Züntersbach

Züntersbach behält seine Schule

Für die Eltern war es ein Schock. Als im vergangenen Jahr bekannt wurde, dass die Grundschule in Züntersbach geschlossen werden soll, zogen sie vors Rathaus. Im Herbst präsentierte ein Mediator Vorschläge, wie es für die Dorfschule weitergehen kann. Nun hat das Kultusministerium entschieden.
Als Viertklässler gehört Besmir (links) schon zu den 'Großen'. Er erklärt Vivian und Ben, beide in der 2. Klasse, wie die Rechentafel funktioniert. Fotos: Ulrike Müller       -  Als Viertklässler gehört Besmir (links) schon zu den 'Großen'. Er erklärt Vivian und Ben, beide in der 2. Klasse, wie die Rechentafel funktioniert. Fotos: Ulrike Müller
| Als Viertklässler gehört Besmir (links) schon zu den "Großen". Er erklärt Vivian und Ben, beide in der 2. Klasse, wie die Rechentafel funktioniert. Fotos: Ulrike Müller
Was von außen wie ein schmuckes Wohnhaus aussieht, ist innen eine Schule. Eine Dorfschule. 19 Schüler besuchen den Unterricht, sie sind tischeweise nach Klassen geordnet. Hinten im Klassenzimmer hängen sie noch, die Plakate vom vergangenen Jahr. "Unsere Zwergenschule soll bleiben", steht darauf. Oder: "Kurze Beine, kurzer Weg." An einem dieser Plakate hat Besmir mitgemalt. "Ich kenn's ja nicht anders", sagt der Viertklässler.

Was sich andernorts wie eine Idealvorstellung anhört, ist in Züntersbach noch Realität. Besmir und sein jüngerer Bruder lernen gemeinsam in einem Raum. Auch Ben, er geht in die zweite Klasse, sitzt mit ihnen auf der Schulbank. Sein kleiner Bruder geht gleich gegenüber in den Kindergarten "Kleine Riesen". Kurze Beine, kurze Wege. Doch diese Idylle stand auf der Kippe. Denn die Dorfschule sollte geschlossen werden.

Eltern gehen auf die Barrikaden

Lange haben die Eltern gekämpft, um die Schließung abzuwenden. 450 Unterschriften - bei gerade einmal rund 670 Einwohnern - sammelte der Elternbeirat um Vorsitzende Sabine Hergenröther. Sogar ein Mediator wurde eingeschaltet (siehe unten).

Im Dezember verabschiedete der Kreistag einen abgemilderten Entwurf des Schulentwicklungsplans. Er sieht die Einrichtung von Verbundschulen vor. Züntersbach sollte zusammen mit Oberzell, Weichersbach, Sannerz, Sterbfritz und Mottgers solch eine Verbundschule bilden. "Seitdem sitzen wir wie auf Kohlen", sagte Hergenröther noch Anfang Oktober. Denn über Monate rührte sich das hessische Kultusministerium nicht. Bis jetzt.

Seit einer Woche steht nun fest: Besmir und Ben dürfen auch weiterhin in ihrem Heimatort in die Schule gehen. Ein halbes Jahr haben die Schulen Zeit, ein Konzept für die Verbundschule vorzulegen. "Jetzt, wo die Entscheidung endlich gefallen ist, können wir loslegen", sagt Schulleiterin Sonja Fey. "Jetzt geht es darum, die Zusammenarbeit konkret zu machen."

Brief der Eltern fand kein Gehör

"Wir Eltern waren eigentlich dafür, den Verbund noch einmal zu teilen", sagt Hergenröther. Sechs Schulen zusammenzufassen erschien den Eltern doch zu gewagt. Schließlich ist die Verbundschule für Lehrer, Schüler und Eltern "komplettes Neuland". Doch ein entsprechender Brief an Kultusministerin Nicola Beer (FDP) fand kein Gehör. Immerhin, "positiv ist, dass es jetzt weitergeht", freut sich Hergenröther dennoch.

Auch für Carsten Ullrich, Bürgermeister der Gemeinde Sinntal (SPD), stellt eine Verbundschule dieser Größe eine Herausforderung dar. Aber: "Jetzt können wir zeigen, dass es noch andere Antworten auf den demografischen Wandel gibt, als alles zusammenzustreichen", sagt Ullrich.

Für Sabine Hergenröther hat sich der Kampf aber nicht nur deshalb gelohnt, weil die Schule jetzt bleit. "Unser Ort ist zusammengerückt." Deshalb hängen die Schilder "Schule mit Herz" auch immer noch am Ortseingang und an der Schule. "Das Bewusstsein für die Wertigkeit einer Schule am Ort ist bei den Leuten gestiegen", freut sich Hergenröther.


Was bisher geschah:

Mai 2012 Kreisschuldezernent Matthias Zach (Grüne) stellt den Schulentwicklungsplan bis 2017 für den Landkreis Main Kinzig vor, der die Schließung kleiner Schulen - darunter die Grundschule Züntersbach - vorsieht. Nach erheblichen Protesten von Eltern und Kommunalpolitikern leitet Landrat Erich Pipa (SPD) ein Mediationsverfahren ein.

August 2012 Insgesamt finden sechs Mediationsrunden an den betroffenen Standorten statt, zwei davon für Züntersbach. Vier Themen stehen im Mittelpunkt: Finanzen und Schülertransport, Demografische Entwicklung, Dorfentwicklung und Bedeutung der Schule sowie pädagogische Aspekte.

November 2012 Mediator und ehemaliger Schulamtsdirektor Eberhardt Luft legt als Ergebnis seiner Arbeit konkrete Vorschläge für die betroffenen Schulen vor. Er schlägt vor, die einzelnen Standorte in Verbundschulen zusammenzuführen.

Dezember 2012 Der Kreistag verabschiedet am 21. Dezember den Schulentwicklungsplan, in den die Vorschläge aus dem Mediationsverfahren eingearbeitet worden sind. Erst im Oktober 2013 stimmt das hessische Kultusministerium dem Plan zu.
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