WÜRZBURG

A 3: Rätselhafte Schüsse halten Polizei in Atem

Rätselhafte Schüsse entlang der Autobahn halten die Polizei in Atem: Am Dienstag wurde eine Autofahrerin bei Würzburg verletzt. Eine 20-köpfige Sonderkommission ermittelt. Am Donnerstagmittag wurde die A 3 zur Spurensuche vorübergehend gesperrt.
Mit Video von der Spurensuche.

Vieles spricht dafür, dass die Frau rein zufällig zum Opfer wurde. Das eigentliche Ziel dürfte ein Autotransporter gewesen sein: Bundesweit sorgt eine Serie von mittlerweile 248 Fällen für Angst und Schrecken.

Fotoserie

Schüsse auf der A 3

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Die 40-Jährige aus dem Raum Bautzen ist zumindest außer Lebensgefahr. Nach Erkenntnissen der Polizei wurde sie während der Fahrt im Bereich des Rasthofes Würzburg von der Kugel einer Kleinkaliberwaffe getroffen. Es war Dienstag, 18.10 Uhr: Nach dem Schuss schrammt die Frau rund 100 Meter weit mit ihrem Skoda an der Mittelleitplanke entlang. Dann bleibt sie liegen. Später wird sie in einer Würzburger Klinik operiert. Dabei finden die Ärzte im Halsbereich das Stück eines Projektils. Dazu kommen Schnittverletzungen im Gesicht, verursacht durch Splitter der zerborstenen Scheibe.

Tatort Autobahn: Polizei sucht nach Spuren - Rätselhafte Schüsse entlang der Autobahn halten die Polizei in Atem: Am Dienstag wurde eine Autofahrerin bei Würzburg verletzt. Eine 20-köpfige Sonderkommission ermittelt. Am Donnerstag und Freitag wurde die A 3 zur Spurensuche vorübergehend gesperrt.
Woher der Schuss abgefeuert wurde, darüber kann die Polizei vorerst nur spekulieren. Laut Pressesprecher Heinz Henneberger ist beides denkbar: Der Schütze könnte sich im Gelände nahe des Rasthofes Würzburg-Nord versteckt haben. Er könnte aber auch auf der Gegenfahrbahn (Richtung Frankfurt) von einem Auto aus geschossen haben. Mit fünf Beamten suchte die Kripo-Sonderkommission „BAB“ am Donnerstagmittag das betreffende Autobahnstück ab, unter anderem mit einem Metalldetektor. Verwertbares gefunden haben sie nicht. Die Polizei hofft nun auf mögliche Zeugen.

248 Fälle in ganz Deutschland

Vermutlich geht die Tat auf das Konto eines oder mehrerer Serientäter, die seit Juli 2008 ihr Unwesen auf deutschen Autobahnen, aber auch in Nachbarländern treiben. Bis Donnerstag hat das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden 248 Fälle registriert: Immer wurde auf Neufahrzeuge als Fracht von Autotransportern geschossen, immer mit einer Kleinkaliberwaffe. Eine konkrete Spur haben die Ermittler offenbar noch nicht. Die genauen Tatorte sind nur schwer herauszufinden, weil die Speditionsfahrer den Schaden an ihrem Frachtgut meist erst Stunden später am nächsten Rastplatz oder beim Abladen in den Autohäusern bemerken.

Die leere A 3 am Donnerstagmittag, nach Sperrung zur Spurensuche. TV-Teams interviewen Polizeisprecher Heinz Henneberger. Foto: FOTO Andreas Jungbauer

Der Würzburger Kripo wurden am Mittwoch drei beschossene Autotransporter gemeldet. Alle drei waren am Dienstagabend ebenfalls auf der A 3 bei Würzburg unterwegs. In zwei Fällen wurde ein Neuwagen durchlöchert, im dritten Fall der Auflieger des Lastwagens. Ein Zusammenhang mit den Schüssen auf die Frau aus Sachsen gilt als wahrscheinlich. Damit wäre bei dieser unheimlichen Anschlagserie das erste Mal ein Mensch verletzt worden.

Bereits Mitte Oktober hatte das BKA die Spediteure und Fahrer zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. Sie sollen ihre Ladung häufiger und intensiver kontrollieren. Schwerpunktstrecken der Anschläge sind in Bayern die A 3, ansonsten die A 4, die A 61, die A 5 und die A 8 um das Autobahnkreuz Stuttgart.

Polizei hofft auf Zeugenhinweise

In Bayern wurden nach Auskunft des Landeskriminalamtes (LKA) bis Donnerstag über 40 Schüsse auf Autobahnen gezählt – davon zehn in Unterfranken. LKA-Sprecher Ludwig Waldinger macht die Gefahren deutlich: „Das sind alles andere als Lausbubenstreiche.“ Es sei gar nicht auszumalen, was im fließenden Verkehr alles passieren könne.

Die Sonderkommission „BAB“ setzt auf Hinweise aus der Bevölkerung. Wer am Dienstag zwischen 17 und 19 Uhr auf der A 3 im Bereich der Rastanlage Würzburg oder im Umfeld Verdächtiges wahrgenommen hat, möge sich melden unter: Tel. (0931) 457-17 32 oder Notruf 110.

 

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