KARLSTADT

Auf den Pfaden der Karolinger

Via Karloburgo: Ein Rundweg auf historischem Boden mit Blick ins Maintal
Wanderfreundlich: Auf weichem Waldboden durch den „Hag“.
Wanderfreundlich: Auf weichem Waldboden durch den „Hag“.

Wer auf den Spuren der Karolinger, Pippins des Kurzen, des Marienklosters und des sagenhaften Königshofs Karlburg wandeln möchte, ist auf der Via Karloburgo auf dem rechten Pfad. Wir starten auf historischem Boden – in Karlburg, einem Stadtteil Karlstadts im Landkreis Main-Spessart. Ihren Anfang nahm die Geschichte des Weges mit der Gründung des Bistums Würzburg 741, als der karolingische Hausmeier Karlmann, Onkel Kaiser Karls des Großen, dem ersten Bischof Burkard ein Marienkloster in Villa Karloburgo übertrug, im Königshof Karlburg. Den im Ortszentrum zu vermutenden Königshof schenkte Pippin der Jüngere, der erste karolingische König und Vater Karls des Großen, zusammen mit der heutigen Burgruine Karlsburg, ebenfalls dem Bistum.

36 Hinweistafeln mit dem blauen Vogel im sogenannten Tassilo-Kelch-Stil auf weißem Grund – ein Karlburger Fundstück – weisen auf den nächsten 6,5 Kilometern sicher den Weg. Vier Schautafeln führen den Wanderer durch einen frühen Teil reicher mainfränkisch-würzburgischer Geschichte. Aber nicht nur das. Uns erwarten herrliche Ausblicke ins Maintal und steinerne Zeugnisse fränkischer Frömmigkeit.

Die Via Karloburgo – die Karlburger Straße also – ist eine Namensschöpfung aus dem Jahr 2008, als Karlburger Heimatforscher mit der Stadtverwaltung Karlstadt einen Weg begründeten, der an wichtigen archäologischen Plätzen vorbeiführt. Die „Straße“ verlässt allerdings für etwa vier Kilometer den historischen Boden und führt in einem kleinen Schlenker auf dem bewaldeten Schlossberg zwischen Karlburg und Mühlbach zur Burgruine Karlsburg. Hier treffen wir nicht nur auf ein grünes Burgareal, einem Abenteuerspielplatz für Kinder, aus dem steinerne Zeugen hie und da herauslugen. Nein, die Karlsburg bietet einen unvergleichlichen Panoramablick über die Kreisstadt Karlstadt und das Maintal. Heute ist die Ruine der Burg, die 1525 im Bauernkrieg abbrannte, ein Wahrzeichen der Kreisstadt. Der Rundweg startet zu seinen 6,5 Kilometern am Sportplatz südlich des Orts, wo wir unsere Autos parken können. Der Gang in den Ort, vorbei an Schützenhaus und Karolingerhalle, führt nahe des Mainufers vorbei, an dem vor 1300 Jahren lebhaftes Treiben herrschte in einem Dorf, das sich wahrscheinlich bis fast nach Mühlbach erstreckte. In Mühlbach, so erzählt die Sage, sei Karl Martell, der Vater Karlmanns und Pippins, geboren worden.

Im Karlburger Ortskern verweilen wir kurz am Dorfplatz mit Kirche, Schule und dem Gedenkstein zur 1250-Jahr-Feier mit der seligen Immina und der heiligen Gertraud von Nivelles. Ein paar Meter weiter, vorbei am liebevoll restaurierten Zehnthof, vermuten Heimatforscher den Königshof und das vor dem Jahr 1000 untergegangene Marienkloster. Wir queren die Karolingerstraße und biegen rechts ein in den Burgweg, der uns aus Karlburg hinausführt. Gertraudenbildstock und ein Pfeilerbildstock mit der Himmelskönigin verabschieden den Wanderer zum Steigweg.

