GEMÜNDEN

Fränkische Aale für den Atlantik

Für Unterfrankens Mainaale ist die Schleuse am Gemündener Stadtteil Harrbach in den kommenden Wochen ein großes Ziel. Von hier aus werden die gefangenen Fische aus dem Einzugsgebiet des Mains per Lastwagen zum Rhein transportiert. Dann nehmen sie ihren gewohnten Weg über die Nordsee zu ihren Laichplätzen in der Sargassosee im Atlantik vor der Küste der USA. Am Donnerstag traten die ersten 500 Aale ihre Reise an.
Aale sammeln: Christian Schätzl betreut die Aktion „Fishing and Moving“ für die Fischer.
Aale sammeln: Christian Schätzl betreut die Aktion „Fishing and Moving“ für die Fischer. Foto: FOTO Herbert Hausmann

Die 34 Flusskraftwerke in Bayerns einzigem Aalfluss, dem Main, bedeuten für die Blank-Aale nicht nur ein schwer zu überwindendes Hindernis, sie bedeuten auch für einen großen Teil der Fische den sicheren Tod. Nahezu die Hälfte der Aale, die aus dem Main zu ihren Laichgebieten aufbrechen, erreichen noch nicht einmal den Rhein.

„Nur etwa fünf Prozent der Menge, die wir vor 50 Jahren hatten, kommen wieder zurück“, betonte Christian Schätzl, der für die Fischer die Aktion zusammen mit Peter Wondrak, dem Präsidenten des Fischereifachverbandes Unterfranken koordiniert. „Fishing and Moving“ heißt diese Aktion, für die nun der Startschuss fiel: der Transport der Fische um die Kraftwerke herum flussabwärts.

Dabei werden Aale von den Fischern gefangen, zur Sammelstation nach Harrbach gebracht, dort auf ihre „Reisetauglichkeit“ untersucht, gewogen und dann auf dem Landweg zu einer Einsetzstelle am Rhein gebracht. „Eine in Deutschland bisher einmalige Aktion“, so Peter Wondrak und Christian Orschler, Pressesprecher von E.ON Wasserkraft, der Eigentümerin der Kraftwerke im Main.

„Was wir jetzt bräuchten, wäre ein kleines Hochwasser“, wünschte sich Koordinator Christian Schätzl. Etwas mehr Wasser im Main erzeugt bei den Aalen die Aufbruchstimmung, die die Fischer für ihre Fangaktion gerne hätten. „Der Aal muss mit seinen Kräften haushalten, um den langen Weg überstehen zu können. Deshalb schwimmt er auch nicht.“, erklärte Schätzl. Lieber wartet er einen höheren Wasserstand ab und lässt sich von der Strömung treiben. Beim jetzigen Wasserstand warten die Tiere lieber noch etwas.

„Etwa in drei Jahren“, rechnen Peter Wondrak und Christian Orschler mit ersten Ergebnissen des Versuchs, der in der Umsetzung seinesgleichen sucht. „Wir haben uns zum ersten Mal im August getroffen und sofort mit der Umsetzung begonnen“, erläuterte Christian Orschler diese „schnelle Lösung“.

Die sieht so aus, dass E.ON Wasserkraft in den kommenden drei Jahren für jedes Kilogramm transport- und wanderfähigen Blank-Aal 15 Euro an die Fischer bezahlt. Für den Transport kommen noch einmal 50 Cent je Kilogramm zusätzlich hinzu. Als Höchstbetrag stellt E.ON Wasserkraft 50 000 Euro je Jahr zur Verfügung.

Einer der ersten Anlieferer war Thomas Deeg aus Bad Kissingen. Er brachte 160 Kilogramm Aal aus der Fränkischen Saale zur Sammelstation. „Wir nehmen Aale aus dem gesamten Einzugsgebiet des Mains“, meinte Christian Schätzl. Zwischen 60 und 80 Zentimeter lang waren die Prachtaale aus dem Bereich der Kurstadt. „Fishing and Moving“ ist eine bisher in Deutschland einmalige Aktion, wie alle Beteiligten betonten. „Dies ist zunächst einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber die Aktion ist geeignet, der Stein des Anstoßes zu sein, dem noch viele Steine folgen können“, freute sich Koordinator Christian Schätzl.

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