WÜRZBURG

„Amtliche“ Rechnung soll Vereine täuschen

Auf den ersten Blick wirkte die Rechnung täuschend echt, die vorige Woche der Tiertafel Würzburg ins Haus flatterte: 368,73 Euro sollte der Verein zahlen, für die (tatsächlich kurz zuvor erfolgte) Eintragung ins Gewerbe- und Handelsregister.

Für diese Summe hätte der Verein viel Futter für Vierbeiner in Not kaufen können. Zum Glück sah sich die Vereinsführung die Rechnung genau an. Zumal angeblich die Zeit drängte: „Zahlen Sie binnen 7 Tagen, andernfalls behalten wir uns das Recht vor, Ihre Daten wieder zu löschen,“ hieß es drohend. „Für eine Neuaufnahme in unserem System entstehen für Sie dann weitere Kosten.“

Die Rechnung kam dem Team der Tiertafel um Gisela Schmidt merkwürdig vor: Zum einen fehlte ihr die Rechtsbehelfsbelehrung. Noch mehr wunderten sich die Würzburger darüber, wohin sie das Geld überweisen sollten: Die IBAN (die neue internationale Bankkontonummer) auf dem Zahlschein wies darauf hin, dass die Gebühr auf ein Konto mit den Anfangsbuchstaben BG überwiesen werden sollte – nach Bulgarien (siehe roter Kreis).

Die Tiertafel zahlte deshalb zunächst nicht – eine gute Entscheidung: Am nächsten Tag lag eine schriftliche Warnung im Briefkasten – diesmal kam der Brief tatsächlich vom Amtsgericht Würzburg: Darin heißt es, dass „häufig kurz nach der Veröffentlichung einer Eintragung“ private „Wirtschaftsverlage“ versuchen, mit amtlich aussehenden Rechnungen Kosten für die Eintragung in ein privates Register zu erlangen. Ausdrücklich warnt das Amtsgericht: „Hierbei handelt es sich nicht um die Rechnung für die Eintragung in das öffentliche Vereinsregister.“

Diese Masche ist nicht neu: Bereits 2007 warnten diverse Industrie- und Handelskammern vor gefälschten Rechnungen, die damals an Unternehmen als „Bescheid über Eintragungsgebühren“ verschickt wurden. Was wie eine Rechnung aussieht, ist in Wahrheit ein Angebot, Verein oder Betrieb in ein privates Register einzutragen. Wer versehentlich Geld überweist, bleibt in der Regel auf den Kosten sitzen, denn das Treiben der „falschen Firmenregister“ ist nicht per se illegal, warnen mehrere Justizministerien der Bundesländer. Die Eintragung in privat betriebene Verzeichnisse ist zunächst eine legale Dienstleistung, die den Empfänger der Schreiben aber nur Geld kostet und kaum Nutzen bringt. Perfide daran: Die Schreiben sind so gestaltet, dass man das nicht auf den ersten Blick erkennt, sondern wegen der Aufmachung für die Rechnung einer Behörde hält.

Mit dieser Masche sind Betrüger seit Monaten bundesweit unterwegs, aus Leipzig, Kassel, Bad Segeberg, Cuxhaven und Stade werden Fälle gemeldet. „Achtung, dabei handelt es sich um eine gefälschte Forderung“, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg. Nun suchen die Täuscher sich ihre Opfer gezielt unter Vereinen wie der Würzburger Tiertafel, die sich frisch ins Vereinsregister eintragen lassen. Das Warnschreiben des Amtsgerichts beweist: Die Versender versuchen im ober- und unterfränkischen Gerichtsbezirk Bamberg schon länger, Kasse zu machen. „Allerdings sind uns bisher keine Fälle bekannt geworden, in denen Vereine die falsche Rechnung tatsächlich bezahlt haben“, sagt Amtsgerichtsdirektorin Helga Twardzik auf Anfrage.

Das liegt auch an der schnellen Warnung des Gerichts, das nicht hinnimmt, dass Täuscher unter seinem Namen Geld abzocken: „Wir versenden seit Jahren solche Warnhinweise sofort bei einer Neueintragung. Denn die Erfahrung zeigt, dass die Täter schnell reagieren.“ Sie verfolgen über das Internet aufmerksam die Eintragungen ins Bundesregister und stellen sofort ihre Forderung – oft schon, bevor die offizielle Bestätigung der Eintragung per Brief den ahnungslosen Verein erreicht.

Helga Twardzik rät nicht nur, sich solche Schreiben aufmerksam anzuschauen und nachzufragen, wenn man sich nicht erklären kann, warum man Geld für eine Behördenleistung nach Bulgarien überweisen soll. Sie betont auf Anfrage auch: „Wir raten Betroffenen zur Anzeige.“

Korrekte Rechnungsbeträge gehen indes nicht nach Bulgarien, sondern an die Bayerische Landesbank. Die Täter sind – wie Twardzik weiß – so fix, dass sie ihre Bankdaten ständig ändern. Für fast jede Forderung gibt es gar ein eigenes Konto der Bank in Bulgarien.

Schlagworte

  • Manfred Schweidler
  • Amtsgericht Würzburg
  • Bayerische Landesbank
  • mosaik
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!