Jetzt geht's bergauf, erst gemächlich, was uns Zeit gibt, zurückzuschauen auf Karlburg. Dahinter breitet sich die Kulisse des mächtiger werdenden Grainbergs bei Gambach auf. Wer genau hinsieht, entdeckt die Grenze von Muschelkalk und Bundsandstein, von Weinland und beginnendem Spessartwald.

Zum Glück geht es jetzt in den kühlen Wald, in den Flurteil „Lange Lage“, denn der Weg wird ein wenig beschwerlicher. Auf gut 1,5 Kilometer müssen wir nun eine Steigung von etwa zehn Grad bewältigen, vorbei an einem aufgelassenen Hohlweg und einem alten Steinbruch. Nach der Steigung an den „vorderen Sieben Wegen“ angekommen, wo sich sieben Pfade im Hagwald an einem Bildstock treffen, laden Bänke zur Ruhepause. Das Denkmal erinnert seit 1991 nicht nur an die 1250-Jahr-Feier Karlburgs, sondern an den Tausch, den die spätere Äbtissin Immina mit dem heiligen Burkard vollzog: das Marienkloster in Karlburg gegen die Marienfestung in Würzburg.

Die Via Karloburgo und der Fränkische Marienweg vereinigen sich nun auf einem Teilstück. Es ist eine Lust, auf dem weichen Waldboden zu laufen. Die Strecke im „Hag“ verläuft eben auf 300 Meter Höhe über null. Dann geht es hinab ins Maintal. Und plötzlich öffnet sich vor uns eine Lichtung. Der Weg führt direkt zur Burgruine Karlburg.

Nach dem Burginnenhof mit dem Bildstock von Johannes dem Täufer von 1674 trifft der Wanderer auf die eigentliche Ruine, deren weite Öffnungen den Blick über das vor ihm liegende Karlstadt schweifen lassen – mit dem Main am Burgfuß und dem „Saupurzel“-Hügel am Horizont.

Links Richtung Norden liegt Karlburg mit der Karolingerbrücke nach Karlstadt, nach Süden schmiegt sich Mühlbach an Schlossberg und Fronberg. Hier führt die Mainbrücke nach Karlstadt. Fast können wir auf das Weiße Schlösschen unter uns spucken.

Der Abschied von der Karlsburg, wo wir uns an Tischen die mitgebrachte Brotzeit schmecken lassen, fällt schwer. Über den Burgweg geht es abwärts durch die Wolfsschlucht, vorbei am Schlösschen, das sich ein Maschinenbau-Ingenieur der Portland-Cementfabrik 1911 in den Hang bauen ließ. Der Weg wird schmaler und trifft auf den Panorama-Weinbergslehrpfad und im Mühlbacher Altort auf die Martellstraße.

Am Weingut „Schwalbennest“ vorbei biegen wir auf die letzten zwei Kilometer des archäologischen Wegs – auf einen befestigten Wander- und Radweg –, der nun ganz nah an den Main führt. Karlstadt rechts jenseits des Mains und Mühlbach links, wandert unser Blick hoch zur Burgruine Karlsburg, die erst aus unseren Augen kurz vor Karlburg auf den letzten Metern entschwindet. Hier brachten Ausgrabungen Zeugnisse des knapp 1300 Jahre alten Karlburgs zutage, dessen erste Blütezeit 1236 mit der Zerstörung durch die Rienecker Grafen endete.

Am Ausgangspunkt der Wanderung neben dem Sportplatz endet die Via Karloburgo, deren viertes Hinweisschild mit historischen Daten auf eine frühmittelalterliche Burg am Grainberg bei Gambach auf der anderen Mainseite steht. Vielleicht wird die Via Karloburgo einmal erweitert auf Gambach und auf weitere rechtsmainische Punkte wie die Wüstungen Gainfurt vor Gambach oder am „Sändlein“ in Karlstadt.

