GEROLZHOFEN/EBRACH

Darum geht es im Streit um den Steigerwald

Seit acht Jahren schwelt der Streit um einen Nationalpark Nördlicher Steigerwald. Wir zeigen, wer die Kontrahenten sind und was sie wollen.
  • Kern des Streits
Die Idee ist, 9 Prozent des Steigerwalds - in dessen Norden - in einen Nationalpark umzuwandeln, und zwar nur im Staatswald (kein Privatwald). Das würde bedeuten: Der Mensch darf dort nicht mehr in die Natur eingreifen. Die Natur würde sich selbst überlassen. Sanfter Tourismus ist in Naturparks generell möglich, allerdings keine Bewirtschaftung des Waldes. Der Steigerwald unterliegt schon heute einem gewissen Schutz: Er ist seit 1988 ein Naturpark, dessen Fläche etwa zur Hälfte zudem Landschaftsschutzgebiet ist. Der Steigerwald gilt als eines der bedeutendsten Laubwaldgebiete in Bayern.
 
  • Die Kontrahenten
1) Befürworter des Nationalparks:
Neben anderweitig engagierten Naturschützern setzt sich vor allem der "Freundeskreis Nationalpark Steigerwald" (Ebrach) für ein hochrangiges Schutzgebiet ein. Begründung: Vor allem der Buchenbestand im Steigerwald sei einzigartig. Flora und Fauna dort ebenso, so dass dies in besonderer Weise zu behüten sei. Ein Nationalpark sei zudem eine hervorragende Basis dafür, den Steigerwald als Unesco-Weltnaturerbe einstufen zu lassen - was der gesamten Region zwischen den populären Kulturerbe-Städten Würzburg und Bamberg einen weiteren Pluspunkt verschaffe. Der Verein "Nationalpark Nordsteigerwald" (Rauhenebrach) bringt zudem ins Spiel, dass ein Nationalpark den Tourismus im Steigerwald beflügeln würde.

2) Gegner des Nationalparks:
Sie haben in Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU/Donnersdorf) ein politisches Schwergewicht in ihren Reihen. Eck ist Vorsitzender des Vereins "Unser Steigerwald", der die Interessen von Waldbesitzern, Förstern und Sägewerksbesitzern bündelt. Er weiß in der Sache die Staatsregierung hinter sich. Die Gegner befürchten, dass ein Nationalpark zu große Einschnitte bei der Bewirtschaftung des Steigerwald-Holzes und der waldnahen Äcker mit sich bringen wird. Außerdem werfen die Gegner den Befürwortern Scheinheiligkeit vor: Es gehe ihnen um Naturschutz, doch in Wahrheit seien die Förderung des Tourismus und des damit verbundenen Profits deren wahre Gründe, sich für einen Nationalpark einzusetzen.
 
  • Möglichkeiten

Der Steigerwald mit seinen Baumriesen und uralten Methusalem-Bäumen hätte beste Aussichten, ins Unesco-Weltnaturerbe „Alte Buchenwälder“ aufgenommen zu werden: Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Bundesamtes für Naturschutz. Der Steigerwald stünde dann auf einer Stufe mit dem Great-Barrier-Riff in Australien, dem Nationalpark Serengeti in Tansania und dem Nationalpark Yellowstone in den USA. Der Konjunktiv "stünde" ist angebracht, denn noch ist das Bewerbungsschreiben nicht auf den Weg gebracht.
 

  • Und da wäre noch...
...die Tatsache, dass Bambergs ehemaliger Landrat Günther Denzler (CSU) einst in einem Hauruck-Verfahren das 775 Hektar große Naturschutzgebiet „Der Hohe Buchene Wald“ bei Ebrach durchgebracht hatte - eine Art Nationalpark durch die Hintertür. Die Staatsregierung in München versucht, diese Anordnung juristisch einwandfrei wieder kippen zu können. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) höchstpersönlich hatte sich in die Sache eingeschaltet.
   

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Eröffnung des Steigerwaldzentrums

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