ESCHERNDORF/SHANGHAI

Erste fränkische Vinothek in China

Vinothek in Fernost: Der Escherndorfer Fabian Kraemer – hier eingerahmt von der Fränkischen Weinkönigin Anna Saum (rechts) und Sommerachs Weinprinzessin Franziska Galena – hat das erste fränkische Weinhandelsunternehmen in China gegründet.
Vinothek in Fernost: Der Escherndorfer Fabian Kraemer – hier eingerahmt von der Fränkischen Weinkönigin Anna Saum (rechts) und Sommerachs Weinprinzessin Franziska Galena – hat das erste fränkische Weinhandelsunternehmen in China gegründet. Foto: Frank Hollmann

Der letzte chinesische Kaiser dankte zwar schon vor knapp 100 Jahren ab, eine Königin ist aber noch immer eine Attraktion im Reich der Mitte. Auch die fränkische Weinkönigin Anna Saum musste in Shanghai aus gegebenem Anlass zahlreiche Autogramme geben. Gemeinsam mit der Sommeracher Weinprinzessin Franziska Galena war Saum Ehrengast bei der Eröffnung des ersten fränkischen Weinhandels in China.

„Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“, sagt der Escherndorfer Fabian Kraemer. Als Mitarbeiter von Siemens kam er vor zwei Jahren das erste Mal nach Shanghai, verliebte sich, gründete eine Familie und nun sein eigenes Unternehmen „Vinhill – Weinberg“. Ein Jahr hätten er und seine chinesischen Mitarbeiter den Markt sondiert und die Unternehmensgründung vorbereitet, sagt Kraemer. Aus einer zu Büros umgewandelten früheren Fabrikhalle im Shanghaier Stadtteil Hongkou beliefern sie nun Restaurants, Hotels, Zwischenhändler und Endkunden mit ausgewählten Frankenweinen. Im Sortiment sind Weine vom Volkacher Weingut Römmert, der Genossenschaften Divino aus Nordheim und des Winzerkellers Sommerach sowie der Vorzeigewinzer Horst Sauer (Escherndorf) und Paul Fürst (Bürgstadt).

„Spannend“ sei es, den Schritt nach Asien zu wagen, sagt Römmert-Chefin Andrea Flammersberger. Sie war genauso zur Vinhill-Eröffnung nach Shanghai gereist wie Frank Dietrich, Geschäftsführer des Winzerkellers Sommerach. Das Thema Wein spreche immer mehr Schichten in aller Welt an, sagt Dietrich: „Warum nicht auch in China? In Japan ist der Bocksbeutel schließlich auch eine bekannte Größe.“

Noch genießt nur eine Minderheit der Chinesen regelmäßig Wein. Doch bei einer Bevölkerung von über 1,3 Milliarden ist selbst eine Minderheit ein gewaltiger Markt. Schon jetzt konsumieren die Chinesen fast eine Milliarde Flaschen Wein pro Jahr, Tendenz steigend. In Shanghai eröffneten in den letzten Jahren Dutzende von Vinotheken, die in erster Linie französische und australische Produkte führen. Nur deutsche Weine findet man in China bislang selten. Deutschland habe vergleichsweise kleine Anbauflächen, erklärt Andrea Flammersberger. Weinbauländer wie Frankreich, Italien, Spanien oder die USA dagegen setzten viel stärker auf den Export.

Dennoch suchen jetzt fränkische Winzer ihre Nische in Fernost, auch wenn ihre Weine in China drei- bis viermal so teuer sind wie daheim. Fracht, Steuern und Zölle verteuern die Tropfen auf dem Weg vom Main an den Yangtze ungemein. Die Käufer sind aber bereit, diesen Preis zu bezahlen. Ji Hong hat gerade für 2000 Euro fränkischen Eiswein bei Fabian Kraemer eingekauft, eine Kiste davon für seinen besten Freund. Er genieße den süßen Geschmack, schwärmt der vermögende Shanghaier Ji.

Der hohe Preis seines Sortiments sei kein Kaufhindernis für die Kunden aus der wachsenden chinesischen Mittelschicht, betont Fabian Kraemer, im Gegenteil. Wenn Chinesen nach einem Geschenk suchten, würden sie gezielt nach dem Preis fragen: „Wenn der Preis hoch ist, dann ist das ein Top-Geschenk.“

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