WALDBÜTTELBRUNN

Betriebsratsvorsitzender fristlos gefeuert

Wieder Ärger zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung der Großbäckerei Götz, dem Betreiber der Bäckerkette Kiliansbäck: Nun muss der gerade erst gewählte Betriebsratsvorsitzende Torben Ackermann gehen – ihm und einer weiteren Betriebsrätin wurde fristlos gekündigt. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) will dagegen jetzt juristisch vorgehen.

Rückblick: Ende Februar gab Ackermann bekannt, dass er Ende März für den Betriebsrat kandidiert. Ab da änderte sich sein Arbeitsleben abrupt: Der 35-jährige Rimparer wurde von Würzburg nach Fulda versetzt, bekam Hausverbot in seiner alten Arbeitsstätte, war plötzlich statt für 120 Mitarbeiter nur noch für fünf zuständig. Wahlwerbung für ihn wurde aus dem Betrieb entfernt, Laptop und andere technische Geräte wurden eingezogen, er musste tägliche Tätigkeitsberichte an den Chef liefern, die Kommunikation mit den anderen Mitarbeitern wurde weitgehend versucht zu unterbinden. Trotzdem ging die Bewerberliste der NGG um Ackermann aus der Wahl als klarer Sieger hervor: Sie stellt acht Betriebsräte, die anderen – laut Ackermann „arbeitgebernahen“ – Listen, drei Betriebsräte.

Ende April wird dann seitens der Geschäftsführung des Betriebs mit 520 Mitarbeitern der Vorwurf laut, Ackermann hätte „ältere Mitarbeiterinnen seit längerem diskriminiert“, so wird der Geschäftsführer in einer schriftlichen Stellungnahme des Unternehmens zitiert. Ackermann weist die Vorwürfe zurück, ihm wird gekündigt – während seines Urlaubs. In der Stellungnahme heißt es auch, der Betriebsrat hätte der Kündigung zugestimmt. „Dies ist bei der Kündigung eines Betriebsratsvorsitzenden nötig“, sagt NGG-Anwalt und Arbeitsrechtler Bernd Spengler.

Allerdings: Zu der angeblich kurzfristig am 25. April einberufenen Sitzung war nach deren eigenen Aussagen keiner der acht NGG-Räte eingeladen gewesen, folglich hatte der Rat nicht die beschlussfähige Mehrheit. Bei elf Räten wären das mindestens sechs Personen. Eine von ihnen ist Ilona Snider. Die Betriebsrätin erzählt, sie hätte inzwischen nachgefragt, warum sie nicht eingeladen wurde. „Es hieß, ich wäre nicht zu erreichen gewesen – dabei war ich den ganzen Tag an meinem normalen Arbeitsplatz: der Filiale in Lohr.“

Noch am gleichen Abend flatterten die Kündigungen in die Briefkästen von Ackermann und der zweiten Betriebsrätin, der vorgeworfen wurde, einer zusätzlichen Nebentätigkeit nachzugehen.

„Wir bezweifeln, dass die Sitzung überhaupt stattgefunden hat“, sagt der Gewerkschaftssekretär der NGG- Unterfranken, Frank Jauch. Folglich zweifelt die Gewerkschaft auch die Wahl des neuen Betriebsratsvorsitzenden, Thomas Dietrich, an. Er soll ebenfalls in der Sitzung gewählt worden sein, davor war er Stellvertreter und einer der drei Nicht-NGG-Räte. Gegen seine Wahl sowie die Kündigungen geht die NGG jetzt juristisch vor, zudem läuft bereits ein Verfahren wegen Behinderung der Betriebsratswahl. Diese schwebenden Verfahren nimmt die Geschäftsleitung zum Anlass, keine Nachfragen zu beantworten. „Momentan kann ich keine Auskunft geben“, sagt Pressesprecherin Ingrid Weigert auf Fragen wie etwa die, warum es in der Stellungnahme heißt, „der Betriebsrat hat mit großer Mehrheit den zuständigen Gewerkschaftsfunktionären der NGG ein Teilnahmeverbot an den Betriebsratssitzungen erteilt“. Denn die große Mehrheit des Betriebsrates, eben die acht Räte, besteht aus ebendiesen „Gewerkschaftsfunktionären“. Auch zum Vorwurf, nicht alle Räte seien geladen gewesen, gibt es keine Auskunft.

Die beiden Gekündigten sind nun arbeitslos. Ob sie wieder bei der Bäckerei Götz arbeiten werden, muss das Gericht entscheiden.

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