WÜRZBURG

Anleger zahlten für Kraftwerke, die es gar nicht gab

Vor dem Landgericht muss sich seit Montag der Chef der Firma Quadrosol wegen Betruges in Millionenhöhe verantworten. Der Kaufmann ließ 65 Kunden aus der Region in Blockheizkraftwerke investieren, die nur in seiner Fantasie existierten.

Die Umwelt schonen und richtig Kasse machen – mit diesem Zuckerstückchen locken immer häufiger Betrüger ihre „Goldesel“, bei ihnen ihr Geld zu investieren, das dann in die Taschen der Gauner wandert. In Unterfranken wird binnen kurzer Zeit schon der dritte Fall bekannt. Vor dem Landgericht muss sich seit Montag der Chef der Firma Quadrosol wegen Betruges in Millionenhöhe verantworten. Der Kaufmann ließ 65 Kunden aus der Region in Blockheizkraftwerke investieren, die nur in seiner Fantasie existierten.

Mit der Masche mit derzeit gefragter Umwelttechnik hatte schon die Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energie (GFE) Hunderte von Kunden in Unterfranken um Millionen gebracht. Und Anfang Juni wurde der Chef der Firma Pansolar wegen eines Betrugsmodells mit Solaranlagen in Würzburg zu 65 Monaten Gefängnis verurteilt.

Aktuell steht nach elf Monaten Untersuchungshaft ein Kaufmann vor Gericht, der laut Anklage ein „Rundum-Sorglos-Paket“ den Kunden anpries, die in „grüne“ Technik investieren wollten: Sie zahlten vier- bis sechsstellige Summen, Quadrosol wollte sich dafür um den Bau und die Wartung der Wunderkraftwerke kümmern, deren Turbinen angeblich mit Rapsöl angetrieben wurden.

Den Kunden versprach Quadrosol traumhafte Zinsen aus den Einspeisungsgebühren der umweltfreundlichen Energie. Die investierten 2,7 Millionen Euro in ein scheinbar seriöses Unternehmen.

Einen namhaften Kommunalpolitiker machte man zum Chef des Aufsichtsrates. Und Quadrosol trat als Wohltäter auf. In einer Pressemitteilung hieß es 2011: „Im Rahmen ihrer im Aufbau befindlichen Zusammenarbeit mit der Juristischen Fakultät der Uni“ habe die Firma „Stipendien für die Ausbildung zweier Juristen aus dem Kongo vergeben“.

Heute ist das Verhältnis zu Juristen eher angespannt – was daran liegt, dass der Staatsanwalt dem Würzburger Kaufmann eine Geschäftsführung vorwirft, die auch im Kongo als unseriös gelten dürfte. Der Anklageschrift ist zu entnehmen, dass dem Kaufmann „jede Fachkenntnis fehlte“ – wie auch die Patente für die angeblich innovative Technik. Es gab weder die Kraftwerke noch das Personal, um sie zu warten. Von „frei erfundenen Einspeisungsraten“ und „unrealistischen Gewinnversprechen“ war am Montag die Rede.

Kein Wunder: Unter den redegewandten Verkäufern, die Kunden mit nicht vorhandenen Kraftwerken leimten, ist einer, der mit der Masche Erfahrung hat: Er saß im Gefängnis, weil er Kunden mit nicht existierenden Steakhäusern abgezockt hatte.

Sein früherer Auftraggeber muss bei einer Verurteilung mit sechs bis acht Jahren Haft rechnen. Er machte keine Angaben zur Sache. Der Prozess wird am 9. Juli fortgesetzt. Dann soll auch der erste der Verkaufsprofis im Zeugenstand erscheinen.

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