BUCHEN

Artgenossen sollen Elefantendame beruhigen

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Spaziergänger sind die Zirkus-Tage der Elefantenkuh Baby gezählt. Im Serengeti-Park wird das Tier kein neues Zuhause finden, wie die Polizei bestätigte.
Zirkuselefant Benjamin
Zirkuselefant Benjamin wird nicht mehr in der Manege auftreten, er kommt in einen Tierpark. Foto: Peta
Der Safaripark Stukenbrock bei Bielefeld will die aggressive Elefantenkuh „Baby“ in eine kleine Gruppe von Artgenossen integrieren.  Bereits in der Nacht zum Montag war die Elefantenkuh in Begleitung ihres bisherigen Besitzers nach Nordrhein-Westfalen gebracht worden. Das bestätigte eine Sprecherin des Safariparks am Montag.

Sie habe die Nacht sehr gut überstanden und bereits Kontakt zu drei weiteren Elefantendamen aufgenommen, die ebenfalls im Safaripark leben. Man sei zuversichtlich, dass sich die Elefantin in die  Gruppe integrieren würde.

Der Deutsche Tierschutzbund fordert, dass Wildtiere in Zirkussen grundsätzlich verboten werden und will dazu eine Kampagne starten, um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Tierschützer kritisieren zu kleine Gehege, ständige Transporte oder die aus ihrer Sicht von Gewalt und Zwang geprägte Dressur. Elefanten, Großkatzen oder Bären fehle es an Bewegung und sozialen Kontakten.

In eine intakte Herde im Zoo lasse sich ein Elefant wie „Baby“ nicht integrieren, sagte der Direktor des Zoologisch-Botanischen Gartens Wilhelma in Stuttgart, Thomas Kölpin, der deutschen Presse-Agentur (DPA). Die Herde würde aggressiv sein. Aber die Haltung mit einzelnen anderen Kühen sei möglich. Daher sei die Lösung, die derzeit in Stukenbrock im Raum stehe, für die Elefantenkuh ideal.

Der 34 Jahre alte ausgerissene Zirkuselefant hatte in Buchen im Odenwald einen 65-jährigen Spaziergänger in Buchen im Neckar-Odenwald-Kreis (ca. 60 Kilometer südwestlich von Würzburg) angefallen und getötet. Es war bereits der dritte Angriff des Tiers auf einen Menschen.

Zum Unglückszeitpunkt um 5.30 Uhr war der Mann auf einem morgendlichen Spaziergang unterwegs. Der Zirkus gastiert auf einem Sportgelände. Die Polizei schließt Fremdverschulden nicht aus. "Der Elefant kann sich nicht selber rauslassen. Also bleibt: Wurde er rausgelassen oder war er nicht richtig eingesperrt?", sagte ein Polizeisprecher.

Wie die 34-jährige afrikanische Elefantendame am Samstagmorgen aus ihrem Zirkuszelt ausreißen konnte und warum sie das tat, war nach Polizeiangaben vorerst noch unklar. Fraglich bleibe ebenso, weshalb das Tier so in Rage geriet. Kurz nach dem Unglück in etwa 100 Meter Entfernung zum Käfig konnte ein Zirkusmitarbeiter das Tier beruhigen und in das Zelt zurückbringen.

Nach Angaben der Polizei wurde das Opfer von seiner Frau identifziert. Sie berichtete, ihr Mann sei wie gewöhnlich um 5 Uhr aufgestanden, um Pfandflaschen und Dosen einzusammeln.

Bereits zweimal griff der Elefant, der auf den Namen "Baby" hört, Menschen an und verletzte sie, damals unter dem Namen Benjamin. Denn die Elefantenkuh wird zwar in den Bestandsbüchern als "Baby" geführt, wurde öffentlich damals aber "Benjamin" genannt, berichtet die "Südwest Presse".

Im September 2010 schleuderte "Benjamin" einen Mann in die Höhe und verletzte ihn erheblich, berichtet die "Heilbronner Stimme". Das blieb ohne strafrechtliche Konsequenzen, da der Mann sich selbst zwischen einen Zaun und das Tier gezwängt hatte.

2012 brach die Kuh einem 12-jährigen Jungen den Kiefer, als sie ihm mit dem Rüssel ins Gesicht schlug. Der hatte allerdings eine Sicherheitszone betreten, schreibt die Zeitung.

Der Zirkus "Luna" stand in der Vergangenheit wiederholt wegen nicht artgerechter Tierhaltung in der Kritik. Die Tierschutzorganisation Peta deckte Anfang des Jahres auf, dass die Elefantendame "Benjamin" im Winterquartier des Circus Luna im baden-württembergischen Stühlingen wiederholt eiskalte Nächte auf einem kleinen Lkw verbringen musste - bei jeweils um die 6 Grad, meldet der Focus. Das ist ein klarer Verstoß gegen die offiziellen Richtlinien und lebensbedrohlich für das Tier.

Nach den offiziellen Richtlinien für Elefantenhaltung darf die Temperatur der Unterkunft nicht unter 15 Grad liegen, da die aus heißen Klimazonen stammenden Rüsseltiere sonst Erkrankungen und sogar Erfrierungen erleiden können. Darüber berichtete Anfang März dieses Jahres auf das ZDF-Magazin „Frontal 21“.

Die Bären im Zirkus und die Elefantendame Benjamin sind nach Auffassung der Tierrechtsorganisation Peta durch jahrelange tierquälerische Haltung im Zirkus unberechenbar geworden. Ungeachtet dieser Warnungen hatten Mitarbeiter des Zirkus die Elefantenkuh in den vergangenen Tagen mehrfach in Buchen zu Werbezwecken spazieren geführt.

 

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