MÜNCHEN/WÜRZBURG

Dialektförderer: Kinder sollen bairisch reden

Dialekte in Bayern: Fränkisch
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Das Sprechen im Dialekt soll in Kindergärten und Schulen, aber auch in Radio und Fernsehen wieder Normalität werden. Dies verlangt Bayerns führender Dialektförderer Sepp Obermeier zum Internationalen Tag der Muttersprache an diesem Montag (21. Februar).

„Da sich Sprache weder verordnen noch verwalten lässt, muss in breiten Gesellschaftsschichten ein Umdenkprozess eingeleitet werden“, sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Obermeier forderte die Staatsregierung auf, flächendeckend eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme über die Dialektkompetenz der Kinder im vorschulischen Bereich in Auftrag zu geben.

Der Vorsitzende des „Fördervereins Bairische Sprache und Dialekte“ für Niederbayern und die Oberpfalz verwies in dem Zusammenhang auf die UNESCO, die Bairisch als Sprache seit 2009 als bedroht einstuft. „Das Sterben der Dialekte schreitet dramatisch fort und ein Kulturgut geht unwiederbringlich verloren“, befürchtet Obermeier.

Von den zuständigen Ministerien verlangt er, ein für allemal mit dem Klischee von den Dialekten als Schulkarriere-Hemmnis aufzuräumen. „Die Irrlehre aus den 1970-er Jahren, die fälschlicherweise die über Jahrhunderte gewachsenen Dialekte mit defizitären Unterschichtensprachen in Großbritannien auf eine Stufe stellte und damals die Lehrerausbildung maßgeblich beeinflusste, ist längst auf dem Müllhaufen der Sprachgeschichte gelandet.“

Das bei vielen Kindern beliebte allabendliche „Betthupferl“ im Bayerischen Rundfunk (BR) will Obermeier in sechs regionalen Mundarten ausgestrahlt wissen. Sein Verein richtete einen entsprechenden Antrag an den BR-Hörfunkausschuss, der am 3. März das nächste Mal tagt.

Obermeier verwies darauf, dass laut Artikel 131 der bayerischen Verfassung Kinder in der Liebe zur bayerischen Heimat zu erziehen sind. Da der Sender ohnedies über sechs Regionalstudios verfügt, könne das „Betthupferl“ dort in Mundart produziert werden. „Kindern und deren Eltern würde damit signalisiert, dass ihre Sprache medienwürdig ist“, begründete der Dialektförderer seine Initiative.

Auch die Kindergärten hat Obermeier im Blick. Die öffentliche Diskussion über Sprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund führt nach seiner Beobachtung in manchen Kindergärten zu kuriosen Vorbeugemaßnahmen: „Eltern fordern immer häufiger von Kindergärtnerinnen den dialektfreien Umgang mit den ihnen anvertrauten Kindern.“ Dies verstoße jedoch klar gegen den Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan für Kinder im Vorschulalter.

Schließlich fordert Obermeier, nach Schweizer Vorbild in den Geschäftsordnungen für Gemeinde-, Stadt- und Kreisparlamente zu verankern, dass Debattenredner sich im Dialekt zu Wort melden können und sollen: „Ein passives Dialektverständnis ist in diesen Gremien wohl immer vorhanden.“

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