WÜRZBURG/BAD KISSINGEN

Der Spätsommer-Schnee

Solch ein Wetter-Phänomen hat die Region Mainfranken seit Jahrzehnten nicht erlebt: Schnee im Oktober. Vor gut einer Woche saßen die Menschen in Würzburg, Schweinfurt oder Bad Kissingen noch mit T-Shirts und Shorts in den Straßencafés und genossen den fränkischen Spätsommer, nur wenige Tage später schickt der Winter einen ersten frostigen Gruß.

Innerhalb von acht Tagen stürzten die Temperaturen um nahezu 25 Grad in die Tiefe und unter den Gefrierpunkt. „Das ist ein richtiger Wintereinbruch. So etwas kommt vielleicht alle 30 bis 40 Jahre vor“, sagte Diplom-Meteorloge Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach, „das erlebt man nur ein- oder zweimal im Leben“. Letztmals, so der Experte, muss es Anfang der 70er Jahre in der Region Würzburg um diese Jahreszeit eine geschlossene Schneedecke gegeben haben.

Der Schnee-Rekord für einen Oktober in Würzburg ist für den 28. 10. 1950 verzeichnet, damals lagen sechs Zentimeter. Einen Tag eher, am 27. Oktober 1950, wurde in Bad Kissingen eine fünf Zentimeter hohe Schneedecke registriert. Aus dem Jahr 1881, so Hartmann, sei für Mainfranken sogar bereits am 5. Oktober ein Schneegestöber überliefert. Die aktuelle Wetterlage „ist absolut ungewöhnlich“, so Christoph Hartmann, „Schneefall gibt es im Oktober schon ab und zu, auch im Flachland. Das Besondere ist, dass der Schnee liegen bleibt. Daran kann sich kaum einer erinnern“.

Möglich machen dies, so der Meteorloge, zwei Strömungen: In der Mitte Deutschlands trafen sich in der Nacht zum Samstag kalte Luft aus dem Norden Europas sowie trockene und feuchte aus dem Mittelmeerraum. Das Ergebnis war der herbstliche Schneefall. Den Rekord erreichte das Erzgebirge mit 17 Zentimetern, für die Region Mainfranken verzeichnete der DWD in Münnerstadt (Lkr. Bad Kissingen) mit einer sieben Zentimeter hohen Schneedecke einen außergewöhnlichen Wert.

Aus Oerlenbach (Lkr. Bad Kissingen) wurden zwei Zentimeter gemeldet, vier waren es auf der 950 m hohen Wasserkuppe in Hessen, aus der bayerischen Rhön rund um den Kreuzberg wurden bis zu zehn Zentimeter Neuschnee gemeldet.

Auch rund um Würzburg rieselte es nass vom Himmel. Auf dem 355 m hohen Volkenberg bei Erlabrunn (Lkr. Würzburg) lag ein Zentimeter Schnee, in Kirchheim im Ochsenfurter Gau waren es sogar vier Zentimeter. „Das ist schon eine ganz spezielle Situation“, sagt Hartmann, und die Besonderheit verdeutlicht auch diese Tatsache:

In gut der Hälfte der rund 500 DWD-Wetterstationen in ganz Deutschland wurde in einem Oktober noch niemals eine geschlossene Schneedecke registriert. „Bis zum Dienstagmorgen wird uns noch der Nachtfrost erhalten bleiben“, sagt Hartmann, dann werde das Wetter wieder in den Jahreszeiten-Modus zurückfallen mit fünf Grad Celsius in der Nacht und zehn Grad am Tag. Ob der frühe Schnee der Vorbote eines strengen Winters sei, vermag Meteorloge Christoph Hartmann nicht einzuschätzen: „Ich könnte dazu nur mein Gefühl widergeben, aber das hat mich schon zu oft getäuscht.“

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