SCHWEINFURT

Acht Jahre Haft für tödlichen Messerstich

Zu acht Jahren Haft und Unterbringung in einer Entziehungsanstalt hat die 1. Große Strafkammer des Landgerichts Schweinfurt am Donnerstag den 58-jährigen Nikolai Z. verurteilt.

Er hat seinen Saufkumpanen, bei dem er wohnen durfte, am 22. Dezember 2010 mit einem Messerstich in den Oberschenkel getötet. Die Kammer war von der Schuld des schwer alkoholkranken Mannes überzeugt, der die Tat bis zum Schluss bestritten und behauptet hatte, das Opfer habe Selbstmord begangen.

Der Schuldspruch erging nicht, wie ursprünglich angeklagt, wegen Mordes, sondern wegen Körperverletzung mit Todesfolge. In der Tatsache, dass der 51-Jährige wegen eines Messerstichs in den Oberschenkel gestorben war, erkannte das Gericht keine Tötungs-, wohl aber eine Verletzungsabsicht – mit dem Ergebnis, dass das schwer alkoholisierte Opfer im Bett verblutet ist.

Unmittelbare Tatzeugen gab es nicht, den Tatnachweis sah das Gericht hinreichend durch Indizien erbracht, insbesondere durch den Umstand, dass zum Tatzeitraum nur der Angeklagte und der Wohnungsinhaber in der Wohnung gewesen seien und ein Selbstmord durch Stich in den Oberschenkel durch die Bettdecke hindurch als lebensfremd ausscheide. Es gebe auch kein Suizidmotiv. Die Selbstmordversion des Angeklagten wertete die Kammer als reine Schutzbehauptung.

Dagegen könnte der zur Tatzeit schwer betrunkene Angeklagte ein Motiv gehabt haben: Die Weigerung des Opfers am Nachmittag, mit ihm nicht mehr weiterzusaufen, habe er wohl als Kränkung empfunden. „Dem Angeklagten Obdach zu gewähren, war ein tragischer Fehler des Opfers, der ihn das Leben gekostet hat“, so der Vorsitzende. An der Täterschaft des Angeklagten bestünden „keine vernünftigen Zweifel“. Die hatte dessen Rechtsanwältin im Plädoyer geäußert, als sie Freispruch forderte, hilfsweise höchstens fünfeinhalb Jahre Haft. Der Staatsanwalt hatte zwölf Jahre gefordert.

Bei der achtjährigen Haftstrafe hat das Gericht wegen der enormen Alkoholisierung des 58-Jährigen zur Tatzeit (knapp vier Promille) einen minderschweren Fall angenommen. Gegen das Urteil ist Revision zum Bundesgerichtshof möglich.

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