WÜRZBURG

Die Schule im Dorf lassen

Es war vor allem ein Thema, das die Teilnehmer bei der Landesversammlung des Bayerischen Elternverbandes (BEV) in der Mittelschule am Heuchelhof in Würzburg umtrieb: Der Druck, der mehr und mehr auf den Kindern in Grundschulen lastet. Dass die Selektion nach der vierten Klasse viel zu früh stattfindet, darüber waren sich die Teilnehmer mit dem BEV-Landesvorsitzenden, Martin Löwe, einig.

„Die Schulen müssen den Kindern passen, nicht die Kinder den Schulen!“, erklärte Löwe kämpferisch. Und: „Wir alle haben Besonderheiten und Bedürfnisse und deshalb sollten alle Kinder die Chance auf optimale Bildung haben.“ Doch leider, so Löwe, sehe der bayerische Bildungsweg ganz anders aus. Dort halte man am System Selektierung und Druck durch Noten fest. Und das, obwohl es dafür keine Gründe gebe.

Belegt wurde dies von Referenten, die mit Statistiken aus verschiedenen Fach- und Forschungsbereichen ihre Forderung nach mehr Gemeinschaftsschulen und längeres gemeinsames Lernen untermauerten. Doch was hat der Übertrittsdruck mit Gemeinschaftsschule zu tun?

Die Initiative „Bildung am Limes“ aus Dachau konnte das anhand eigener Projekte erklären. In Denkendorf und im benachbarten Dorf Kipfenberg etwa haben sich Bürger und Gemeinderat gleichermaßen für eine gemeinsame Schule starkgemacht, das Konzept steht, vor Ort ist alles geregelt. Doch die Euphorie, so erklärte Roland Grüttner, Rektor der Montessori-Schule Dachau und Sprecher der Initiative, sei schnell in Frust umgeschlagen. Denn der Antrag beim Kultusministerium wurde abgelehnt.

Ob Schulprojekte wie dieses in Bayern realisiert werden können, hänge letztlich vom Willen der Staatsregierung und des bayerischen Kultusministeriums ab. Dort steht man Gemeinschaftsschulen, die keine Selektion nach der vierten Klasse vorsehen, besonders kritisch gegenüber. Für die Opposition im Landtag ist das Thema indes schon angesichts des demographischen Wandels und sinkender Schülerzahlen im ländlichen Raum längst ein brennendes Thema. Die Grünen etwa haben gerade ein Antragspaket zur Bestands- und Qualitätssicherung von kleinen Grundschulen im ländlichen Raum in den Landtag eingebracht. Der Erhalt wohnortnaher Grundschulen sei eine hohe Herausforderung für die Bildungspolitik.

Die Grünen fordern auch 400 neue Grundschullehrkräfte, ohne die vor allem kleine Außenstellen pädagogisch verhungern würden. Diese Meinung teilt in Würzburg auch Schulamtsdirektor Erwin Pfeuffer. „Die berechtigte Forderung nach optimaler Förderung muss im gleichen Atemzug mit einer Aufstockung des Personals genannt werden!“ Der scheidende Präsident des Bayerischen Lehrerverbandes, Klaus Wenzel, erklärte, der demographische Wandel lasse in den nächsten Jahren gar nichts anderes zu, als ein längeres gemeinschaftliches Lernen an wohnortnahen gemeinsamen Schulstandorten. Vor allem in Unter- und Oberfranken, so wurde deutlich, wird es zu einem dramatischen Bevölkerungsschwund kommen. Auf dem bitteren ersten Platz in Bayern steht der Landkreis Rhön-Grabfeld. Grundsätzliche Fragen zur schulischen und regionalräumlichen Organisation von Grundschulen müssen angesichts dessen dringend diskutiert werden.

Wie es gelingt, eine Schule zu einem Lebens- und Lernraum zu machen, in dem soziale Kompetenz schwerer wiegt als Fachwissen, erklärte der Rektor der gastgebenden Mittelschule Heuchelhof, Bernd Kellner. Weiterkämpfen – Schritt für Schritt! Diesen Appell nahmen die Mitglieder mit nach Hause.

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