BONN/WÜRZBURG

Erstmals Cannabis aus der Apotheke: Antrag genehmigt

Cannabis
Zum ersten Mal hat eine Patientin in Deutschland die Erlaubnis erhalten, in der Apotheke Cannabis zu kaufen. Die Bonner Bundesopiumstelle hat dem Antrag einer 51-jährigen Frau aus Baden-Württemberg, die an Multipler Sklerose erkrankt ist, unter strengen Auflagen zugestimmt. Der Leiter der Bundesopiumstelle, Johannes Lütz, bestätigte am Dienstag einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“.

Die Patientin darf ab Ende August Extrakte aus Hanf legal in ihrer Apotheke beziehen und damit Spastiken und Schmerzen lindern. Die Genehmigung gilt zunächst für ein Jahr, ein Arzt muss die Therapie begleiten. Seit einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts darf die Bundesopiumstelle Anträge von Erkrankten, die Cannabis als Medizin einsetzen wollen, nicht mehr pauschal ablehnen. Bis dahin wurden Ausnahmen allenfalls für wissenschaftliche oder „im öffentlichen Interesse liegende“ Zwecke gemacht.

Weil auch die Gesundheit einzelner Patienten ein öffentliches Interesse sei, müssten Anträge in jedem Fall einzeln geprüft werden, urteilte das Gericht im Mai 2005. 50 Anträge hat die Bundesopiumstelle derzeit vorliegen – unter anderem von einem Morbus-Crohn-Patienten aus Würzburg. Es müsse nachgewiesen und ärztlich attestiert werden, dass es zur Einnahme des Cannabisprodukts keine Alternative gebe, sagt Lütz. Jeder Antrag werde „sorgfältig, aber wohlwollend“ geprüft. Wichtig sei, dass angemessene Sicherungsmaßnahmen garantiert würden. So solle vermieden werden, dass die Droge entwendet werde.

Weil Cannabis unter das Betäubungsmittelgesetz fällt und der Besitz verboten ist, bewegen sich Patienten, die den Stoff auf eigene Faust besorgen, am Rande der Legalität. Ein 40-jähriger Morbus-Crohn-Patient aus dem Landkreis Würzburg, der zur Eigenbehandlung Cannabis aus Holland einführte, sitzt seit Anfang Juli in Untersuchungshaft.

Inzwischen liege die Anklageschrift vor, sagt sein Anwalt Konrad Scheckenbach. Wegen des Kriteriums der „nicht geringen Menge“ des eingeführten Wirkstoffs THC droht die Mindeststrafe von zwei Jahren. Betreut wird der Würzburger von der „Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“, die fordert, allen Patienten, die von Cannabis profitieren, die Verwendung zu ermöglichen.

Laut dem Würzburger Gastroenterologe Professor Wolfgang Scheppach gibt es derzeit allerdings „keinen Grund zur Annahme, dass Cannabis Morbus Crohn heilt“. Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es keinen Nachweis, „dass man es verordnen sollte“.

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