Lieferanten hat dies Folgen: Da die Zahlungen unter dem nicht eingeholten Einwilligungsvorbehalt des Insolvenzverwalters standen, sind sie rechtlich unwirksam. Den entstandenen Verlust können die Lieferanten bei dem 30-Jährigen als Schadensersatz einklagen. Der zum Tatzeitpunkt nicht vorbestrafte , zweifache Familienvater ist aber weitgehend mittellos.

War er naiv, waren es fehlende Kenntnisse oder wurde er schlecht beraten? Diese Vermutung wurde vor Gericht geäußert. Insolvenzverwalter Birn beschrieb ihn als "nett", aber auch als "betriebswirtschaftlich unerfahren". Er habe den Eindruck, dass er "fremdbestimmt" gehandelt und nur als "Galionsfigur" an der Spitze des Betriebs gestanden habe. Die Sushi-Bar des 30-Jährigen war früher Teil einer Kette, die eine Familie in wenigen Jahren im Landkreis Main-Spessart aufgebaut hatte. Nach mehreren Insolvenzverfahren musste sie die einzelnen Gaststätten an neue Betreiber abgeben. ca

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