WÜRZBURG

700 Schüler fordern mehr Rechte

Scülerkongress
Bayerischer Schüler Kongress an der Uni am Sanderring Foto: Norbert Schwarzott

Rund 700 Schüler aus ganz Bayern haben sich am vergangenen Wochenende in Würzburg zum Kongress „basis '12“ getroffen, um unter Federführung der Landesschülervereinigung (LSV) politische Forderungen zu erarbeiten. Der Kongress endete mit einer Diskussion, bei der unter anderem Peter Müller, Amtschef des Kultusministeriums, und Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrerverbandes (BLLV), zu Gast waren. Im Anschluss stimmten die Schüler über ihre schriftlichen Forderungen ab.

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Schülerkongress

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Zentraler Kritikpunkt der Schüler: die geringen Mitbestimmungsmöglichkeiten in der Bildungspolitik. Zwar gibt es seit einigen Jahren einen Landesschülerrat – „aber der ist finanziell vom Kultusministerium abhängig“, so Landesschülersprecher Stephan Fritsch. „Wir können nichts umsetzen, was das Kultusministerium nicht will.“ Der Schülerkongress fordert daher eine Reform der Schülervertretungsstruktur und ein höheres Budget für den Schülerrat. Außerdem wollen die Schüler längeres gemeinsames Lernen und mehr finanzielle Unterstützung für sozial Benachteiligte bei Exkursionen und Bücherkauf.

Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen das Kultusministerium. BLLV-Präsident Wenzel sagte: „Partizipation wird bestenfalls toleriert, aber nicht wirklich gewünscht. Es gibt viel zu wenig Möglichkeiten für Schüler, Demokratie zu leben.“ Peter Müller vom Kultusministerium hielt dagegen: „Erst vergangenen Dienstag gab es einen runden Tisch, bei dem wir mit den Schülern über G8 diskutiert haben.“ Doch bei solchen Veranstaltungen, so Schülervertreter Stephan Fritsch, gebe es „zwar nettes Frühstück, aber wenig Teilhabe“.

Möglichkeiten zur Teilhabe für jedermann sollte nun der Kongress bieten. Seit 1998 gibt es „basis '12“, bei dem jeder bayerische Schüler ab zwölf Jahren mitmachen kann. Sechs Mitglieder der LSV haben ein Jahr daran geplant, Workshops organisiert und im Verlauf des Wochenendes auch die Forderungen formuliert. Zentrale Punkte sind neben den genannten Forderungen unter anderem eine praxisorientiertere Lehrerbildung, mehr alternative Schulformen, weniger Frontalunterricht und die Abschaffung von Noten. Bei der Abstimmung sorgten einige der Punkte aber durchaus für Diskussionen unter den Schülern selbst.

„Die Abschaffung der Noten ist überflüssig“, kritisierte etwa einer der Schüler. „Das ist sowieso nicht durchzukriegen.“ Und die Forderung nach kostenfreier Bildung für alle wurde während der Abstimmung gekippt und umgeändert in Unterstützung für sozial Benachteiligte. „Wir waren froh, dass es auch kritisches Feedback gab“, so Lorena Gobin Hernandez vom Orga-Team. „Uns war wichtig, dass alle hinter den Forderungen stehen.“ Obwohl die Landesschülervereinigung (LSV) die Veranstaltung organisiert, seien die Forderungen keine Kopien des LSV-Programms. „Bei der LSV sind wir viel radikaler.“

Doch auch die abgemilderten Forderungen dürfte das Kultusministerium als reichlich radikal empfinden. Was davon wirklich umgesetzt wird, ist daher fraglich. Peter Müller versprach zwar, sich um einen runden Tisch mit Schülervertretern zu bemühen, hielt sich aber darüber hinaus mit Versprechungen zurück. Die Schüler reagierten empört: „Warum können Sie auf nichts Konkretes verweisen, was Sie jemals für die Schüler getan haben?“, fragte einer der Anwesenden unter lautem Applaus. Und eine Schülerin fragte: „Wie können Sie so sicher sein, dass das, was Sie uns diktieren, gut für uns ist? Sie können nicht für Individuen sprechen.“

Am Ende dominierte dennoch der Optimismus. „Ich bin total begeistert“, so Schülerin Christina (17). „Man kann Politikern zwar nicht immer vertrauen, aber ich hoffe, dass etwas umgesetzt wird.“ „Wir wollen eine Schule, die mehr für Schüler ist“, so Schüler Felix (16). Lehrer Jonas Lanig, der den Schülerkongress seit langem unterstützt, lobte das Engagement der Schüler. Und forderte sie auf, nicht nachzugeben: „Wenn die Ideen umgesetzt würden, wäre das in Bayern ein Erdrutsch. Und unser Bildungssystem braucht diesen Erdrutsch. Sorgt dafür, dass sich was ändert, und zwar sofort.“

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