ESCHAU

Fast wie der Zaubertrank von Asterix

Klein, schwarz und gesund: Auf der Plantage von Willi Nagler (47) in Eschau wächst die Aronia-Beere. Foto: Joachim Schwamberger

Es gibt durchaus schmackhaftere Beeren, aber die Aronia soll man wegen ihres leichten Bittermandelgehaltes ohnehin nicht roh verzehren. Außerdem schmeckt sie ausgesprochen herb und zieht sämtliche Schleimhäute im Mund zusammen. Besser, man trinkt den Saft, verdünnt mit Mineralwasser oder gemischt mit anderen Säften, streicht sich das Gelee aufs Brot oder sündigt mit schokoladigen Aroniageist-Trüffeln.

Gesund ist der Verzehr von Aronia-Produkten allemal, sagt die Wissenschaft. Bestätigt hat das Geschäftsführer Thomas Riehl vom Fränkischen Obstbauern e. V. Auch Tobias Niedenthal von der Forschergruppe Klostermedizin der Uni Würzburg klingt fast begeistert, als auf Anfrage der „Main-Post“ von den vielen Inhaltsstoffen der kleinen schwarzen Beere mit ihrem tiefdunkelroten Saft spricht. Die Heilwirkung sei durchaus anerkannt. Allerdings müsse man noch viel intensiver forschen, um in die letzten medizinischen Winkel vorzudringen.

Die Aronia-Beere ist in Franken relativ neu. In nennenswertem Anbau wächst sie derzeit nur in Eschau im Spessart im Landkreis Miltenberg auf dem Wiesenhof. 7,5 Hektar bewirtschaften Willi und Bernadette Nagler aus dem Ortsteil Sommer unmittelbar auf einem Südhang am Ortsrand.

„In ganz Deutschland wachsen etwa 1000 Hektar Aronia-Beeren“, erzählt Willi Nagler. Die seien aber weit verstreut. Nur bei Dresden würden noch etwa 40 Hektar gepflegt. Dorthin kam die Beere während der russischen Besatzungszeit. In Osteuropa kennt man sie seit Anfang des 19. Jahrhunderts, als sie von Amerika eingebürgert wurde.

Seit einigen Jahren ist Aronia-Saft ein Trend-Getränk. Auch die anderen Erzeugnisse finden immer mehr Liebhaber, wenn man sie denn findet. Tobias Niedenthal verweist aufs Internet. Er warnt aber vor Händlern, die Aronia-Erzeugnisse nach Hildegard von Bingen anpreisen. „Die lebte im 12. Jahrhundert, da wusste bei uns noch keiner was von der Aronia.“

Da die Aronia wie die Eberesche zu den Rosengewächsen zählt, kennt man sie als auf diesen Baum aufgepfropfte Frucht. Für den Erwerbsanbau eignet sie sich jedoch nur in gezüchteter Buschform. Schließlich darf sie nicht höher als etwa 1,80 Meter werden, denn mehr schafft der Vollernter nicht.

Einzeln zupfen? Wäre eine Heidenarbeit und unbezahlbar, auch wenn der Vollernter stattliche fünf Euro pro gefahrene Minute kostet. Und Handarbeit geht nicht schnell genug. Geerntet werden muss die Beere, wenn es nicht zu heiß ist, denn sie gärt sehr leicht. Deswegen: Runter vom Busch, rein in den Transportwagen und bei Bedarf kühlen. Und dann schonend auspressen.

Wenn die Naglerschen Büsche ausgewachsen sind, rechnet der Landwirt mit 8000 Kilo Ertrag pro Hektar. Zwei Drittel geht momentan an einen Weiterverarbeiter aus dem Raum Stuttgart, den Rest lässt er für den Direktverkauf auf seinem Wiesenhof in die eingangs geschilderten Produkte verwandeln.

Die Liste der Inhaltsstoffe ist laut Analyse lang: Zucker, Gerbstoffe, Säuren, Pektin, Beta Carotin, Folsäure sowie Vitamine A, B, C E und K in verschiedenen Stufen, Kalium, Calcium, Magnesium, Zink, Eisen ...

Wirken soll diese natürliche „Arbeitsgemeinschaft“ antioxidativ gegen Stress, offene Beine, hohen Blutzuckerspiegel, Harnwege- und Blasenentzündung, schlechte Blutfettwerte oder mangelnde Durchblutung. Die Wirkung soll auch vorbeugend gegen Zellschäden, Krebs, Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Kinderkrankheiten und Schwangerschaftsbeschwerden sein.

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