Via Karloburgo

Charakter: leichte bis mittelschwere Tour Länge: 6,5 Kilometer Wanderzeit: zwei bis drei Stunden Ausgangs-/Endpunkt: Zum Sportplatz in Karlburg, dort Parkmöglichkeit Einkehrmöglichkeit: „Zur Mainaussicht“ in Karlburg Aussichtspunkt: Ruine Karlsburg mit Panoramablick auf Karlstadt und das Maintal Sehenswürdigkeit: Burgruine Karlburg Information: tourismus@karlstadt.de Wandertreff auf www.main.de: Was sind die schönsten Erlebnisse wert, wenn man sie nicht teilen kann? Die Gruppe „Auf Schusters Rappen“, richtet sich genau deshalb an Freunde des Wanderns. Also: einfach im Internet auf www.main.de/wandern surfen und teilnehmen.


Lehrreich: Vier Tafeln informieren über geschichtliche Ereignisse.
Lehrreich: Vier Tafeln informieren über geschichtliche Ereignisse.
Die Ruine verzaubert: Die Karlsburg ist der Höhepunkt der Wanderung auf der Via Karloburgo und ein Wahrzeichen Karlstadts. Von hier aus genießt der Wanderer einen Blick auf die Kreisstadt und ins Maintal.
Die Ruine verzaubert: Die Karlsburg ist der Höhepunkt der Wanderung auf der Via Karloburgo und ein Wahrzeichen Karlstadts. Von hier aus genießt der Wanderer einen Blick auf die Kreisstadt und ins Maintal. Foto: Thomas Obermeier (2), Martina Amkreutz-Götz (1)

Rückblick

  1. Unterwegs mit Seelenruhe
  2. Milseburg: Zwischen Himmel und Erde
  3. Zwischen Birken und Basalt
  4. Wein, Wein, überall Wein
  5. Erstaunliche Kunstschätze am Weg
  6. Erstaunliche Kunstschätze am Weg
  7. Auf dem letzten Weg der Toten
  8. Per Rad hinein ins Himmelreich
  9. Wilde Schönheiten jahrtausendealt
  10. Leidenschaftliche Pfadfinder
  11. Liebliches Tal im dunklen Spessart
  12. Radel-Tipp 1: Entspannter Feierabend
  13. Radel-Tipp 2: Holprig um Hofheim
  14. Radel-Tipp 3: Mit Rennrad im Spessart
  15. Radel-Tipp 4: In Würzburgs Wäldern
  16. Da geht's lang! Die besten Radwege Unterfrankens
  17. Wanderwochenende dieser Zeitung: Spaß, Flair, Spannung
  18. Ritterburgen und sagenhafte Felsen
  19. Literarische Suche nach dem Sinn des Wanderns
  20. Wallfahrer auf dem Weg
  21. Die Botschaft der Steine
  22. Wandern mit Redakteuren Ihrer Tageszeitung
  23. Ein Gedicht von einem Weg
  24. Wandern mit Hallo-Wach-Effekt
  25. Schwing die Hufe!
  26. Westumgehung: Natur in Gefahr
  27. Der Wasser-Marsch
  28. Mit dem Wanderstock über die Reichsautobahn
  29. Beweg dich wie eine Spinne
  30. Hinauf zu den Adonisröschen
  31. Hüttengaudi am Himmeldunk
  32. Auf den Pfaden der Karolinger
  33. Ein Wald für die Seele
  34. Wandersaison eröffnet
  35. Kultur auf Schritt und Tritt
  36. Trendsport Wandern lässt die Kassen klingeln
  37. Wunderbares Wanderwetter - auch auf vier Rädern
  38. Auf den Spuren Bechsteins
  39. Wanderserie: Von Jagdlust und rauen Gesellen
  40. Wandern in Unterfranken
  41. Rohrleitung aus 220 Bäumen
  42. Kompetente Führer bei Rhön-Touren
  43. Wandern im hessischen Kegelspiel

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Wanderserie
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0