BAMBERG

Der Bamberger liebste Burg

Ausflugsziel: 385 Meter über dem Meeresspiegel liegt die Altenburg. Von dort kann man einen herrlichen Ausblick genießen. Oder zur 6-Hügel-Tour aufbrechen.
Umwerfend: Der Blick, der sich von der Burganlage aus über Bamberg bietet. Foto: Carolin Münzel

Genau 168 Stufen muss der Besucher bewältigen, bevor er von der Aussichtsplattform des rund 33 Meter hohen Bergfrieds seinen Blick über das Bamberger Land schweifen lassen kann. Vom Klinikum im Osten, über Schloss Pommersfelden im Süden, über Stegaurach und Mühlendorf im Westen bis hin zum Dom, dem Karmelitenkloster und der Kirche St. Michael im Norden.

Bei guter Sicht oder mit dem Fernglas lassen sich sogar Staffelstein, Vierzehnheilgen und Kloster Banz erkennen. „Man hat hier einen Traumblick auf eine Traumstadt“, sagt Werner Hipelius, ehemaliger Bürgermeister der Stadt Bamberg und erster Vorsitzender des Altenburgvereins, der sich seit 1818 um den Erhalt der Anlage kümmert. Am oberen Teil des Bergfrieds mit seinen rund vier Meter dicken Mauern, hängt noch ein eiserner Korb, mit dessen Hilfe man früher Feuersignale in Richtung der 20 Kilometer entfernten Giechburg übermittelte. Der Turm wurde um 1400 erbaut und stellt somit den ältesten Teil der Bamberger Altenburg da.

Wechselhafte Geschichte

Die historische Stätte, die 1109 erstmals erwähnt wurde, liegt auf dem höchsten der sieben Bamberger Hügel. Sie befindet sich damit rund 385 Meter über dem Meeresspiegel und ist für die Bamberger etwas ganz Besonderes. „Da hängt Herzblut dran“, erklärt Hipelius, Die Bamberger lieben ihre Burg, die eine wechselhafte Geschichte hinter sich hat. Im Besitz des Hochstifts war sie einst Flucht- und Rückzugsort für die Bamberger Fürstbischöfe, bevor Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach die Burg 1553 brandschatzen ließ. „Danach war sie mehr oder weniger nur noch Befestigungsanlage und dem Verfall preisgegeben“, so Hipelius. Bis der fürstbischöfliche Leibarzt Dr. Friedrich Markus die Anlage 1801 erwarb und teilweise wieder aufbauen ließ. Zwei Jahre nachdem Markus verstorben war, übernahm dann das gehobene Bamberger Bürgertum die Betreuung der Burg – der Altenburgverein war geboren.

Imposant: Der rund 33 Meter hohe Bergfried auf der Altenburg. Foto: Carolin Münzel

Er ließ Wirtschaftsgebäude errichten und eine neue Kapelle, die dem Besucher noch heute beim Gang durch das Torhaus zuerst ins Auge fällt. Von 1902 bis 1982 gab es im Burggraben nacheinander drei tierische Bewohner zu bestaunen. „Als Kinder haben wir regelmäßig den Burgbären Poldi besucht“, erinnert sich Hipelius. Als der starb, gab es keinen Nachfolger mehr. Lediglich ein riesiger Stoffbär im damaligen Zwinger erinnert noch an die Bewohner von einst.


1902 ließ der Altenburgverein anstelle des ehemaligen Palastgebäudes ein Hauptgebäude im historischen Stil errichten, das heute gerne für Hochzeiten, Konfirmationen und andere Festlichkeiten genutzt wird. Die Mauern der Burg, so Hipelius, wurden in den vergangenen 30 Jahren mit Millionenaufwand saniert. Inzwischen sind alle wesentlichen Arbeiten abgeschlossen, der Altenburgverein mit seinen rund 1400 Mitgliedern kümmert sich aber nach wie vor um die Burg und alle anfallenden Arbeiten.

Wer mag, kann den Aufstieg zu der mittelalterlichen Burg zu Fuß bewältigen, es gibt aber auch einen Parkplatz genau vor der Tür. Wanderfreunde haben die Möglichkeit, die Umgebung der Burg auf einem etwa drei Kilometer langen Rundweg zu erkunden, der durch Wald und Wiesen führt, und etwa 20 Meter unterhalb des unteren Parkplatzes beginnt. Der Weg ist auch Teil des stadtökologischen Lehrpfades der Stadt Bamberg.

