WÜRZBURG

Ein Fall von illegaler Bildnutzung

Ein ausgezeichnetes Foto, das für eine Auszeichnung missbraucht wurde: Die Macher der islamfeindlichen Internetseite „Politically Incorrect“ erkoren es zum „Pressefoto des Jahres“ – ohne Freigabe oder Quellenangabe. Nun geht diese Zeitung rechtlich gegen sie vor. Das Bild entstand am 1. Dezember 2014 in Würzburg. Main-Post-Fotograf Thomas Obermeier hielt fest, wie eine Pegida-Anhängerin auf Gegendemonstranten zuging.
Ein ausgezeichnetes Foto, das für eine Auszeichnung missbraucht wurde: Die Macher der islamfeindlichen Internetseite „Politically Incorrect“ erkoren es zum „Pressefoto des Jahres“ – ohne Freigabe oder Quellenangabe. Nun geht diese Zeitung rechtlich gegen sie vor. Das Bild entstand am 1. Dezember 2014 in Würzburg. Main-Post-Fotograf Thomas Obermeier hielt fest, wie eine Pegida-Anhängerin auf Gegendemonstranten zuging. Foto: Thomas Obermeier

Es gibt sogenannte Auszeichnungen, auf die ist man als Journalist nicht stolz. Ein Bild von Main-Post-Fotograf Thomas Obermeier, aufgenommen während einer Pegida-Demonstration in Würzburg, haben die Macher der islamfeindlichen Internetseite „Politically Incorrect“ zum „Pressefoto des Jahres“ auserkoren. Sie veröffentlichten das Foto ohne die dafür erforderliche Zustimmung des Rechteinhabers oder eine Quellenangabe. Nun leitet die Main-Post rechtliche Schritte gegen die illegale Bildnutzung ein.

Seit Wochen kommt es immer wieder zu Demonstrationen der sogenannten „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ in Würzburg, Dresden und anderen Städten. Zuletzt ging Pegida in Würzburg am Montag vor Weihnachten auf die Straße. Rund 200 Anhänger der Anti-Islam-Bewegung marschierten damals durch die Neubaustraße – so viele wie nie zuvor. Die Gegendemonstranten brachten derweil etwa 1000 Menschen auf die Straße.

Die zweifelhafte Kür des Fotos, das bereits bei der Demo am 1. Dezember 2014 entstand, nahmen die Betreiber der Seite in einem Eintrag am 29. Dezember vor. In einer kruden Laudatio ist von einem „symbolträchtigen Bild“ die Rede: am rechten Bildrand stünden „die schwarzen Typen“, von denen „Gauck und Merkel ihre Macht verteidigen“ lassen, Leute „die das Gesetz brechen“ und denen „die Halsabschneider des Islamischen Staates applaudieren“. Gemeinsam kämpften sie – gemeint sind Politiker, Islamischer Staat und Antifa – „gegen dasselbe Feindbild: selbstbewusste junge Frauen, die deutsche Fahnen hochhalten“. Der anonyme Laudator stilisiert die unbekannte Frau als „eine Heldin“. Schließlich habe sie sich einem „schwarzen Block aus zirka 200 Antifas“ gegenübergesehen. Die Lage beschreibt er als „bedrohlich“.

Verstoß gegen Urheberrecht

Fotograf Thomas Obermeier schildert die Situation, in der das Foto entstand, weniger dramatisch: „Die Frau ist mit der Fahne in der Hand auf die Gegendemonstranten zugelaufen und wollte sie ansprechen.“ Sie sei ihm schon vorher aufgefallen, weil sie immer wieder betonen wollte, dass sie „kein Nazi“ sei. „Die linken Demonstranten wollten sich aber auf keine Diskussion mit ihr einlassen“, so Obermeier weiter. „Sie standen einfach nur da.“

Ob so eine „bedrohliche“ Situation aussieht, in der selbst „der Polizist mit dem Megaphon weiß, dass er der Demonstrantin nicht wird helfen können, wenn sie nur einen Schritt weitergeht“, wie es bei „Politically Incorrect“ weiter heißt, ist fraglich. Klar ist dagegen, dass die Betreiber der Seite mit der unerlaubten Nutzung des Fotos gegen das Urheberrecht verstoßen.

Daher hat die Main-Post in einem ersten Schritt die Anwaltskanzlei des renommierten Berliner Presserechtlers Professor Johannes Weberling beauftragt, die Macher von „Politically Incorrect“ per E-Mail-Schreiben zur Unterlassung aufzufordern. Wen dieses Schreiben erreicht, ist derzeit allerdings noch völlig unklar. Ein Impressum, das die Verantwortlichen identifiziert, gibt es auf der Seite nicht. Unter „Kontakt“ werden lediglich vier E-Mail-Adressen ohne Hinweise auf Namen angegeben. Erste Recherchen haben unterdessen ergeben, dass sich der Server der Internetseite im Ausland befindet.

Update 3.1.2015 : Mittlerweile hat „Politically Incorrect“ das Bild von der Webseite entfernt und durch einen Link auf eine kleine Version des Fotos ersetzt.


Erneut Demos in Würzburg

Nach einer Pause zu Weihnachten stehen am Montag, 5. Januar, nicht nur in Würzburg wieder Demos an. Wügida (Würzburger gegen die Islamisierung des Abendlandes) kündigt im Internet einen „Spaziergang“ für 19 Uhr ab der Neubaustraße an. Gegen den Aufmarsch formiert sich erneut Widerstand. Die Initiative „Würzburg lebt Respekt“, die Würzburger Montagsspaziergänger und das Bündnis für Zivilcourage rufen zu einer Demo für Frieden und Vielfalt, gegen Rassismus und Nazi-Propaganda auf. Los geht's um 17.30 Uhr am Kiliansbrunnen vor dem Hauptbahnhof. Nachdem das Domkapitel in Köln angekündigt hat, aus Protest gegen eine Pegida-Demo die Außenbeleuchtung der Bischofskirche abzuschalten, werden ähnliche Forderungen für Würzburg laut. Denkbar wäre eine Verdunkelung der universitätseigenen Neubaukirche, an der der Wügida-Aufmarsch vorbeiführt.

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