Speicherz

Zwei Zeitzeugen erinnern sich an schwere Zeiten

Vor 75 Jahren, am 8. Mai, wurde der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell für beendet erklärt.
Otto Werdenitz hat das Ende des Zweiten Weltkriegs im damals ungarischen Karlburg erlebt.  Foto: Stefanie Elm       -  Otto Werdenitz hat das Ende des Zweiten Weltkriegs im damals ungarischen Karlburg erlebt.  Foto: Stefanie Elm
Otto Werdenitz hat das Ende des Zweiten Weltkriegs im damals ungarischen Karlburg erlebt. Foto: Stefanie Elm

Am 8. Mai vor 75 Jahren war die Welt aus den Fugen geraten - der Zweite Weltkrieg brachte Schrecken und Leid und stellt für viele eine einschneidende Zäsur in ihrem Leben dar. Vor 75 Jahren wurde der Zweite Weltkrieg in Europa offiziell für beendet erklärt.

Damit abgeschlossen

Letztendlich konnte auch Otto Werdenitz mit jener Zeit abschließen. Der Speicherzer wurde 1934 in Karlburg geboren. Damals gehörte der Ort zu Ungarn, heute ist es ein Stadtteil von Bratislava in der Slowakei. Otto wohnte mit seinen Eltern im Schloss Karlburg, sein Vater arbeitete dort als Gärtner. Als das Kriegsende ausgerufen wurde, "haben sich etliche Kinder raus ans Tor gestellt. Der erste Russe, der bei uns reinkam, war 16 Jahre alt", erinnert sich Otto Werdenitz. Der Hund des Gutsbesitzers wollte Haus und Hof vor den Eindringlingen schützen und wurde von dem jungen russischen Soldaten auf der Treppe erschossen. Die Plünderungen begannen. "Geschirr, Besteck, Schmuck, was sie wollten, haben sie mitgenommen. Uns Kindern haben sie nichts getan, aber die Älteren ..." Dieser Satz muss nicht beendet werden, um zu wissen, welche Kriegsverbrechen auch nach dem offiziellen Kriegsende noch verübt wurden. Im Gedächtnis geblieben war Otto auch das tagelange Wegbleiben des Vaters: "Er musste die Leichen von den Straßen wegräumen."

Kinder aufgehetzt

Hatten die Deutschstämmigen bislang mit ihren ungarischen Nachbarn in Eintracht gelebt, mussten "wir jetzt aufpassen. Sogar die Kinder wurden gegen uns aufgehetzt". Ein Teil seiner Verwandten durfte in Karlburg bleiben. Ottos Familie jedoch wurde aus dem Land vertrieben. Der heute 85-Jährige vermutet, dass die SS-Zugehörigkeit seines älteren Bruders , der 18-jährig in der Tschechoslowakei gefallen war, ausschlaggebend war.

Anfang 1946 wurde der damals elfjährige Otto mit seinen Eltern , einem Bruder und seiner Schwester sowie mit vielen weiteren Ungarndeutschen in einen von "etlichen Vieh-Waggons" geladen. Die Türen schlossen sich, die Waggons setzten sich langsam in Bewegung und fuhren die ganze Nacht durch. "Keiner wusste, wohin es ging". Als sich die Türen wieder öffneten, waren sie in Nürnberg. Die Heimatvertriebenen wurden nach Süd- und Nordbayern aufgeteilt. Otto und seine Familie landeten in Brückenau. "Manchmal unterhalte ich mich noch mit meiner Schwester über die alte Zeit, aber ansonsten befasse ich mich nicht mehr damit". Otto Werdenitz hat unter die schwere Vergangenheit einen Schlussstrich gezogen.

"Es wurde viel geplündert"

Auch Zeitzeuge Ludwig Heinle aus Platz erinnert sich an diese Tage: "Ich war damals zehn Jahre alt und erinnere mich noch genau daran, dass ein SA-Mann in unsere Stube polterte und meine Mutter fragte, wo mein Vater sei. Es müsse eine 'Panzersperre' gebaut werden, denn der Feind sei schon im Sinngrund. Am Nachmittag des 5. April 1945 kamen die ersten amerikanischen Panzer aus Geroda herauf. Sie wurden sofort vom deutschen Geschützzug beschossen, und die Bevölkerung flüchtete in ihre Keller. Wir schliefen auf Kartoffeln, die wir mit Decken abgedeckt hatten. Die Wehrmachteinheiten zwangen die Bauern mit Pferdefuhrwerken diese zur Verfügung zu stellen und die Kolonnen zu begleiten. Darunter war auch mein Vater. Bis Nordheim vor der Rhön mussten sie marschieren, doch dann gelang ihm die Flucht zurück nach Hause. Es wurde viel geplündert, eine sehr schwere Zeit war das." bld

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