WÜRZBURG/LONDON

Drei Sekunden trennen Thomas Lurz von Gold

Zehn Kilometer im Wasser: Thomas Lurz kam im Serpentine-Lake als Zweiter ins Ziel. Eine Delegation aus Würzburg verfolgte den Wettkampf im Londoner Hyde Park.
Zehn Kilometer im Wasser: Thomas Lurz kam im Serpentine-Lake als Zweiter ins Ziel. Eine Delegation aus Würzburg verfolgte den Wettkampf im Londoner Hyde Park. Foto: dpa

Platz zwei für Thomas Lurz: Der Würzburger hat den deutschen Schwimmern mit Silber über zehn Kilometer doch noch olympisches Edelmetall in London beschert. Auch wenn viele Mainfranken vom Olympiasieg geträumt hatten, am Ende freute sich in der Heimat nicht nur Würzburgs Oberbürgermeister Georg Rosenthal über Lurz' „fantastische Leistung“.

Der 32-Jährige, der als einer der Favoriten ins Wasser gegangen war, konnte wieder lächeln, als er die Silbermedaille um den Hals hängen hatte und dem Tunesier Oussama Mellouli zum Gold-Gewinn gratulierte. Er sei glücklich über Silber, „hätte aber gern gewonnen“, beteuerte der zehnfache Weltmeister später.

Nach fast zwei Stunden Rennen waren es gerade mal dreieinhalb Sekunden, die die beiden Erstplatzierten trennten. Mellouli war zu Beginn der letzten Runde auf dem Serpentine-Lake seinen Konkurrenten davongeschwommen und konnte den Vorsprung ins Ziel retten. Bronze ging an den Kanadier Richard Weinberger.

Mehrere zehntausend Zuschauer im sommerlichen Hyde Park sorgten für eine Atmosphäre, wie man sie beim Freiwasserschwimmen bislang nicht kannte. Allein 3000 feuerten auf einer Tribüne die Schwimmer an, darunter eine 30-köpfige Delegation vom Würzburger Schwimmverein 05. Mit dabei Mutter Renate Lurz, der nach dem Zieleinlauf die Tränen in den Augen standen. „Der Junge hat sich diese Medaille verdient“, sagte sie, „auch wenn er vielleicht ein bisschen braucht, um sich richtig zu freuen.“ „Absolut geil, das war eine Supervorstellung“, ließ auch SV-05-Vizepräsident Rainer Griebl Gedanken an Enttäuschung erst gar nicht aufkommen.

Ähnliches Bild daheim in Würzburg. „Das war sehr emotional, auch ich hatte Tränen in den Augen“, bekannte ein überglücklicher Vereinspräsident Reinhart Stumpf. „Thomas hat eine Super-Super-Leistung vollbracht. Ich bewundere seine Selbstdisziplin über all die Trainingsjahre.“ Da könnten sich viele im Deutschen Schwimmverband eine Scheibe abschneiden – diesen Seitenhieb auf die in London so enttäuschenden Beckenschwimmer wollte sich Stumpf nicht verkneifen.

Der Schwimmverein will Lurz, der bereits vor vier Jahren in Peking Bronze geholt hatte, am Mittwoch im heimischen Adami-Bad bei einem Empfang feiern. 40 Schwimm-Fans hatten die Silbermedaille bereits am Freitag beim Public Viewing vor dem Bad bejubelt.

Welche Ehre Lurz seitens der Stadt Würzburg zuteil wird, wollte Oberbürgermeister Rosenthal am Freitag noch nicht verraten. „Es soll eine Überraschung sein.“ Der OB hatte das Rennen mit Ehefrau Hanna im Rathaus vor dem Bildschirm verfolgt – und zeigte sich vor allem vom Schlussspurt des Olympiazweiten beeindruckt. Wer über Silber enttäuscht sei, habe keine Ahnung vom Leistungssport. „An der Spitze ist es eng“, betonte der früher aktive Bundesliga-Handballer. „Wir in Würzburg sind stolz auf Thomas Lurz.“

Und in Gerbrunn (Lkr. Würzburg), wo Thomas Lurz wohnt, ist man es auch. „Thomas ist ein Supertyp, ein Mensch mit Bodenhaftung, da freut der Erfolg umso mehr“, so Stefan Wolfshörndl. Der Bürgermeister verfolgte das Rennen in seinem Tiroler Urlaubsort am Fernsehgerät. „Silber ist gigantisch.“ Aber: „Wäre der Teich 50 Meter länger gewesen, hätte Lurz sicher Gold gewonnen.“

 

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