WÜRZBURG

Fränkischer Bund kritisiert Staatsregierung: „Franken massiv benachteiligt“

Aus seinen Zielen macht der „Fränkische Bund“ keinen Hehl: „Freiheit für Franken“ lautet ein Slogan, ein anderer „Frei statt Bayern“, gemünzt auf den Freistaat Bayern. Die Unzufriedenheit mit den herrschenden Verhältnissen ist bei einem Pressegespräch in Würzburg aus fast jedem Satz herauszuhören.
Am Tag der Franken (2.  Juli) dominiert Rot-Weiß.
Am Tag der Franken (2. Juli) dominiert Rot-Weiß. Foto: FOTO dpa

„Wir legen immer dann den Finger in die Wunde, wenn die innerbayerische Chancengleichheit verletzt wird“, sagt Günter Geißler aus Würzburg. „Und das ist leider oft der Fall.“ Der Süden, insbesondere der Speckgürtel um München sei jahrzehntelang deutlich besser behandelt worden als der Rest des Freistaats: Mehr Geld für Infrastruktur, für Industrie- und Wissenschaftsansiedlung sei dort hintransferiert worden, dazu Behörden, Gerichte, kulturelle Einrichtungen.

„Das Bayern südlich der Donau war Agrarland, die Industrie, das Städtewesen, das blühende Handwerk, die Erfinder gab es in Franken“, bilanziert Jochen Pfeuffer aus Altbessingen, Vorstandsmitglied des Fränkischen Bundes. Seit den 1950er Jahren sei massiv in und um München investiert worden – auch mit Mitteln aus dem Länderfinanzausgleich (bis 1980) und mit Steuergeldern aus Franken, die nicht in dem Verhältnis zurückgeflossen seien, wie sie nach München transferiert worden waren.

Hier finden Sie weitere Forderungen und Ziele des Fränkischen Bundes

In einem Faltblatt hat der Fränkische Bund sieben Kernforderungen aufgestellt, will zudem mit Fahnen, Postkarten, Aufklebern und Plakaten Zeichen gesetzt wissen. Zu den Forderungen gehört die Vereinigung der „willkürlich errichteten“ drei fränkischen Bezirke, die zusammen mit 4,2 Millionen Einwohnern zahlenmäßig so groß wären wie Oberbayern und dann ein vernünftiges Gegengewicht bilden könnten.

Eine im Faltblatt genannte Forderung ist bereits überholt: Bayern analog zu Baden-Württemberg oder Sachsen-Anhalt in Bayern-Franken umzubenennen, hat der Verein nach juristischer Prüfung inzwischen zurückgezogen. Richtig Druck aber macht der Verein, dass „geraubte Beutekunst“ (ca. 5800 Objekte) nach Franken zurückgegeben wird.

„Unsere Petition an den Landtag mit fast 12 000 Unterschriften war ein großer Erfolg“, sagt Ernst Hart aus Großlangheim, wie Pfeuffer einer von fünf Vorsitzenden. Die Eingabe zur Rückgabe fränkischer Kulturgüter wurde vom Petitionsausschuss des Landtages „gewürdigt“, somit weiterverfolgt. Immerhin war bereits 2004 zum Würzburger Stadtjubiläum das „Herzogschwert“ für kurze Zeit von München herausgegeben worden.

Zu den Forderungen gehört weiter, fränkische Geschichte, Sprache und Tradition vom Kindergarten bis zur Universität in Lehr- und Studienpläne zu integrieren. Auch müsse aufhören, dass von „Nordbayern“ geredet wird – Franken sei der einzig richtige Name, schließlich würde auch niemand von Südbayern reden, wenn es um Oberbayern geht.

Besonders schlecht kommt beim Fränkischen Bund der Bayerische Rundfunk weg. „Wir wollen nicht täglich mit Müll-Nachrichten über die Ereignisse im hinterletzten bayerischen Gebirgstal überschüttet werden“, heißt es in dem Faltblatt wörtlich. Das Frankenstudio habe sich nicht bewährt, man müsse den Bayern-Funk teilen. „Wir wollen nicht die x-te Folge von 'dahoam is dahoam' mit unseren Gebühren mitfinanzieren, solange es keine fränkischen Sendungen in entsprechendem Umfang gibt“, findet Pfeuffer.

Allerdings übt der Fränkische Bund auch Selbstkritik: Die Franken könnten selbst mehr tun, um die Bajuwarisierung zu stoppen, sollten mehr auf Sprach-, Kultur- und Lebensgefühl achten. Fleischküchle (la) statt Fleischpflanzerl, Bierkästla statt Biertragerl, fränkische Vesper statt Weißwurstfrühstück – das seien Beispiele, durch die das Fränkische künftig wieder stärker betont werden könnte.

Erst recht aber durch den bewussten Verzicht auf weißblaue Rautenmuster, Rückbesinnung auf rot-weiß, auf den fränkischen Rechen. „Es gehört zu unseren Kernforderungen, dass wir auch an staatlichen Gebäuden künftig nicht weißblau beflaggen müssen, sondern rot-weiß. Vor allem natürlich am Tag der Franken am 2. Juli“, sagt Joachim Gehrig.

Stichwort

Fränkischer Bund

Der Fränkische Bund mit Sitz in Bayreuth ist ein eingetragener Verein, finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Er hat rund 500 Mitglieder, davon etwa 110 in Unterfranken: 57 im Bereich Würzburg-Land, Spessart und Aschaffenburg), 40 in Schweinfurt/Rhön und 15 im Raum Kitzingen. E-Mail: fraenkischerbund@web.de Info: www.fraenkischer-bund.de

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