Einladend: Durch das Torhaus betreten Besucher die Bamberger Altenburg. Foto: Carolin Münzel

Wer die Altenburg besichtigt hat, für den bietet sich im Anschluss eine Fahrt mit den Bamberger Bahnen zur 6-Hügel-Tour an. Die Haltestelle liegt genau vor dem Torhaus der Burg. „Bis auf drei Monate im Jahr fahren wir durchgehend“, erklärt John, der an diesem Tag das Grüppchen Touristen durch enge Gassen, auf Anhöhen und durch Täler chauffiert. Einst in Würzburg, Bamberg, Kuwait und Bosnien stationiert, hat der ehemalige US-Soldat in der oberfränkischen Domstadt seine neue Heimat und seine große Liebe – das Bier – gefunden. Johns „Bahn“, die eigentlich ein Bus ist, ist der historischen Bamberger Straßenbahn nachempfunden, die von 1897 bis 1922 in Betrieb war. Während er sie geschickt durch die Altstadt manövriert, macht er immer wieder auf Sehenswürdigkeiten aufmerksam und erzählt Wissenswertes aus der Bamberger Geschichte: „Mitte des 19.

Jahrhunderts hatte die Stadt etwa 17 000 Einwohner und rund 65 Brauereien.“ Heute kämen auf Bamberg und das Umland etwa 100 Brauereien – was die Gegend zu der mit der höchsten Brauereidichte der Welt mache.

Unterhaltsam: Die 6-Hügel-Tour mit John. Foto: Carolin Münzel

Johns Zuhörer, die bei jeder Unebenheit der Straße auf den Holzbänken der „Bahn“ leicht auf und ab hopsen, nicken wohlwollend. Sie schauen interessiert aus dem Fenster, lassen sich von ihrem Guide die auf dem Stephansberg gelegene Stephanskirche und das Klinikum zeigen. Letzteres „nicht gerade die [sic] schönste Gebäude unserer Stadt“, wie John mit melodischem Akzent versichert. Dafür goutieren seine Fahrgäste den Anblick des Flurwärterhäuschens, dessen Fachwerkfassade sich malerisch in das Grün und Gelb der umliegenden Wiesen und Felder fügt. Weiter geht es durch das Dörfchen Wildensorg – seit der bayerischen Gebietsreform ein Stadtteil von Bamberg – wo eine der Haltestellen liegt, an der Fahrgäste aus- und zusteigen können. Wer eine Tageskarte hat, kann die „Bahn“ den ganzen Tag nutzen. Dadurch ergibt sich die Gelegenheit, an den Haltepunkten die einen besonders interessieren, auszusteigen, die Umgebung zu erkunden und eine der nächsten „Bahnen“ zu nehmen.

Fabelhafter Ausblick

Sobald John Wildensorg hinter sich gelassen hat, geht es hinauf zu dem Viertel, wo diejenigen, die es sich leisten können, in ihren Villen einen herrlichen Ausblick über die Stadt genießen. Auch den Fahrgästen ist ein zwar kurzer aber fabelhafter Blick auf den Dom vergönnt, bevor die Fahrt weitergeht zum Michelsberg und zum Kloster St. Michael. „Das kann momentan leider nicht von innen besichtigt werden“, erklärt John und verweist auf die Statikprobleme des Gebäudes. Aufgrund des finanziellen Engpasses, so der Guide, werde es wohl noch mindestens zehn Jahre dauern, bis das wieder möglich sei. Von allen Seiten bestaunen lässt sich dafür der Bamberger Dom, in dem der einzige Papst liegt, der je nördlich der Alpen begraben worden ist, und vor dessen Pforten John mit seiner „Bahn“ hält, bevor es zurück zur Altenburg geht, die ihre Besucher im warmen Abendlicht empfängt.

Altenburg und 6-Hügel-Tour

Führungen über die Anlage der Burg bietet im Auftrag des Altenburgvereins die Firma Agil an. Auf der rund 75-minütigen Tour lernen die Besucher nicht nur die Burggeschichte kennen, sondern erfahren auch viel über die Burgenentwicklung und das Wehrwesen im Mittelalter. Karten unter: www.agil-bamberg.de

Die einstündige Rundfahrt im Rahmen der Bamberger 6-Hügel-Tour führt Besucher sowohl zum Domplatz als auch zu den etwas entlegeneren Sehenswürdigkeiten.

 

Rückblick

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