GRAFENRHEINFELD

Der letzte Brennelementewechsel

„Boxenstopp“: Für einen Wechsel der Brennelemente wird das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (Lkr. Schweinfurt) diesen Samstag abgeschaltet. Eine Weile wird kein Wasserdampf aus den Kühltürmen aufsteigen. Foto: Fuchs-Mauder

Diesen Samstag geht das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld (KKG) zum 33. und letzten Brennelementewechsel der Anlage vom Netz, teilte die Pressestelle der E.ON Kernkraft GmbH am Freitag mit.

Für den Wechsel der Brennelemente wird das Kernkraftwerk im Landkreis Schweinfurt vor seiner endgültigen Außerbetriebnahme Ende Mai 2015 ein letztes Mal abgeschaltet. Wie auch bei der letzten Revision im Mai/Juni 2014 werden diesmal keine neuen Brennelemente eingesetzt, sondern bereits bestrahlte Elemente neu positioniert. Diese Maßnahme diene der „optimalen Ausnutzung der noch vorhandenen Brennelemente“. Eine Beladung mit neuen Brennelementen wäre mit Blick auf den gesetzlich vorgeschriebenen Abschalttermin zum Jahresende 2015 „unökonomisch“, begründet E.ON die Maßnahme. Die Brennelementsteuer, die für den Einsatz von neuen Brennelementen zu entrichten ist, führe wegen der nur noch kurzen Restbetriebszeit zu einem unwirtschaftlichen Anlagenbetrieb.

193 Brennelemente passen in den Reaktordruckbehälter. Je nach Position im Druckbehälter sind die Elemente früher oder später verbraucht. Die Neuanordnung der Brennelemente hatte KKG-Sprecher Herbert Liebhaber bei einem Gespräch mit dieser Zeitung im vergangenen Jahr als „Tanken ohne Kundendienst“ bezeichnet, KKG-Chef Reinhold Scheuring hatte von einem „Boxenstopp“ gesprochen.

Dagegen hatten die Grünen im Bayerischen Landtag die längere Nutzung der Brennstäbe kritisiert, weil dadurch unter anderem mehr Plutonium entstehe: „Nur aus Profitgier handelt der Betreiber völlig verantwortungslos und produziert noch giftigeren Atommüll“, hatte der Grünen-Energieexperte Martin Stümpfig im April 2014 im Landtag gesagt.

Wie der E.ON-Pressemitteilung zu entnehmen ist, überwachen die atomrechtliche Aufsichtsbehörde, das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und die von ihr beauftragte Gutachterorganisation TÜV SÜD Industrie Service alle sicherheitstechnisch relevanten Arbeiten während des Brennelemente-Wechsels. Wie lange die Maßnahme dauern wird, war der Pressemitteilung nicht zu entnehmen.

Im vergangenen Jahr erzeugte das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld, Deutschlands ältester aktiver Atommeiler, 10,4 Milliarden Kilowattstunden Strom und lieferte damit das zehntbeste Produktionsergebnis seit Inbetriebnahme der Anlage im Jahr 1981. Das sei ein Beleg „für den guten technischen Zustand der Anlage und die nach wie vor hohe Einsatzbereitschaft der Kraftwerksmannschaft und unserer Auftragnehmer vor Ort“, erklärte Kraftwerksleiter Reinhold Scheuring laut Pressemitteilung. „Wir werden bis zum letzten Tag einen sicheren Anlagenbetrieb gewährleisten und uns anschließend dem sicheren Rückbau zuwenden“, so der Kraftwerksleiter weiter.

An insgesamt 257 Tagen musste das KKG im vergangenen Jahr die eigene Produktion drosseln, um die zeitlich schwankende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien auszugleichen. In Summe verlor das Kraftwerk dadurch rund 202 Millionen Kilowattstunden Strom – ein Wert, der sich innerhalb der letzten zehn Jahre mehr als verdoppelt habe. Das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld hat eine elektrische Leistung von 1345 Megawatt brutto und beschäftigt am Standort rund 560 Mitarbeiter.

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